Betriebsdaten-Terminals (BDTs)

Diese Geräte waren robuste 8-Bit-Rechner, die auch anwenderunabhängig Daten sammeln und weiterleiten konnten. Sie wurden vorwiegend in der Industrie in den verschiedensten Anwendungsgebieten eingesetzt.


Betriebsdatenterminal K8901

(Alias K 8901, K-8901)

Dieses Gerät wurde von Robotron Zella-Mehlis entwickelt, basierte auf dem U880-Prozessor und besaß ein Lesegerät für Lochkarten, Lochkennkarten oder Magnetkarten.
Weiterhin waren manuelle Eingaben über das Tastaturfeld möglich. Das Gerät bot digitale Ein-/Ausgänge für die Realisierung automatisierter Datenerfassung, z.B. zum Zählen von Werkstücken.
Eine 1-zeilige alphanumerische Anzeige sowie einige Leuchtdioden zeigten den Status des Gerätes an.


Betriebsdatenterminal K8901

Einsatz des K8901 im Simson-Werk

Ursprünglich war es geplant, das K8901 mit einem Thermostreifendrucker auszurüsten sowie einer Kombination von Magnetkarten- und Lochkennkartenleser. Diese Variante kam aber nicht über den Prototypenstand hinaus.


K8901-Prototyp mit Druckwerk

Hardware

Die Datenübertragung erfolgte auf Basis der Schnittstellen-Norm IFLS-Z.
Über die Baugruppe ILA (Intelligenter Leitungs-Adapter) in einer übergeordneten Systemsteuereinheit (SSE) K8524 wurden die Daten gesammelt und schließlich an einen Leitrechner weitergereicht.
An eine SSE konnten bis zu 32 BDTs K8901 gekoppelt werden. Alternativ waren auch Datenerfassungssysteme in Verbindung mit der konfigurierbaren Datenstation (KDS) K8915 realisierbar.

Neben der Verkabelung mit 75Ω-Koax-Kabel kam in besonderen Arbeitsumgebungen auch Lichtwellenleiter (LWL) zum Einsatz. Die Umsetzung von Koax auf LWL erfolgte mittels spezieller elektrischer Abzweigeinrichtungen.

Das K8901 war sowohl für Wandmontage als auch in Auftischvariante einsetzbar.
Hierfür war es möglich, durch eine um 180 Grad verdrehte Montage der oberen Gehäuseschale gegenüber dem Unterteil die Lage von Tastatur und Anzeige zu vertauschen.


Prüf-Magnetkarten

Prüf-Magnetkarten, Rückseite



Technische Daten

Anwendungen

Die Einsatzgebiete waren u.a.: Ein bedeutender Anwender des K8901 innerhalb der DDR war das Werk für Fernsehelektronik in Berlin.
Der Großteil der Geräte diente dort der Erfassung von Betriebsdaten in der Farbbildröhrenproduktion.
Hierfür wurden über Maschinenschnittstellen automatisiert Stückzahlen übermittelt. Zusätzlich erfolgte an den Prüfarbeitsplätzen manuell die Eingabe von Kurzzeichen zur Erfassung von Ausschussteilen.

Ein weiteres Einsatzfeld war die Zutrittskontrolle für sensible Produktionsbereiche, wie z.B. Maskenproduktion, Rechenzentrum und der dazugehörige Technikraum für die Instandhaltung.
Die Zutrittskontrolle am Werkseingang, gekoppelt mit Drehkreuzen wurde technisch fertig gestellt, aufgrund der neuen Rechtssituation zur Wendezeit aber nicht mehr in Betrieb genommen.

Durch den Auftrag, die zur Datenerfassung und -auswertung benötigten Systemsteuereinheiten durch modernere Standard-PCs abzulösen, produzierte Robotron entsprechende PC-Steckkarten.
Diese enthielten die gleichen Komponenten wie die Intelligenten Leitungs-Adapter (ILA) der Systemsteuereinheiten SSE. Die längerfristig vorbereitete Ablösung des K8901 durch das K8902 erfolgte nicht mehr. Auch ein testweise mit RAM aufgerüstetes K8901 blieb ohne Produktionseinsatz.
Der Einsatz der Geräte im Werk für Fernsehelektronik erstreckte sich noch bis ungefähr 1991.


ILA-Steckarte für IBM-kompatible PCs

Vom K8901 ist heute der Verbleib von nur 1 Exemplar bekannt. Es befindet sich im Deutschen Chemiemuseum Merseburg.


Betriebsdatenterminal K8902

(Alias K 8902, K-8902)

Dieses Gerät ist seinem Vorgänger K8901 recht ähnlich.
Äußerlich erkennbarer Unterschied ist das um eine weitere Zeile vergrößerte Display. Intern wurde die Grundausstattung bei EPROM, RAM und E/A-Schnittstellen erweitert. Auch die Montage-Konsole wurde angepasst.


Betriebsdatenterminal K8902 mit Betriebssystem IDA

K8902 mit Betriebssystem BOOT

Anschlussfeld des K8902.
Links die Herausführungen des Koaxkabels

Das K8902 war mit IFLS-Z-Interface oder mit einer V.24-Synchron-Schnittstelle ausgestattet.


Software

Es standen mehrere Betriebssysteme zur Auswahl: IDA, EDS, LOADING und BOOT.
Das besondere am Betriebssystem IDA (Interpretersystem zur DateiArbeit) war, dass das K8902 damit auch autonom Daten sammeln und aufbereiten konnte. Ein wichtiger Aspekt, da dies die Zuverlässigkeit und Störfestigkeit des gesamten Datenerfassungssystems stark beeinflusst.


Innenansicht des K8902

Innenansicht der Interface-Einheit

Technische Daten

Das Gerät wurde u.a. in der Automobil-Produktion in Eisenach (Wartburg) sowie im Simson-Werk in Suhl eingesetzt.

Von diesem Gerät ist der Verbleib von derzeit 6 Geräten bekannt.
Mangels Gegenstelle ist eine Wiederinbetriebnahme aus heutiger Sicht in weite Ferne gerückt.


Betriebsdatenterminal K8904

(Alias K 8904, K-8904)

Dieses Gerät, auch als "Intelligentes Datenterminal" bezeichnet, wurde vom Buchungsmaschinenwerk Karl-Marx-Stadt (Chemnitz) hergestellt.


Betriebsdatenterminal K8904

Betriebsdatenterminal K8904

K8904, Gehäuse abgenommen

Magnetkartenleser des K8904

K8904, geöffnet

Die Rechnerplatine des K8904

Es wurde über Schnittstellenvervielfacher K8525 (die jeweils acht K8904 bedienen konnten und kaskadierbar waren) mit dem Leitrechner (meist ein EC1834) verbunden. Als Medium dienten dafür elektrische Leitungen (vermutlich IFSS) oder Glasfaserleitungen (Glasfaserübertragung mit niedriger Geschwindigkeit).

Vom K8904 ist heute noch 1 Exemplar bekannt.


Betriebsdatenterminal K8905

(Alias K 8905, K-8905)

Dieses von Robotron-Vertrieb Erfurt produzierte Gerät arbeitete vollkommen ohne Bedienereingriff und wurde u.a. beim Zugangskontrollsystem ZEUS zur Erfassung der Arbeitszeit und zur berechtigungs-abhängigen Zugangskontrolle angewendet.

Als Netzwerk kam das ringförmige IFSR auf Koaxbasis zum Einsatz.
Nach dem Einschalten forderte das K8905 per Netzwerk ein Betriebssystem an, welches es vom Leitrechner (PC1715) per Netzwerk geschickt bekam. Anschließend war das Gerät zur Arbeit bereit und konnte bis zu 50 Bewegungsdaten zwischenspeichern und die Berechtigungen von bis zu 150 Mitarbeitern halten.

Es gab vier Varianten des K8905: Ausser den Magnetkartenlesern konnten die K8905.11-13 auch die Signale zweier Geber oder Lichtschranken verarbeiten sowie über Relais optische oder akustische Anzeigen bedienen.

Vom K8905.12 hat bis heute 1 Exemplar bekannt, vom K8905.13 zwei Exemplare, vom K8905.14 zwei Exemplare, vom K8905.15 ein Exemplar. Das K8905.11 gilt als ausgestorben.
Der Aufbau eines funktionsfähigen IFSR-Netzwerkes rückt damit heute wieder in greifbare Nähe.


Betriebsdatenterminal K8906

(Alias K 8906, K-8906)

Mit der Geräteserie K8906 versuchte auch Robotron Zella-Mehlis, ein Zugangskontrollsystem zu bauen, und zwar im Jahr 1990. Gegenüber dem ähnlich aufgebauten K8905 und hatte es eine wesentlich geringere Gehäusegröße.


Betriebsdatenterminals K8906

Betriebsdatenterminals K8906

Ob das K8906 überhaupt in Serie ging oder bereits im Prototypenstatus stecken blieb, ist noch ungeklärt. Ebenso die Art des verwendeten Netzwerks.

Von den K8906-Geräten hat wahrscheinlich nur je 1 Exemplar überlebt.


Bedien- und Programmiereinheit (BPE) K8401

(Alias K 8401, K-8401)

Sie diente zur Prüfung, Instandsetzung und Programmierung der Betriebsdatenterminals K8901, K8902 und der Baugruppe ILA und basierte konzeptionell auf dem K8901. Äußerliches Unterscheidungsmerkmal war das am Fußende fest montierte Verbindungskabel, womit ein direkter Kontakt zur ZVE des Prüflings hergestellt wurde. Weiterhin befand sich an der Stelle des Kartenlesers ein frei zugänglicher 28-poliger Schaltkreis-Sockel.


Betriebsdatenterminal K8401

K8401-Rückansicht

K8401, geöffnet

erste Platine im K8401

zweite Platine im K8401

Aufgaben der Geräts: Steuerfunktionen:

Technische Daten

Vom K8401 ist heute noch die Existenz 1 Exemplars bekannt. Es befindet sich im Deutschen Chemiemuseum Merseburg.


Betriebsdatenerfassungssystem HADES

(Alias Daro 1600, Daro-1600)

(Halbautomatisches Datenerfassungssystem)
HADES war die erste Lösung zur Erfassung größerer Mengen von Betriebsdaten in der DDR. Diese Geräte gehörten zum System HADES und dienten der Datensammlung und Vorverarbeitung, um sie dann gebündelt an den Rechner R4200 zu schicken. Dadurch wurde ein Warten des R4200 auf die langsamen Datenquellen vermieden und die Rechnerauslastung verbesserte sich. Hersteller war der VEB Robotron-Elektronik Zella-Mehlis. Die Entwicklung begann 1969, die Produktion 1974.


Arbeit an einem HADES-System.
Links ein DEP-C, rechts eine DZA mit DTE

Typische zu erfassende Größen waren Zum HADES gehörten folgende Gerätekomplexe:


Typischer Aufbau eines HADES-Systems (online und offline)

Zum HADES-System wurden 2 Geräteserien entwickelt: daro1600 (nicht verwechseln mit den K1600-Rechnern) sowie 2 Jahre später das verbesserte daro1602.

Rechner R4200

Der Rechner fungierte als zentrale Steuer- und Verarbeitungseinheit und war mit 16 KWorten RAM ausgerüstet. Als Peripherie arbeiteten Lochbandleser (DTL), Lochbandstanzer (DTE) und Bedienschreibmaschine SM4000. Der Rechner konnte durch einen Trommelspeicher mit 98 KWorten und einer Zugriffszeit von 20 ms erweitert werden.


Dezentrale Abfrageeinheit DZA

Die Dezentralen Abfrageeinheiten wirkten als Leitungsverteiler, Leitungskonzentrator bei Aus- und Eingaben über (maximal 15) Datenendplätze oder Datenendstellen. Auf Wunsch konnte die DZA Datum und Uhrzeit zu den Eingaben hinzufügen sowie Datenprüfungen (z.B. Feldlängenprüfung, Zahlenprüfung) durchführen.


Dezentrale Abfrageeinheit Daro 15x0



Datenendplatz DEP

Die Datenendplätze bildeten die Ein- und Ausgabegeräte des Systems. Die Eingabe konnte erfolgen über: Für die Datenausgabe standen zur Verfügung: Aus den möglichen Ein- und Ausgabegeräten wurden folgende Datenendplatztypen aufgebaut:


Datenendplatz Typ A

Datenendplatz Typ C. Rechts der Streifendrucker

Arbeit an einem Datenendplatz Typ A in der Textilindustrie

Die DEP wurden rechnerseitig stets mit einer DZA verbunden, in Prozessrichtung waren sie, falls sie nicht selbst die unterste Ebene bildeten), mit den DES verbunden.


Datenendstellen DES

Diese Geräte dienten ausschließlich der Eingabe. Man unterschied 2 Arten:

Datenendstelle daro 1270 (MES Typ 2)

Eine andere Version der MES

und noch eine andere MES

Die DES wurden stets mit Datenendplätzen Typ K gekoppelt und bildeten das untere Ende des Systems.


Datenträgererzeugung DTE

Diese Geräte dienten der Abspeicherung der Daten unabhängig vom Rechner. Damit sollte im Fall eines Rechnerausfalls ein Datenverlust durch die ja weiterlaufende Produktion vermeiden werden. Bei Wiederherstellung der Verfügbarkeit des Rechners wurden diese Datenträger dann mit den Lesegeräten des Rechners nachträglich eingebucht werden.
Zur Aufzeichnung wurden Lochbandstanzer daro 1215 und Kassettenmagnetbandgeräte daro1250 benutzt.


Datenträgererzeugung DTE

Es gab auch Systeme ohne Online-Rechnerankopplung, wo die Daten ausschließlich per DTE zum Rechner gebracht wurden. Die DTE wurden im Normalfall and die DZA gekoppelt, es gab aber auch Einsatzmöglichkeiten mit direkter Koppelung an den Rechner.


Datennahübertragungseinrichtung 1 (DÜE1)

Normalerweise gestattete die SIF1000-Schnittstelle zwischen DEP und DZA nur maximale Leitungslängen von 20 Metern. Durch Einsatz der DÜEs konnte diese Entfernung bis auf 1000 Meter ausgeweitet werden. Die DÜEs sind technisch wahrscheinlich mit den GDN identisch.


Dispatcher-Anzeigefeld

Dieses Gerät dient der Kontrolle bzw. Überwachung der Datenendplätze. Schaltete ein Bediener auf seinem Datenendplatz den Fehlerschalter ein, blinkte auf der Dispatcher-Anzeige eine Lampe, die der Dispatcher nach Kenntnisnahme in Dauerlicht umschalten konnte. Somit war ein Überblick über die Fehlerzustände gegeben. Mit einem Dispatcher-Anzeigefeld konnten bis zu 128 Datenendplätze überwacht werden.
Die Koppelung des DAF erfolgte an die Leitung zwischen DEP und DZA.


Software

Als Betriebssystem wurde auf dem R4200 das Echtzeitsystem SYPS4000 gefahren, zur Compilierung das Übersetzungsprogramm SUP4200.


Verbreitung

Praktisch wurde das HADES-System nur äußerst selten eingesetzt, was einfach daran lag, dass sich in den DDR-Betrieben Computertechnik nur sehr langsam durchsetzen konnte (das lag neben dem Preis vor allem an den unzureichenden Produktionszahlen der Rechentechnik).
Nachfolger des daro 1600 war das Datensammelsystem DSS5220, das auf Basis des Rechners PBT4000 arbeitete und danach das Betriebsdatenerfassungssystem A5222.

Heute existieren noch einige Geräte des HADES, allerdings keins mehr in Funktion. Da keins dieser Systeme mehr vollständig ist, wird sich daran in Zukunft sicher auch nichts mehr ändern.



Letzte Änderung dieser Seite: 23.08.2010Herkunft: www.robotrontechnik.de