Der Einsatz von Computertechnik bei der NVA (Nationale Volksarmee, die Armee der DDR) erfolgte nur sehr zögerlich.
Offenbar traute man der empfindlichen Rechentechnik einen Einsatz unter Kampfbedingungen nicht recht zu.
Außerdem wurde die Ausstattung der Armee zu einem großen Teil durch russische Vorstellungen geprägt, die der Rechentechnik eher konservativ gegenüber standen.
Und so blieben bis zur Wende (und damit zur Eingliederung der NVA in die Bundeswehr)
in vielen Kasernen Schreibmaschinen die einzige Bürotechnik.
Die Geheimhaltungspraxis der NVA lässt einen genauen Überblick über die eingesetzte Rechentechnik leider nur bruchstückhaft zu.
Waffensysteme wurden in der DDR in der Regel aus der Sowjetunion importiert.
Wurden dazu Computersteuerungen (z.B. Feuerleitsysteme für Raketen) gebraucht, stammten diese auch aus russischer Produktion.
Am ehesten hatte die DDR-Rechentechnik Einsatz in den Verwaltungsbereichen der Armee gefunden (Materialverwaltung, Logistik).
Daher gab es einige große Rechenzentren (z.B. in Neubrandenburg) auf Basis von ESER-Rechnern.
Außerdem gab es in den Bunkern, die im Falle eines schweren (z.B. atomaren) Angriffs die Führungszentren der NVA gebildet hätten, unterirdische Großrechenzentren.
In den Verwaltungen der Kasernen (Führungsstäbe) wurden z.T. Bürocomputer eingesetzt,
meist die damals verbreiteten Typen A5120 und PC1715.
Von den Betriebssystemen wurde dabei bei der NVA MicroDOS favorisiert, wahrscheinlich deshalb,
weil es auch in der Sowjetunion im Einsatz war.
Die Datenbankarbeit, die neben der Textverarbeitung Hauptschwerpunkt der Büro-EDV war,
erfolgte weitgehend mit dem Programm REDABAS.
Dieser Offizier arbeitet an einem A5130
Kamen DDR-Computer zum Einsatz, wurden in dem meisten Fällen normale "zivile" Modelle benutzt.
Die einzigen bisher bekannten Computer, der in der DDR speziell für militärische Zwecke gebaut wurde,
waren der Bürocomputer DORAM und der Ballistikcomputer UBM.
Bei der EDV-Ausbildung der Berufssoldaten (Offiziere) wurde teilweise auf die Mühlhäuser Kleincomputer zurückgegriffen,
dies aber auch erst Ende der 1980er Jahre.
Ausbildung an Kleincomputern Z1013
Ausbildung an Kleincomputern Z1013
Beim Übergang der NVA in die Bundeswehr wurde die meiste noch vorhandene DDR-Computertechnik ausgemustert und verschrottet,
sodass davon auszugehen ist, dass heute (2006) keine DDR-Computertechnik mehr in der Bundeswehr produktiv im Einsatz ist.