VEB Büromaschinenwerk "Ernst Thälmann" Sömmerda (BWS)

Das Büromaschinenwerk im Thüringischen Sömmerda (nicht zu verwechseln mit dem Buchungsmaschinenwerk), war einer der größten Hersteller von Computertechnik in der DDR. Die Produktpalette umfasste u.a. die Herstellung von:

Büromaschinenwerk Sömmerda. In der Mitte das F/E-Gebäude, davor das Soemtron-Haus.

Das Büromaschinenwerk benutzte für seine Produkte die Markennamen "Rheinmetall", "Supermetall", "Soemtron", "daro" und "Robotron".


Schreibmaschinenproduktion

Ursprünglich als Gewehrfabrik gegründet, stellte das Werk nach dem Ende des ersten Weltkriegs aufgrund des Versailler Vertrags die Produktion von Rüstungsgütern ein und begann dafür mit der Produktion von Schreibmaschinen: zunächst rein mechanische, später auch elektromechanische. Mit dem Eintritt in das Kombinat Zentronik wurde die Schreibmaschinenproduktion dem Optima-Werk Erfurt übertragen. Das Büromaschinenwerk stellte damit die Neuentwicklung von Schreibmaschinen ein, produzierte aber weiterhin elektromechanische Schreibwerke, die als Konsole an großen Rechnern oder in Schreibautomaten benutzt wurden. Im Jahr 1984 endete dann die Schreibmaschinenproduktion im Büromaschinenwerk endgültig.


Rechenmaschinenproduktion

Bereits im Jahr 1921 stieg das Werk in die Produktion mechanischer Rechenmaschinen ein. Dies waren hauptsächlich Maschinen, die nach dem Staffenwalzenprinzip arbeiteten. Zehn Jahre später kam die Produktion einfacher Rechner nach dem Zahnstangenprinzip hinzu. Die Komplexität der Staffelwalzenmaschinen nahm bis in die 1960er Jahre zu, dann erfolgte der Umstieg auf elektronische Tischrechner. 1971 wurde dann die Produktion mechanischer Rechner eingestellt, die Produktion der elektronischen Rechenmaschinen wurde noch bis 1990 fortgeführt.


Buchungsmaschinenproduktion

Das Werk begann 1932 mit der Produktion von Buchungsmaschinen und landete mit dem Fakturierautomat FM einen Erfolg, der viele Jahre anhielt. In den 1960er Jahren schwenkte das Büromaschinenwerk dann auf elektronische Buchungsmaschinen um und produzierte diese bis Anfang der 1980er Jahre. Danach schwenkte die Produktion abermals um, auf Bürocomputer.


Computerproduktion

Ab 1981 wurden im BWS Bürocomputer produziert, zunächst der A5110, ab 1985 folgte dann der PC1715, ein Jahr später der EC1834 (parallel dazu auch Produktion im Buchungsmaschinenwerk in Chemnitz) sowie 1987 der PC1715W. Der Nachfolger des Bürocomputers EC1834, der EC1835 erreichte bis 1990 nur noch den Prototypenstatus. Nach der Wende wurden unter dem Namen "Soemtron" noch Rechner (Soemtron 286, Soemtron 486) zusammengebaut, allerdings keine mehr entwickelt.

Auch die zu den Rechnern A5110, PC1715 und PC1715W gehörigen SCP-Betriebssysteme sowie ein Teil der Anwendersoftware für diese Rechner entstanden in Sömmerda.

Netzwerkseitig wurde in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Seefahrt Warnemünde das Netzwerksystem SCOM LAN für die Computer PC1715, PC1715W und EC1834 in die Produktion überführt.


Soemtron-Gebäude, Aufnahme aus den 1960er Jahren

Gebäude von Forschung + Entwicklung

Schreibmaschinen-Gebäude

Rechenmaschinen-Gebäude

Produktion von PC1715-Computern

Werksbesichtigung durch E. Honecker 1986

Produktion von PC1715-Computern



Druckerproduktion

Im Bereich Drucker war das Büromaschinenwerk der größte Hersteller der DDR und einer der größten in Europa.
So wurden u.a. die Typenraddrucker der SD1152-Serie, die SD115x-Nadeldrucker, die Nadeldrucker der K631x und K632x-Serien sowie die Paralleldrucker PD547 und PD548 hier produziert. Die Druckerproduktion belief sich auf Stückzahlen von ca. 150.000 Geräten pro Jahr.
Einige Drucker wurden nach der Wende wieder unter dem Namen "Soemtron" verkauft, einige unter dem Namen H. C. Pfeiffer. Als letzter Druckerhersteller stellte die Firma Dr. Fischer 1996 ihre Produktion ein.


Logo von Soemtron

Logo von H.C. Pfeiffer

Seit dem Jahr 2008 wird der Name "Soemtron" von der Soemtron AG benutzt, die allerdings keine Computer produziert.


Konsumgüterproduktion

Wie die meisten Firmen in der DDR produzierte das BWS auch Konsumgüter:

Chronik

Das Firmengelände in Sömmerda wurde in den 1990er Jahren von der "Robotron Liegenschafts GmbH", heute von der "TLG Industriepark Robotron GmbH" verwaltet. Der Großteil der ehemaligen Produktionsgebäude ist mittlerweile abgerissen, einige Gebäude werden von anderen Firmen benutzt.


Ehemalige Robotron-Gebäude im Jahr 2009.

Ehemaliges Robotron-Gebäude im Jahr 2009.



Zweigbetrieb Halberstadt

Im Zweigwerk in Halberstadt wurde die Thermodruckerserie K630x produziert, ebenso der SD1132. Im Jahr 1991 erfolgte nach der Privatisierung die Gründung der "ARBO-tec Sensor-Technologie GmbH" (Produktion von EKG-Elektroden für die Medizin), die 1996 durch die Firma KENDALL übernommen wurde und nun zur Tyco-Gruppe gehört.


Zweigbetrieb Worbis

Im Zweigwerk in Worbis wurde ausschließlich Leiterplattenbestückung für die Drucker- und Computerproduktion gemacht. Die unbestückten Leiterplatten kamen aus Neuruppin und Riesa.
Standort-Nachfolger des Betriebes in Worbis ist die Tectron GmbH, die heute Automobil- und Industrieelektronik, Sicherheitstechnik, Telekommunikationstechnik und Medizintechnik produziert.


Ehemalige Adressen

5230 Sömmerda, Weißenseer Straße 52
3600 Halberstadt, Quedlinburger Straße 39
5620 Worbis, Querstraße 2


Links

Microstep GmbH
cab Produkttechnik GmbH
Tectron GmbH
Soemtron AG




Letzte Änderung dieser Seite: 10.02.2020Herkunft: www.robotrontechnik.de