Deutsches Chemiemuseum Merseburg

(Alias DCHM)

Neben großen und kleinen Anlagen der chemischen Industrie beheimatet dieses Museum im Merseburg (Sachsen-Anhalt) auch eine ansehnliche Sammlung an chemiebezogener Computertechnik, vorwiegend aus DDR-Produktion. Das besondere daran ist, dass wir, eine kleine Truppe ehrenamtlich mitwirkender Elektronik-Enthusiasten, versuchen, die Rechentechnik nicht nur in optisch ansehnlichen Zustand, sondern auch wieder weitgehend funktionsfähig zu machen, was bei einigen Geräten auch bereits gelungen ist.


Restaurierte Computeranlage Robotron A6402 in der Ausstellung des Chemiemuseums.

Computer R4201 in der Ausstellung des Chemiemuseums

Restaurierter Computer A5110 im Fundus des Museums

Restaurierte Computer in der Ausstellung

Restaurierte Computer in der Ausstellung

Restaurierte Rechneranlage Audatec im Fundus

Paralleldrucker VT24000 im Fundus

Restauriertes Audatec-Bedienpult im Fundus

Einige der Anlagen kamen im schwerzerstörten oder totalzerlegten Zustand ins Museum. Die Restauration, verbunden mit der Nachfertigung defekter Teile sowie der Vervollständigung fehlender Teile ist eine sehr aufwändige Arbeit, die oft viele hundert Arbeitsstunden dauert. Bei unserem nur geringen Personalbestand vergehen manchmal Jahre, bis ein Gerät wieder funktionsfähig ist. Da es sich bei vielen Exponaten mittlerweile um Unikate handelt, können wir meist nicht auf funktionsfähige Vergleichsgeräte zurückgreifen. Da wir in der Vergangenheit nie mir dieser Art Technik in Berührung kamen, müssen wir uns das notwendigen Fachwissen vielfach erst erarbeiten. Am leichtesten geht dies noch, wenn die zugehörigen Fachliteratur vorhanden ist. Schlimm wird es nur, wenn bestimmte Sachen gar nicht mehr verfügbar sind, wie z.B. das Betriebssystem für den Computer A6402.
Um so schöner ist es, wenn ein historisches Gerät dann doch irgendwann nach großer Anstrengung wieder funktionsfähig wird.


Schwerer Anfang:
Beginn der Restauration einer Rechneranlage R1750

Restauration (2) einer Rechneranlage R1750


Restauration (3) einer Rechneranlage R1750

Restauration (4) einer Rechneranlage R1750

Restauration (5) einer Rechneranlage R1750

Rechneranlage R1750, äußerlich wieder komplett

Bedingt dadurch, dass wir berufstätig sind und von Auswärts anreisen, arbeiten wir meist unauffällig zu nächtlicher Stunde an der Reparatur der Geräte.


Nachtschicht im Museum

Mittlerweile haben wir auch ein Softwarearchiv mit mehreren tausend Datenträgern (Disketten, Festplatten, Wechselplatten, Lochbänder, Magnetbänder, Magnetbandkassetten, EPROMs) für fast alle Arten von DDR-Computern sowie mehrere Regale mit Fachliteratur aufgebaut. Um die Literatur auch den entfernt wohnenden Hobbykollegen zugänglich zu machen, haben wir bereits einen Teil der Literatur gescannt (digitalisiert). Bei den Datenträgern sind wir dabei, deren Inhalt auszulesen und in einem Zentralrechner verfügbar zu machen.


Ein Teil des Magnetbandarchivs

Ein Teil des Literaturarchivs

Obwohl wir nur eine handvoll Leute sind und unsere Aktionen komplett selbst finanzieren, gelangen uns einige spektakuläre Rettungsaktionen von durch Vernichtung bedrohter Rechentechnik: Zur Reparatur der Geräte benötigen wir Bauteile, Baugruppen, Kabel und Ersatzteilspender. Da neue Geräte künftig nur noch selten auftauchen, hatten wir vorsorglich einige eingelagert, die wir allmählich aufarbeiten oder als Ersatzteilspender für andere Geräte verwenden.


Prallgefüllt: Baugruppenlager im Museumsfundus

Geräte und Baugruppen im Museumsfundus

Wer sich für historische Rechentechnik interessiert und bei uns mitmachen möchte oder auch einfach nur die Ausstellung anschauen möchte, ist immer herzlich bekommen.


Bestandsübersicht der wichtigsten Geräte

Einige davon sind mittlerweile weltweite Unikate.

Große Technik: PCs: Elektronische Buchungstechnik: Terminals: Maschinensteuerungen: Messcomputer Sonstige Computer: Mechanische Rechner: Drucker: Zubehör:

Aussichten

Um die Zukunft der Rechentechniksammlung im Chemiemuseum Merseburg machen wir uns zunehmend Sorgen: Die Informatik als Teil der chemischen Industrie hat leider nur eine geringe Akzeptanz bei den Betreibern des Museums und die historische Chemie hat leider nur eine geringe Akzeptanz bei dem Besitzer der Gebäude: der Fachhochschule Merseburg. So werden wir bei den geplanten räumlichen Verkleinerungen des Museums trotz aller Erfolge möglicherweise ein Opfer des Rotstifts. Was dann aus der Rechentechniksammlung wird, ist noch ungewiss. Schlimmstenfalls droht allen Exponaten die Verschrottung.

Werkzeuge, Ersatzteile, Geräte oder ganze Rettungsaktionen finanzieren wir privat selbst. Bei der Unterbringung der Exponate sind wir aber auf fremde Hilfe angewiesen: Miete für den Museumsfundus können wir nicht aufbringen.

Link

Deutsches Chemiemuseum Merseburg
Digital Computer & Elektronik Arbeitsgemeinschaft Halle



Letzte Änderung dieser Seite: 03.01.2012Herkunft: www.robotrontechnik.de