Computer P8000

(Alias P 8000, P-8000)

Dieser Rechner wurde von EAW entwickelt, ab 1987 produziert und stellte innerhalb der DDR-Computer eine eigene Rechnergattung dar. Grundanliegen war die gemeinsame Arbeit von mehreren Menschen an einem Rechner.
Als Betriebssystem wurde dazu ein UNIX-Derivat namens WEGA benutzt.

Ursprünglich sollte die P8000 nur innerhalb von EAW als Programmiermaschine für die Maschinensteuerung S2000 benutzt werden, da die bei Robotron bestellten Computer nicht oder zumindest nicht kurzfristig lieferbar waren. Mit dem Anlauf der Produktion des Prozessors U8001 beim MME erfolgte dann die Weiterentwicklung der anfangs reinen 8-Bit-Maschine zur 16-Bit-Workstation.


Rechner P8000 (16-Bit-Variante)

Rückansicht der P8000

Da die Anwendung der P8000 nicht in Konkurrenz zu Robotron stand, wurde der Rechner vom Monopolisten Robotron geduldet. Einige Fakten sprechen hingehen für eine Zusammenarbeit mit dem Büromaschinenwerk Sömmerda
Eine Zusammenarbeit zwischen den Robotron-UNIX-Entwicklern (MUTOS) und den WEGA-Entwicklern gab es aber anscheinend nicht.
Nachfolgeprojekt der P8000 war die P8000 compact.


Hardware

Der Aufbau des Rechners ist interessant: Die Anwender arbeiteten an bis zu acht Terminals, die über Kabel oder Glasfaserleitung mit dem Rechner verbunden waren. Eins dieser Terminals war dem Systemadministrator vorbehalten und erhielt die Bildschirmausgaben des 8-Bit-Prozessors sowie die Ausgaben im Single-User-Modus von WEGA. Die anderen Terminals wurden erst aktiviert, wenn der Multi-User-Modus von WEGA gestartet wurde.
Auch Bürocomputer konnten als Terminals eingesetzt werden, z.B. A5120, PC1715 und MPC.


P8000-Terminal

Innenansicht des P8000-Terminals

Der Rechner war auf zwei räumlich getrennte Geräte aufgeteilt: Die Haupteinheit enthielt 2 Prozessorsysteme:

8-Bit-Platine, oben die Verbinder zum 16-Bit-Teil
rechts der Floppyanschluss

16-Bit-Platine, oben die Verbinder zum 8-Bit-Teil
links die 5 Platinen-Slots

RAM-Modul für die 16-Bit-Karte

Der Speicher des 16-Bit-Teils befand sich auf Steckmodulen zu 256 KByte Größe und konnte auf bis zu 1 MByte ausgebaut werden. Im Jahr 2009 wurde eine Speicherkarte mit bis zu 16 MByte Kapazität nachentwickelt und in Kleinserie produziert.
Die Benutzung der Diskettenlaufwerke, die an der 8-Bit-Prozessoreinheit hingen, war auch vom 16-Bit-Prozessor aus möglich, wobei hierbei der 8-Bit-Prozessor unter UDOS als Server arbeitete.

Das Festplatten-Beistellgerät arbeitete mit 1 MFM-Festplatte Typ K5504.20, K5504.50 oder VS2. Die zugehörige Festplattengeometrie war bis einschließlich BIOS-Version 3.x auf 1 Festplattengröße fixiert (Nutzung von WEGA 3.0). Bei Änderung der Festplattengröße musste also auch der BIOS-EPROM gewechselt werden.
Mit Herausgabe der BIOS-Version 4 und Nutzung von WEGA 3.1 konnten Festplatten mit beliebiger Geometrie benutzt werden; die Festplattengröße wurde softwareseitig auf der 1. Festplattenspur abgelegt.


Nur-8-Bit-Variante

Von der P8000 existierte auch eine abgerüstete Variante, die nur den 8-Bit-Prozessor enthielt. Die Arbeit war bei dieser Variante auf den Einzelnutzerbetrieb unter den Betriebssystemen OS/M, IS/M und UDOS beschränkt und gestattete auch nicht die Benutzung der Festplatte.


Die "kleine" P8000

Rückansicht der 8-Bit-Variante

So ausgestattete P8000 wurden hauptsächlich zur Programmentwicklung und zur Textverarbeitung benutzt.


Schnittstellen

Die Terminal-Schnittstellen des P8000 konnten per Drahtbrücken in den Steckern als IFSS oder V.24 konfiguriert werden. Über sie war auch eine Netzwerkverbindung mit anderen Rechnern (z.B. PC1715) sowie der Anschluss von Druckern (K631x) möglich, wobei dann entsprechend weniger Terminals angesteckt werden konnten.
Außerdem war ein Anschluss für eine externe Diskettenlaufwerkseinheit vorhanden, an dem die Laufwerkseinheiten des PC1715 (5¼ Zoll oder 8 Zoll) benutzt werden konnten.
Für die Programmentwicklung unter UDOS konnte die P8000 durch eine EPROM-Programmiereinheit ergänzt werden. Vom dieser Programmiereinheit hab es zwei Varianten: die eine konnte EPROMs der Typen U555, U556, U2732 und U2764 programmieren, die andere die Typen U556, U2732, U2764, 27128 und 27256 und 27512. Letzterer wurde wahrscheinlich erst mit der P8000 compact ausgeliefert.


EPROM-Programmiergerät, alte Version

EPROM-Programmiergerät, neue Version
Der vom Hersteller angekündigte EMR-Emulator wurde wahrscheinlich erst mit der P8000 compact ausgeliefert.

Start des Rechners

Zum Starten des Rechners muss ein Terminal an der Schnittstelle 1 angeschlossen sein.
Nach dem Einschalten durchläuft die P8000 einen Selbsttest ihres 8-Bit-Teils.
Anschließend kann durch Drücken der ENTER-Taste ein 8-Bit-Betriebssystem vom Diskettenlaufwerk 0 geladen werden. Dies können die Betriebssysteme OS/M, IS/M oder UDOS sein.
Über eine spezielle UDOS-Diskette erfolgt dann auch das Umschalten in den 16-Bit-Modus bei gleichzeitigem Starten von WEGA.

Ein manuelles Umschalten in den 16-Bit-Modus kann nach dem Durchlauf des 8-Bit-Selbsttests durch das Kommando X bewirkt werden.
Dabei wird als nächstes ein Selbsttest des 16-Bit-Teils vorgenommen.


8-Bit-Selbsttest und 16-Bit-Selbsttest

Anschließend kann man per Diskettenlaufwerk die Festplatte einrichten und die Installation von WEGA starten.


Technische Probleme

Hardwareseitig stellt die P8000 ein tückisches System dar:
Während der Produktion geänderte Standards schufen mehrere nicht miteinander kompatiblen Komponenten. Ein einfacher Wechsel einer defekten Platine durch ein Ausbauteil einer anderen P8000 ist daher nicht uneingeschränkt möglich. Selbst die Änderung des Festplattentyps zieht bereits eine Änderung der EPROMs nach sich. Zudem ist die Lebensdauer der P8000-Hardware ziemlich unbefriedigend: heute ist ein Großteil der noch vorhandenen P8000-Geräte defekt.
Die Modularität der P8000 ist leider nicht sehr groß, daher ist bei einem Defekt meist der Austausch eines gesamten Motherboards notwendig.
Dateisystemseitig sind die Betriebssysteme der P8000 inkompatibel zueinander und auch teilweise inkompatibel zu anderen DDR-Computern.
Zusammenfassend gesagt war die P8000 ein interessantes Entwicklungskonzept, das aber an vielen Stellen durch Inkompatibilitäten und unausgereifte Hardware getrübt wird.


Verbreitung

Die P8000 wurde nur in kleinen Stückzahlen produziert und erlangte dadurch keine große Verbreitung.
Der Preis für einen solchen Rechner lag 1988 bei phantastischen 172.125 Mark. Ein Jahr später sank der Preis auf 89.400 Mark, was aber selbst für DDR-Verhältnisse immer noch ungewöhnlich hoch war. Da der Rechner aber ohne Kontingentierung bezogen werden konnte, war sie vielen Firmen dieses Geld wert, auch wenn sie dann in den meisten Fällen nur als Bürocomputer (Textverarbeitung) benutzt wurde.

Der technische Nachfolger der P8000 war die P8000 compact, die gegenüber ihrem Vorgänger die Festplatte samt Server im Hauptrechnergehäuse untergebracht hatte.

Heute gibt es noch einige wenige 8-Bit-P8000 sowie einige 16-Bit-P8000.

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Computer P8100

(Alias P 8100, P-8100)

Eine Erweiterung des P8000-Systems zum Industriecomputer P8100 wurde erstmalig auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1987 vorgestellt und ging ab 1988 bei EAW in Vertrieb. Basis war eine P8000 mit WEGA als Mehrbenutzersystem ergänzt durch einen separat angeschlossenen Prozesskoppelteil mit dem Echtzeitbetriebssystem IRTS (INTEGRABLE REAL TIME SOFTWARE). In der Fachliteratur stellte dies eine Verbindung aus Leit- und Zellenrechner dar.

Für die Kopplung zwischen P8000 und Echtzeitsystem wurde eine IFSS-Schnittstelle benutzt. Auf Grund dessen und vermutlich auch aus Performancegründen war der Multiuserbetrieb auf drei Terminals limitiert. Der Prozesskoppelteil bestand aus einem EGS-III-Standardgehäuse mit Stromversorgungs- und Elektronik-Kassetten in 19-Zoll-Technik (EGS IV). Folgende Hardwaremodule konnten bedarfsgerecht bestückt werden: Eine Beispielapplikation mit dem Betriebssystems IRTS wurde bereits 01/87 in der Zeitschrift MP vorgestellt. Dabei handelte es sich um IRTS-8000 I für U8001/U8002 auf UDOS-Basis, wobei auf dem 16Bit-Teil der P8000 der Echtzeitkernel lief. Mit der P8100 dagegen kam IRTS-8000 II für U8001/U8002 auf WEGA-Basis zum Einsatz. Das Echtzeitsystem verlagerte sich auf externe Peripherie mit entsprechender I/O-Fähigkeit. Die P8000 besaß im System P8100 weitestgehend über die gewohnte Funktionalität und diente darüber hinaus der optischen Aufbereitung und Protokollierung von Prozessdaten, sowie der Programmentwicklung und Bearbeitung übergeordneter Strategien.

Als höhere Programmiersprache kam ICL (IRTS Configuration Language) unter WEGA zum Einsatz.

Die P8100 gilt heute als ausgestorben.


Letzte Änderung dieser Seite: 29.11.2016Herkunft: www.robotrontechnik.de