Schwerer, größer, weiter: Rettung des Rechenzentrums Markkleeberg

Es begann alles im Sommer 2006: Im Anschluss an einen Besuch im Kraftwerk Thierbach durften wir uns mit Genehmigung der Grundstücksverwaltung das ehemalige Rechenzentrum der Landwirtschaft in Markkleeberg ansehen.


Ein typischer DDR-Zweckbau, äußerlich nicht sehr auffällig.

Außenseite des Rechenzentrums mit dem Wärmetauscher

Das Rechenzentrum war ein Gebäudekomplex, der in der Ortsmitte rechteckig um ein Stück Wiese angeordnet war und seit ca. 1995 nicht mehr benutzt wurde. Im Wohnhaus (Verwaltung?) war außer zerstörten Möbeln nichts, was in Richtung unseres Hobbys ging. Auch im Neubaublock befand sich außer ein paar Bauzeichnungen nichts interessantes. Spannend wurde es im eigentlichen Rechenzentrumsbau.


Besuch auf dem Gelände im Jahr 2006

Ein Stock Rosen blühte einsam auf dem Gelände

Das Wohnhaus im Jahr 2006

Eingang zum Rechenzentrum

Das eigentlich Rechenzentrumsgebäude war ein zweistöckiger Flachbau mit getönten Fensterscheiben. Im Obergeschoss befanden sich nur (uninteressante) Büros, im Erdgeschoss war die Technik untergebracht. Die Räume waren in stark unterschiedlichem Zustand. Einige waren besenrein leer, in anderen stapelten sich Müll und Magnetbänder.


Ein Blick durch's Fenster weckt Vorfreude

Zum Glück waren nicht alle Räume so leer wie dieser

Magnetbänder inmitten von Müll

Noch ein Zimmer voller Magnetbänder...

Hinter einer weiteren abgeschlossenen Tür erreichten wir die Hauptrechnerhalle: einen fensterlosen Raum von enormen Ausmaßen. Darin standen lange Reihen von Magnetbandgeräten sowie Controllerschränke und Paralleldrucker. Alle Geräte gehörten früher zu einer Großrechneranlage ESER EC1056.


Im spärlichen Licht tauchen Drucker, Controller...

...und Bandlaufwerke auf

Vom eigentlichen Rechner vorerst keine Spur: im Zentrum des Raumes gähnte eine große Öffnung im Ständerfußboden. Dort hatten mal der Prozessor und dessen Bedieneinheit gestanden.

In einem Nachbarzimmer (das immerhin Fenster besaß) befanden sich jede Menge ESER-Wechselplattengeräte samt einigen zugehörigen Datenträgern.


Ein Raum voller Wechselplattengeräte.

So viele beieinander gibt es sicher nirgendwo auf der Welt

Die passenden Datenträger lagen auch herum

Im Bereich der Haupthalle und des Wechselplattenraums war das Dach noch dicht. Was, wie wir später noch merken sollten, für die Flure und einige andere Zimmer nicht zutraf.

In einem sehr feuchten Zimmer lag eine Bedienkonsole eines EC1040-Großrechners. Offenbar stand vor dem EC1056 ein EC1040 mal hier und die Belegschaft hatte die Konsole aus Nostalgiegründen aufgehoben. Mittlerweile war sie von Rost und Schimmel fast aufgefressen. Dass dieses Teil später noch restauriert werden sollte, konnten wir damals noch nicht ahnen.


Verrostetes Bedienteil eines EC1040

Dieses Teil sah wirklich übel aus.

Verschimmelte Handbücher


Inventarverzeichnis


Drucker EC7033M

Rückseite des EC7033M

Geöffneter EC7033M

Farbbandtuch im EC7033M

Ausgeklappte Druckeinheit des EC7033M mit der Druckwalze

Das Hammermagazin des EC7033M

Typenschild des EC7033M. Man beachte die Gewichtsangabe.

Das Bedienfeld des EC7033M


Wechselplattenlaufwerke

Wechselplattenlaufwerke

Bedienfeld des EC5066M

Faszination Technik: Ob die noch funktioniert?

Probieren wir's doch gleich mal aus.


Blick in das Innenleben des EC5060.
Der grüne Antriebmotor in der Mitte ist echt beeindruckend.


Mannshohe Magnetbandlaufwerke

Magnetbandlaufwerk, Fronttür geöffnet

Rückansicht der geöffneten Magnetbandlaufwerke

Innenleben des Magnetbandlaufwerks


Wechselplattencontroller

Wechselplattencontroller

Dieses ESER-Terminal war noch in gutem Zustand,...

...wenn auch etwas verdreckt.

Teil der Klimaanlage

Steuerschrank der Klimaanlage



Der Rettungsplan

Dass die Geräte hier unbeschadet überlebt haben, war ein absoluter Glücksfall: Ein Fenster eines Seitenzimmers war bereits eingeschlagen und hätte sicher Metallsammlern Einstieg und reiche Beute beschert. Vielleicht waren wir einfach gerade noch rechtzeitig dort.

Der Gebäudekomplex sollte in Kürze abgerissen und die noch darin befindliche Rechentechnik damit verschrottet werden (dass sich der Abriss doch noch eine Weile hin ziehen würde, konnten wir damals nicht vorhersehen). Wie immer in solchen Fällen tat es uns leid um die Geräte und wir begannen, eine Rettungsaktion zu planen. Wir hatten zwar durch die Aktionen in Schönebeck, Thierbach und Berlin Erfahrung mit dem Abbau und dem Umgang mit großen Geräten. Aber alle bisherigen Rechenzentren beinhalteten Kleinrechentechnik, hier hatten wir es dagegen erstmalig mit Großrechentechnik zu tun. Was bedeutete, dass das Gewicht der Geräte stets oberhalb von 150 kg angesiedelt war. Die obere Spitze bildeten Paralleldrucker und Wechselplattencontroller mit jeweils 400 kg pro Stück.

Eine Umquartierung des gesamten Rechenzentrums konnten wie nicht realisieren, schon wegen des Platzbedarfs. Also wollten wir zumindest einzelne Geräte retten und die ggf. an unterschiedlichen Orten unterbringen. Nach kurzer Umfrage in der Fangemeinde ergab sich folgendes Konzept:
Beim Transportfahrzeug entscheiden wir uns gegenüber den bisher favorisierten Kleintransportern für einen richtigen LKW. Neben der größeren Ladekapazität (6,04 x 2,46 x 2,38m = 35m³) war vor allem das Vorhandensein einer Hebebühne entscheidend. Der LKW sollte bei AVIS, unserem "Stammverleih" in Halle, gemietet werden und an 1 Tag die Geräte an alle künftigen Standorte verteilen. Probleme machten dabei die Geräte für Plauen: das lag einfach zu weit weg. Also entschieden wir uns für eine zwischenzeitliche Unterbringung dieser Geräte, wo wir für diesen Zweck einen Stellplatz in einer Scheune in Mehna bei Altenburg mieteten.


Beladeplan des LKW

Für mehr Geräte war kein Platz im LKW.


Vorbereitende Arbeiten

In Markkleeberg funktionierte der Zugang zum Gelände recht gut: wir bekamen einen Schlüssel und konnten somit zu jeder Zeit auf das Gelände. Um den Zugang durch das eingeschlagene Fenster für Plünderer zu erschweren, stapelten wir dort Magnetbänder am Fenster hoch, die potenzielle Eindringlinge mit einer Lawine bedrohten, was uns während unserer Arbeiten hinreichende Ungestörtheit brachte.


Wer diese Scheiben einschmeißt...

...wird prompt unter einer Lawine begraben

Außerdem bewegten wir die durch die Fenster sichtbaren Geräte so schnell wie möglich in die dunkle Rechnerhalle, um das Interesse anderer Besucher nicht zu wecken. Speziell die Buntmetallmafia könnte sonst binnen eines Tages die Geräte "entkupfern" und damit dauerhaft unreparierbar machen. Das schlimmste ist, dass diese Metallsammler bei ihren Streifzügen mangels Sachkenntnis jedes Gehäuse kurz und klein schlagen, obwohl sich in den meisten Fällen gar nichts für diese Leute interessantes drin befindet.


Getarnt: die für uns wichtigen Geräte...

...wurden erst mal in die Rechnerhalle geschoben

Eine der frühen Arbeiten war der Abbau der Kabel: Vorteilhaft war hier, dass der Ständerfußboden über ½ Meter hoch war, es darunter beim Ausfädeln also nicht so eng zuging. Nachteilig daran war, dass die Kabel mindestens fingerstark und somit schwer und unflexibel waren.


Ein Blick unter den Fußboden lässt erahnen,...

...dass da eine Menge Arbeit auf uns zu kommt

Die Anordnung der Fußbodenplatten war nicht optimal für einen Abtransport und so sorgten wir durch anderswo ausgebaute Platten für einen weitgehend hindernisfreien Weg zwischen Geräten und Tür.


Ehemaliges Magnetbandarchiv

Zwei Räume im Rechenzentrum waren bis auf Brusthöhe mit Magnetbändern, Magnetkassetten und anderen Dingen vollgeschüttet. Früher waren diese Sachen wahrscheinlich in Blechschränken oder Regalen eingestapelt, die Regale hatte aber offenbar bereits jemand mitgenommen.


Noch ein Zimmer voller Magnetbänder.

Heute besteht bei vielen DDR-Computern akuter Mangel an Software, weil alte Datenträger von den Vorbesitzern entweder nicht als erhaltenswert eingestuft wurden oder aus Datenschutzgründen vernichtet wurden. Um alle Bänder mitzunehmen, hatten wir leider nicht die Lagerkapazität. Das Hauptproblem hier bestand also darin zu erkennen, welche Software wichtig war und welche nicht. Und im nächsten Schritt dann die wichtige Software zu bergen.
Die ersten Datenträger wurden noch im "Tagebauverfahren" geborgen, aber es zeigte sich schnell, dass um eine Aufräumung und planmäßige Sichtung aller Datenträger kein Weg herum führte.


Ein erster Versuch, sich von oben an die interessanten Bänder durchzugraben.

Zum Glück waren die Bänder beschriftet und anhand der Codierung konnten wir relativ schnell zwischen wertlosen Datenbändern, Systembändern, Anwenderprogrammen und Prüfbändern unterscheiden.

In mehrtägigen Aufräumaktionen verwandelte sich das Chaos zunehmend zurück in Ordnung: Die wertlosen Bänder bildeten nun Stapel an der Zimmerwand, die allerdings recht instabil waren und das Arbeiten dort zu einem Risiko machten.


Langsam kommt Ordnung in das Chaos

Geschafft, der Fußboden ist wieder sichtbar

Magnetbandstapel...

...soweit das Auge blickt

Die als wichtig eingestuften Bänder wurden derweil per PKW abtransportiert. Da die Menge nicht unerheblich war, waren dazu mehrere Fuhren notwendig.


Beladen, soviel der Kofferraum fasst.

Eine abfahrtbereite Fuhre

Wechselplatten-Servicekoffer

Unter Zentnern von Magnetbändern vergraben kam auch ein Servicegerät für Wechselplatten zum Vorschein, das den Aufenthalt dort erstaunlich gut überstanden hatte. Mittels eines Spiegelmagazins ermöglichte dieses Gerät eine visuelle Beurteilung der Magnetoberflächen. Das Gerät wurde natürlich schleunigst geborgen und soll einmal bei der zukünftigen Inbetriebnahme gute Dienste leisten.


Der Abbau der Geräte

Um die Arbeiten am Abtransporttag noch gering wie möglich zu halten, bereitetet wir die Geräte am 9. Februar 2007 so gut wie möglich vor. Bandlaufwerke und Wechselplattengeräte waren glücklicherweise mit Rädern ausgestattet. Diese waren allerdings nicht allzu geländegängig und außerdem jahrelang nicht mehr bewegt worden und damit z.T. eingerostet. So war es bei jedem Gerät wieder spannend, in welche Richtung es sich trotz entgegengesetzten Schiebens bewegte.

Der Fußboden des Flurs machte keinen sehr vertrauenerweckenden Eindruck, so favorisierten wir, eine Wand unter einem Fenster des Wechselplattenzimmers herauszubrechen und die Geräte auf kürzestem Weg herauszubringen. Putz und Beton hielt den Hammerschlägen nicht lange stand, doch dann kam das Verhängnis: in die Wand war ein massiver Stahlträger eingeschweißt. Da sich der ohne Schneidbrenner oder Trennscheibe nicht entfernen ließ, mussten wir diesen Weg aufgeben und stattdessen wohl oder übel den langen Weg über die Flure planen.

Im Rechenzentrum gab's keinen Strom und Fenster befanden sich nur im Wechselplattenraum. Also waren wir auf Batterielicht angewiesen, das unsere Hallenser Hobbykollegen aus alten USV-Akkus und ausgedienten Scanner-Stablampen bastelten. Diese Leuchten wurden alle paar Meter in den Fluren aufgestellt und verliehen der Umgebung den Charme eines Bergwerksstollens.

Mit vereinten Kräften rollten wir Bandlaufwerke und Wechselplattengeräte zur Eingangstür. Unsere Befürchtungen bezüglich des Fußbodens waren durchaus berechtigt: Tags zuvor hatte es geregnet, das Dach erwies sich oberhalb des Flurs als nicht mehr dicht und so verwandelte sich der Flur in eine Schlammpiste. Um nicht wegzurutschen, blieb also nichts anderes übrig, als die Gänge erst mal zu reinigen. Es wird wohl das letzte mal in deren "Leben" sein.


Die ersten Meter des Flures waren noch ganz OK...

Aber weiter hinten hatte er sich...

...in eine Tropfsteinhöhle verwandelt

Die leider notwendigen Gang-Reinigungsmaßnahmen

Der Linoleumfußboden der Flure war, ebenso wie Blechauflagen, den Belastungen von Großrechentechnik nicht mehr gewachsen und so blieben wir immer wieder stecken. Kurzerhand rissen wird den Fußbodenbelag also auch noch heraus und rollten auf dem nackten Fußbodenbeton. Auch in dem bildeten sich nach einigen Fuhren Rillen, doch er hielt bis zum letzten Gerät.


Auf geht's...

Platte auf Reisen.

Das Schieben der Geräte hatte irgendwie eine Ähnlichkeit mit dem Spiel "Sokoban": aufpassen, dass man niemals ganz an die Wand ran kommt.

Schwierig wurde die Sache mit dem Paralleldrucker und den Wechselplattencontrollern: die hatten keine eigenen Räder. Da wir an diesem Tag noch nicht über einen Hubwagen verfügten, mussten wir diese Geräte bis zum Abtransporttag in der Halle lassen. Aber wir schoben sie zumindest in Richtung der Hallentür. Wobei wir dabei einige Male die Tücke des Gewichts spürten: Wenn ein über 300kg schwerer Controllerschrank mit einem Bein in ein Loch im Fußboden sackt, neigt er einerseits rapide zum Umkippen, andererseits will er dort auch nicht wieder raus.


Das Rechenzentrum...

...leert sich zusehends.

Dafür füllt sich das Treppenhaus...

...mit Geräteschränken und Wechselplatten

Geschafft! Das Abbauteam nach getaner Arbeit



Der Abtransport, Teil 1

Zwei Tage später war es dann so weit: Früh mit der Öffnung des Autoverleihs in Halle holten wir den LKW ab und fuhren damit nach Markkleeberg. Das zweite Team reiste derweil mit dem PKW an. Für Chaos sorgte zwischendurch ein Anruf, dass einer der Hobbykollegen unterwegs "abhanden gekommen" war. Ihn sammelten wir einige Zeit später auf dem Bahnhof in Halle ein, dann konnte es planmäßig losgehen.


Der LKW ist da und macht hier ...

...mit dem ersten Wechselplattengerät Bekanntschaft

Bandlaufwerke wurden ebenso verladen...

...wie die schweren Paralleldrucker

Hier kommt das letzte Wechselplattenlaufwerk rein

Noch freier Stauraum? Sofort ausfüllen!

Die Eingangstür des Rechenzentrums lag einige Stufen erhöht. Da unsere Geräte keine Geländegängigkeit hatten und ein Anheben aufgrund des Gewichts auch zwecklos war, bauten wir aus Fußbodenplatten und Brettern eine Rampe, mit der die Geräte ebenerdig bis auf die Ladebordwand gefahren werden konnten. Dank vorher gut ausgeklügeltem Einräumplans fanden die Geräte auch alle an der vorgesehene Stelle im LKW Platz. Der Stauraum über den Geräten wurde mit Kabeln und mit Wechselplatten aufgefüllt.

Diesmal stand uns auch ein Hubwagen zur Verfügung, mit dem wir Paralleldrucker und Plattencontroller nun auch noch aus der Rechnerhalle rollten.

Spätere Nachrechnungen ergaben, dass der LKW hoffnungslos überladen war, aber davon merkten wir nichts und die Polizei war zum Glück an diesem Tag nicht präsent.

Die Fahrt ging also als nächstes nach Mehna, wo wir wegen Falsch-Abbiegens erst verspätet und auf Umwegen ankamen. Das Abladen der Geräte ging relativ gut, konnten wir doch mit dem LKW rückwärts in die Scheune rein fahren und die Hubbühne direkt auf den Betonuntergrund herablassen. Die abgeladenen Geräte wurden mit einer Plane abgedeckt und blieben erst einmal dort. Wie sich herausstellen sollte, für mehr als ein Jahr.


Ankunft in Mehna.

Die eingelagerten Geräte

Das nächste Reiseziel war Naumburg. Hier hatten wir ein Bandlaufwerk und ein Wechselplattenlaufwerk abzuladen. Im Vorfeld sah das recht einfach aus, sollte uns doch eine Entladerampe zur Verfügung stehen. Womit wir nicht gerechnet hatten, dass unser LKW eine Niederflurausführung war und die Hebebühne somit 30 cm unterhalb der Rampe endete. Da half nur gemeinsames Anpacken: Über ein Stück Wellpappe wuchteten wir die Geräte hoch.

Weiter ging's dann ins Chemiemuseum Merseburg. Hier war die Abladung einfach. Als problematisch erwies sich allerdings die Türschwelle und die direkt dahinter stehende gläserne Destillationsanlage. Irgendwie war es uns trotzdem gelungen, auf der Türschwelle den Geräten einen hinreichenden seitlichen Schwung zu geben, dass sie wohlbehalten im Gebäude landeten. Ein Reporter einer lokalen Zeitung hatte unsere Abladung dort dokumentiert und einige Tage später fanden wie auch einen Artikel in der Zeitung darüber.


Zeitungsartikel über die Abladung in Merseburg. Man sieht den Mitwirkenden die Strapazen des Tages an

Die letzten Geräte kamen mit enormer Verspätung ins Technik- und Luftfahrtmuseum Merseburg. Da die Platzverhältnisse dort gerade im Umbruch waren, wurden unsere Geräte erst einmal provisorisch unter einem Vordach untergestellt.

Damit war die Aktion fast beendet: schnell noch den LKW zur Verleihstation zurückgebracht und dann konnten alle sich die Hobbykollegen auf den Heimweg machen.

Damit war unser längster Tag der DDR-Computertechnik erfolgreich beendet und wir konnten an den folgenden Tagen unseren Muskelkater auskurieren.


Der Abtransport, Teil 2

Nachträglich fanden noch ein Bandlaufwerk und ein Wechselplattenlaufwerk ein neues Zuhause bei einem Hobbykollegen. Da dieses Laufwerk zu den leichteren Geräten gehört, ließ sich der Abtransport mit einem Kleintransporter bewerkstelligen, in den es kurzerhand hinein gehoben wurde.


Der Abtransport, Teil 3

Leider hatte sich inzwischen die Idee des Plauener Computermuseums zerschlagen: die in Mehna eingelagerten Geräte hingen damit besitzerseitig "in der Luft". Ewig dort lassen konnten wir nicht, andererseits überstieg die Größe der Geräte die Lagermöglichkeiten jedes Hobbykollegen. Eine unerwartete Lösung bot sich durch die Kollegen vom Bunker Kolkwitz an: Die suchten gerade Ersatz für ihr ehemaliges Bunkerrechenzentrum. Große Vorbereitungen mussten wir nicht machen und so konnte nun der vorläufig letzte Teil des Rechenzentrums-Transport erfolgen.

Im März 2008 machen sich die Bunkerfreunde auf den Weg nach Mehna. Als Fahrzeug kam wieder ein gemieteter LKW mit Hebebühne zum Einsatz. Das Verladen der Geräte ging problemlos. Da der LKW aber nur halb voll war, musste aber ein erhöhter Aufwand betrieben werden, um die Geräte roll- und rutschsicher zu verstauen.


Ins Scheunentor passte der LKW gerade so rein.

Gerät um Gerät kommt wieder in den LKW...

..und wird gegen Scheuern und Kippen gesichert.

Mit vereinten Kräften wird der Plattencontroller reingewuchtet.

Als nächstes ging die Fuhre nach Thierbach ins Kraftwerk, wo sich jede Menge Fußbodenplatten zu den Markkleeberg-Geräten gesellten.

Anschließend kam die Heimfahrt, natürlich mit vorherigem Abladen der Geräte in Kolkwitz. Die Geräte wurden dort erst einmal in einer Garage untergestellt, das Herablassen der Geräte in den Bunker wurde auf einen anderen Tag verschoben.


Der Aufbau

Rechenwerk Halle

Ein Bandlaufwerk und zwei Wechselplattenlaufwerke kamen in den Ausstellungsraum als Schauobjekte neben den Thierbacher K1630-Rechner.


Die beiden Wechselplattenlaufwerke...

...und das Bandlaufwerk in der Ausstellung in Merseburg.

Im Zuge von Umräumungsarbeiten musste später aus Platzgründen ein Wechselplattengerät in den Keller ausweichen, um Platz für den NILES-Rechner in der Ausstellungsfläche zu machen.


Nochmals setzt sich ein Plattenlaufwerk in Bewegung...

...und verschwindet vorerst in der Unterwelt der Hochschule.

Die Arbeiten beschränkten sich zunächst auf eine Reinigung der Gehäuse. Versuche zur Wieder-Inbetriebnahme haben wir noch nicht unternommen.


Technik- und Luftfahrtmuseum Merseburg

Die hier hin geschafften Geräte wurden mittlerweile als Ensemble aufgestellt, gereinigt und für die Museumsbesucher zugänglich gemacht.


Die Markkleeberg-Geräte in der ersten Ausstellung...

...optisch in Bestzustand und ordentlich beschriftet.

Die Geräte mussten später noch einmal umziehen: jetzt stehen sie in einem geräumigen, besseren Gebäude zusammen mit der Sammlung weiterer DDR-Rechentechnik, einer Schreibmaschinensammlung und einigen historischen Druckmaschinen.


Die Markkleeberg-Geräte am endgültigen Aufstellort

...optisch in Bestzustand und ordentlich beschriftet.

Die schwer verrostete EC1040-Bedieneinheit ist mittlerweile wieder blank gemacht und simuliert, dank einiger zusätzlich eingebauter moderner Elektronik, wieder ihr damaliges Verhalten.


Das ehemals verrostete EC140-Bedienteil,
hier schon wieder teilweise restauriert

Hier ist die Bedieneinheit bereits fertig restauriert



Bunker Kolkwitz

Die geborgenen ESER-Geräte sind mittlerweile im Bunker verstaut. Erschwerend wirkte hierbei, dass ehemalige Nutzer des dortigen Geländes den Antrieb des Lastenaufzugs geklaut (und wahrscheinlich beim Schrotthändler zu Geld gemacht) hatten. Daher mussten die Geräte mit Hilfe eines Unimog-Krans den Fahrstuhlschacht herunter gelassen werden.

Unten kam noch als Hürde hinzu, dass die Türen Schwellen hatten, über die die Geräte jeweils bugsiert werden mussten. Dabei musste der Paralleldrucker einen argen Härtetest hinnehmen: einen Sturz vom Hubwagen. Mit seinen 400kg Gewicht war der Aufschlag das sicher das lauteste Geräusch, das es jemals im Bunker gegeben hatte. Trotzdem überlebte das Gerät den Sturz weitgehend unbeschadet.

Im ehemaligen Bunkerrechenzentrum angekommen, finden die Geräte ihre Aufstellung auf dem aus dem Rechenzentrum Thierbach geborgenen Ständerfußboden.


Die Markkleeberg-Geräte im Bunker.
Eigentlich ist hier noch Platz für viel mehr Geräte...

Die andere Seite des Raumes


In einer weiteren Fahrt nach Thierbach wurden weitere Fußbodenplatten beschafft und auch die Thierbacher Rechenzentrum-Klimaanlage fand ein neues Zuhause im Bunker, wo sie nun ein baugleiches Gerät, das leider bereits verschrottet war, ersetzt.


Bunker Kossa

Den Verbleib des Markkleeberger Großrechners EC1056 konnten wir auch klären: Die Geräte waren von den Mitarbeitern des Bunkers Kossa abtransportiert und in deren Bunker aufgestellt worden. Heute demonstrieren diese Geräte im Bunker Kossa das Aussehen eines DDR-Rechenzentrums.


Hier ist sie: die Bedienkonsole des Markkleeberg-Rechners...

...zusammen mit einem Drucker und Controllerschränken...

...einer Lochkartenstation...


...sowie Wechselplattengeräten, Lochband- und
Magnetbandgeräten.



Das Ende des Rechenzentrums in Markkleeberg

Nachdem 2007 das Grundstück den Besitzer gewechselt hatte, war es für uns nicht mehr zugängig. Wir hatten zwar soweit alles gerettet, was wir brauchten, aber die Möglichkeit einer tiefgreifenden Durchsuchung der Zimmer zwecks Bergung von Kleinteilen blieb uns verwehrt. Ende Mai 2008 kam dann eine Email von der Leipziger Stadtverwaltung, dass der Abriss der Gebäude beginne. Kurzfristig ergab sich daraufhin auch Kontakt zur Abrissfirma, die gegen eine Begleitung der Abrissarbeiten nichts einzuwenden hatte.

Einer unserer Hobbykollegen machte deswegen extra Urlaub im Markkleeberg, um bei den Abrissarbeiten dabei zu sein und vielleicht noch das eine oder andere Kleinod bergen zu können.

Auf unsere Umfrage, ob noch jemand Interesse an den verbliebenen Bandlaufwerken oder Wechselplattengeräten hat, meldete sich das Elektromuseum Erfurt mit dem Wunsch nach einem Wechselplattenlaufwerk.
Die Realisierung dieses Wunsches gestaltet sich als schwierig: so ein 250 kg schweres Gerät hebt man nicht einfach mal so ins Auto. An dieser Stelle half glücklicherweise die Abrissfirma: das Laufwerk wurde einfach an die Baggerschaufel gebunden und verließ auf dem Luftweg die Rechnerhalle. Damit ergaben sich irgendwie Parallelen zur Rettung der Rechentechnik in Schönebeck.
Da nicht genug Leute da waren, das Laufwerk ins Auto zu heben, bedienten sich die Hobbykollegen eines wirksamen Tricks: Durch wechselseitiges Ankippen des Laufwerks und Darunterstapeln von Fußbodenplatten wuchs das Laufwerk allmählich bis zur Ladekante des Kleintransporters empor und wurde dann erfolgreich verstaut. Mittlerweile ist das Laufwerk in Erfurt angekommen und wird dort die Ausstellung bereichern.


Das Wechselplattenlaufwerk auf dem Weg ins Auto

Bei dieser Gelegenheit mussten wir feststellen, dass wir 2006 einen Karton im Rechenzentrum vergessen hatten. Der wurde nun doch noch sichergestellt. Während dessen gingen die Abrissarbeiten sehr schnell voran und nach 1 Woche war das Rechenzentrum nur noch Geschichte.


Abrissarbeitem am Rechenzentrum,
die ehemalige Hauptrechnerhalle

Hier befanden sich einmal die Räume mit den Magnetbändern


Abrissarbeitem am Rechenzentrum

Auf dem Grundstück soll künftig ein Altenheim erreichtet werden. Eigentlich hätte die Halle mit den alten Rechner doch ganz gut dazu gepasst, wäre doch zumindest für Hobbykollegen eine lohnenwerte Perspektive für den Lebensabend. ;-)
Wie auch immer: diese Zukunft war dem Rechenzentrum nicht vergönnt. Freuen wir uns aber trotzdem, dass ein guter Teil der Technik nun im Museum überleben kann.

Einen weiteren, sehr ausführlichen Bericht zur Rettung des Rechenzentrums findet sich auf den Seiten der Digital AG.


Umzug

Im Jahr 2013 zeichnete sich zunehmend ab, dass die Räumlichkeiten im Chemiemuseum nicht mehr langfristig zur Verfügung stehen werden. Mit dem Aufbau des neuen Rechenwerk Computermuseums in Halle wurden Mitte 2014 auch alle unsere Geräte aus Markkleeberg dorthin umgezogen. Im Laufe des Jahres 2014 sollen die Maschinen dort in funktionsfähigem Zustand ausgestellt werden.


Danksagung

Wir danken den Mitwirkenden, dass diese Rettung möglich wurde (in alphabetischer Reihenfolge):

Links

Rechenwerk Computermuseum Halle
Digital AG
Deutsches Chemiemuseum Merseburg
Technik- und Luftfahrtmuseum Merseburg
Bunker Kolkwitz
Bunker Kossa
Elektromuseum Erfurt
Lewerenz Bau GmbH
AVIS Autovermietung





Letzte Änderung dieser Seite: 19.10.2014Herkunft: www.robotrontechnik.de