Nadeldrucker der Serie SD115x

Diese Druckerserie wurde hauptsächlich für den professionellen Einsatz in Rechenzentren gebaut.
Sie zeichnen sich durch eine robuste Bauweise, wartungsarmen Einsatz sowie weitgehende Konfigurierbarkeit aus.
Im semiprofessionellen Einsatz wurden dagegen die preiswerteren Drucker der K631x-Serie bzw. 632x-Serie benutzt.
Außerdem gab es noch einige exotischen Nadeldruckerarten.
An Stellen, wo es auf eine sehr gute Druckqualität ankam, hat man statt der Nadeldrucker Typenraddrucker SD1152 eingesetzt.

Die Bezeichnung "SD" steht für "Seriendrucker".


Drucker SD1154

(Alias SD 1154, SD-1154)

Dieser Drucker wurde von 1976 bis 1987 im Büromaschinenwerk Sömmerda gebaut und im Umfeld von Robotron-4000-Rechnern sowie in Verbindung mit dem Computer PBT4000 benutzt. Es wurden 40420 Exemplare dieses Druckers hergestellt.


Drucker SD1154 mit Zusatzgerät daro 1160

Innenansicht des SD1154 (von hinten)

Druckbildes SD1154.
Der geringe Kontrast liegt am leeren Farbband

Als Einbaugerät fand er auch in den Cellatron-Buchungsmaschinen sowie im Bediendrucker BD4000 Verwendung.

Die Standardversion des SD1154 war mit 7 Nadeln bestückt, es gab aber auch Versionen mit 9 Nadeln. Die Nadeln befanden sich alle untereinander in 1 Spalte angeordnet und waren einzeln ersetzbar. Der Druckkopf wurde über einen Getriebespindel (Schneckenantrieb) bewegt; das Drucken erfolgte unidirektional, also nur beim Druckkopflauf vom links nach rechts. Die Zeichen wurden durch ein Raster von 7x5 bzw. 9x5 Punkten gebildet; ein echter Grafikdruck war nicht möglich. Im freilaufenden Betrieb (Rechner liefert immer hinrechend schnell Daten) erreicht der SD1145 eine Druckgeschwindigkeit von 45 Zeichen/Sekunde. Lieferte der Rechner langsamer Daten (z.B. in einem Schreibmaschinenmodus), ging der SD1154 in den Start-Stop-Modus, er hielt also nach jedem Zeichen an und erreichte hiebei eine maximale Geschwindigkeit von 25 Zeichen/Sekunde.

Ungewöhnlich war der Papiervorschub: der Motor drehte sich ständig. Die Papierwalze wurde dann bei jedem Zeilenvorschub kurz über eine elektromechanische Kupplung eingekuppelt, 1 Motorumdrehung mitgenommen und danach automatisch wieder ausgekuppelt. Als Kopfantrieb wurde erstmals ein Schrittmotor eingesetzt, der ursprünglich von einer CSSR-Firma bezogen werden sollte. Da das nicht funktionierte, erfolgte eine Eigenentwicklung im BWS. Diese Verfahrensweise war typisch für die Wirtschaft der DDR: das "Kombinat Elektromotoren" hatte kein Interesse an Entwicklung und Fertigung, obwohl es seine ureigenste Aufgabe gewesen wäre. Damit wurde die Produktion von Schrittmotoren im BWS eingeleitet, die am Standort Sömmerda noch heute praktiziert wird und Voraussetzung für alle nachfolgenden Drucker war, denn auch für die Positionierung der Typenscheibe im Drucker SD1152 wurde ein Schrittmotor benutzt. Diese Motoren waren auch Bestandteil der verschiedenen Typenradschreibmaschinen der Firma Optima/Erfurt und der Floppy-Laufwerke von BWK.

Als Farbband kamen am SD1154 Schreibmaschinenbänder zum Einsatz. Da das Farbband softwaregesteuert angehoben werden konnte, war es möglich, auch 2-farbige Bänder (meist Schwarz-Rot) zu benutzen. Wie bei allen DDR-Druckern mit Farbbandrollen, besaß der SD1154 eine automatische Umschaltvorrichtung für die Farbband-Transportrichtung.

In der Basisversion konnte der Drucker Einzelblätter sowie Rollenpapier verarbeiten. Die maximale Papiergröße war DIN A3, wobei 132 Zeichen/ Zeile gedruckt werden konnten. Der SD1154 fertigte neben dem Original bis zu fünf Durchschläge (Kopien), weshalb der Anstand des Druckkopfes zur Druckwalze einstellbar war.
Bei Verwendung von Rollenpapier wurde die Vorratsrollen hinten in den Drucker eingerastet. Bei Bedarf konnte das Papier auf eine zweite Rolle nach dem Druck wieder aufgespult werden. Um einen geraden Papierlauf sicherzustellen, konnte die Lage der Papierrollenenden leicht gegeneinander verschoben werden.
Durch einen aufsteckbaren Traktor daro 1160 war auch die Verarbeitung von Leporellopapier möglich. Ebenfalls konnte der SD1154 in Verbindung mit dem Konteneinzug daro 1161 zum Bedrucken von Kontenkarten benutzt werden.

Im Normalfall war die Papierwalze mit dem Antriebsgetriebe verbunden und nicht per Handrad drehbar. Soll das Papier per Hand verschoben werden, war der im Handrad der Papierwalze befindliche Knopf hineinzudrücken. Bei einigen Modellen konnte der Knopf nach dem Drücken durch eine Drehung in gedrückten Zustand verrastet werden.

Mit seinen fast 50 kg Gewicht sollte dieser Drucker auf jeden Fall nur auf stabilen Tischen stehen.
Vom SD1154 gab es sowohl eine Auftischvariante als auch ein Standgerät.

Da der SD1154 ein exotisches Interface besaß, war ein Anschluss an andere als die vorgesehenen Rechner anscheinend nicht möglich, was wohl auch seine geringe Verbreitung erklärt. An K1510-Rechner erfolgt die Ankopplung über die Platine ASD K6011.

Der SD1154 besaß noch keinen eingebauten Prozessor, daher hatte er auch keine Selbsttestfunktion. Als Schaltkreise wurden fast ausschließlich einfache TTL-Gatter benutzt, lediglich der Zeichensatz-ROM war ein hochintegrierter Schaltkreis.

Bedienung

Der rechte Hebel bewirkte das Heranschwenken der Gummiwalze an den Druckkopf und musste zum Drucken nach vorn geklappt sein. Der linke Hebel war der Papierlöser: Es aktivierte im nach vorn geklappten Zustand den Vorschub per Gummiwalze bei Einzelblatteinzug und Rollenpapier. Bei Leporellopapier dagegen musste er nach hinten geklappt sein. Tasten/Lampen:

Vorkommen

1982 betrug der Preis für dieses Gerät 10.289,88 Mark.
Von diesem Drucker sind heute nur noch 5 Exemplare bekannt.


Drucker SD1156

(Alias SD 1156, SD-1156)

Der SD1156 wurde als mittelschneller Nadeldrucker für große Rechner, wie die Robotron 4000-Serie entwickelt und von 1974 bis 1987 im Büromaschinenwerk Sömmerda in einer Stückzahl von 93501 Exemplaren gebaut. Aber auch ein Anschluss an K1520-Rechner, wie den A5120 oder den K8924 war möglich.


Drucker SD1156

Drucker SD1156 mit Kontenkartenaufsatz und 2 Traktoren

Rückansicht des geöffneten SD1156

SD1156, innen

Druckkopf des SD1156

Anschlussfeld des SD1156

Druckkopf des SD1156

Druckkopf des SD1156, geöffnet

Dieser Drucker war in der Lage, mit einem einzigen Nadelschlag einen kompletten Buchstaben zu drucken. Dies war möglich, da eine Matrix von 5x7 Nadeln, die über Tauchankermagnete bewegt wurden, im Druckkopf saß. Der Druckkopf basierte auf einer Lizenz der Fa. RENA aus der BRD.
Eine Besonderheit des SD1156 war, dass der Druckkopf oszillierte, d.h. seiner Bewegung entlang der Druckzeile war eine Pendelschwingung überlagert, so dass die Relativgeschwindigkeit zwischen Druckkopf und Papier nahezu Null war, obwohl die Druckgeschwindigkeit selbst 100 Zeichen/s betrug. Außerdem war ein Start-/Stopbetrieb mit 30 Zeichen/s möglich, was durch eine elektromechanische Kupplungs-Bremseinheit mit Thyristorsteuerung bewerkstelligt wurde. Die Bewegung wurde mittels Zahnflachriemen auf die Druckbaugruppe übertragen. Der Nadeldruckkopf wurde auch im Schreiblocher daro 416 zum einzeiligen Beschriften der Lochkarten eingesetzt.

Der Druckkopf druckte sowohl beim Druckkopf-Vorwärtslauf als auch beim Druckkopf-Rückwärtslauf bei einer maximalen Zeilenbreite betrug 178 Zeichen.
Der SD1156 hatte entweder eine Zeichenvorrat von 64 oder von 96 Zeichen, wobei es auch zweisprachige Modelle (lateinisch-kyrillisch) gab. Außer dem Originalpapier konnte der SD1156 noch zwei Durchschläge bedrucken.

Den SD1156 gab es als Standgerät mit einem anschraubbaren Metallfuß, seltener auch als Auftischgerät sowie als gehäuseloses Einbaugerät. Der Drucker hatte bei ersterer Variante die Maße 930x900x962 mm bei einem Gewicht von 80 kg.

Die Elektronik des Gerätes verwendete integrierte Hochvolt-Schaltkreise der KME20-Reihe aus dem Funkwerk Erfurt (KME) auf Platinen, die äußerlich den K1510-Platinen stark ähnelten.

Der SD1156 besaß ein SIF1000-Interface. Die Ankopplung an K1520-Rechner erfolgte über die Interfacekarte ADA K6022, die Ankopplung an die K1510-Rechner erfolgte über die Interfacekarte ADA K6011

Als Formulartechnik wurde anfangs eine Leporello-Einheit aus dem Buchungsmaschinenwerk Karl-Marx-Stadt (Chemnitz) verwendet. Sie wurde aber recht schnell durch den Formularvorschub 1160 ersetzt, der später auch bei den Nachfolgegeräten SD1154 und SD1152 zum Einsatz kam. Außerdem wurden als Zubehör im Bankenumfeld der Konteneinzug daro 1161 sowie das Magnetkontengerät daro 1294 benutzt.

Der SD1156 wurde ins SKR unter der Bezeichnung "CM6301" und ins ESER unter der Bezeichnung "EC7183" eingegliedert.

Der Preis für den SD1156 betrug 1982 stolze 14.827,29 Mark.
Von diesem seltenen Drucker sind heute noch fünf Exemplare bekannt.


Drucker SD1157

(Alias SD 1157, SD-1157)

Der SD1157 stellt das Nadeldrucker-Gegenstück zum SD1152 dar und wurde von 1981 bis 1987 im Büromaschinenwerk Sömmerda in einer Stückzahl von 16325 Exemplaren gebaut.

An einigen Stellen in der Literatur wird der SD1157-Drucker unter der Bezeichnung "SD2" geführt. In das SKR wurde er unter der Bezeichnung CM6309 eingegliedert.

Mit einer Druckgeschwindigkeit von 180 Zeichen pro Sekunde gehörte er zu den schnelleren Druckern.
Die Farbbandrollen wurden nicht, wie bei vielen anderen Modellen, mit dem Druckkopf bewegt, sondern befanden sich fest im Gehäuse. Die dadurch bewirkte Druckkopf-Gewichtseinsparung ermöglichte die höhere Geschwindigkeit. Als Farbband kamen wieder normale Schreibmaschinenbänder zum Einsatz.

Der 1157 wurde in 3 Varianten gebaut: Der 1157/267 konnte entweder mit einer einteiligen Walze (für 1 breite Papierbahn) oder mit einer zweigeteilten Walze (für 2 Papierbahnen) ausgerüstet werden.
Der SD1157 konnte mit mehreren Spezial-Papiereinzügen nachgerüstet werden, z.B. dem Konteneinzug 1161 und dem Magnetkontensystem MKS512.

Der Zeichenvorrat bestand aus 96 lateinischen Zeichen + 31 kyrillische Zeichen und konnte bei Bedarf um weitere 96 Zeichen erweitert werden.


Drucker SD1157-267

Drucker SD1157-264

Rückansicht des SD1157-267

Innenansicht des SD1157-267

Farbbandrollensystem und Druckkopf des SD1157-267

Rechnerkassette des SD1157-267

Druckkopf des SD1157-267, Vorderseite

Druckkopf des SD1157-267, Rückseite

Mit seinen 65 kg gehört der SD1157 schon zu den Schwergewichten unter den Druckern.

Als Interface konnten eingesetzt werden.

Der Drucker verfügte über einen internen Selbsttest, der im Offline-Zustand durch Drücken der Test-Taste (rechts unter der Gehäuseabdeckung) ausgelöst werden konnte.

Von Modell 1157/264 existiert heute noch 1 Exemplar, vom 1157/267 noch fünf. Der SD1157/269 gilt als ausgestorben.


Letzte Änderung dieser Seite: 11.06.2009Herkunft: www.robotrontechnik.de