Bergung in Etappen:
Rechenzentrum des Kraftwerks Thierbach

Es begann alles im Jahr 1999: Im Gespräch mit einer Hallenser Computerfirma kam das Gespräch auf ein Prozessrechenzentrum, das sich im Kraftwerk Thierbach befindet und im Jahr 2000 außer Betrieb genommen werden sollte. Die darauffolgenden Bestrebungen, mit der Betreibergesellschaft des Kraftwerkes zwecks Besichtigung in Kontakt zu treten, blieben aber leider vorerst erfolglos. Ebenso ein Besuch vor Ort im Spätherbst 2000.


Kraftwerk Thierbach, im Jahr 2003

Dies änderte sich dann, als das Kraftwerk stillgelegt war. Durch Dokumente und das Baustellenschild auf dem Gelände des Kraftwerkes kamen wir auf die Firma BIQ als Verwalter des Geländes und nach einigen Telefonaten und Briefen wurde ein erster Besuch möglich.
Das Kraftwerk befand sich, abgesehen vom kürzlich gesprengtem Schornstein, sehr vielen gekappten und farbig markierten Kabelverbindungen und einer ziemlich geplünderten Schaltwarte noch in sehr gutem Zustand. Auch das Prozessrechenzentrum war erfreulicherweise noch weitgehend unangetastet.


In diesem Gebäude befand sich das Rechenzentrum...

...und zwar hier im Bereich der roten Markierung.

Das Rechenzentrum.

Das Rechenzentrum, von der anderen Seite aus

Rechneranlage AUDATEC

Rechner A6402

Rechner MRES, dahinter die Drucker

Rechner MRES, Rückseite

Herzstück der Anlage bildete ein A6402-Rechner. Diese Rechner sind heute eine absolute Seltenheit: außer einem defekten Exemplar in der UNI Greifswald, einem ebenso defekten Exemplar im Museum Hoyerswerda und einem Fragment im Bunker "Fuchsbau" scheint es keine weiteren Exemplare mehr zu geben. Daher lag es nahe, die Anlage irgendwie zu retten. Verständlicherweise ist es aber aus Platzgründen sehr problematisch, einen Rechner dieser Größe privat unterzubringen.


Geschichtlicher Hintergrund

Der Ort Thierbach liegt südlich von Leipzig in der Nähe der Stadt Borna, gehört heute zur Gemeinde Kitzscher und hat ca. 6000 Einwohner. Um den wachsenden Bedarf an elektrischem Strom und an Wärme zu begegnen, wurde Mitte der 1960er Jahre die Projektierung des Kraftwerks Thierbach begonnen. Bauherr war das "Kombinat Kraftwerksanlagenbau Berlin". Für den gewählten Standort sprach die geografische Nähe zu den Braunkohlentagebauen, die den Brennstoff für das Kraftwerk lieferten und deren geflutete Restlöcher den notwendigen Wasserspeicher bildeten.
Das Kohlekraftwerk Thierbach bestand aus vier Blöcken mit je 210 MW Bruttoleistung, den in der damaligen Zeit größten Kraftwerksblöcken der DDR. Die Kraftwerkstechnik wurde in Gemeinschaftsarbeit der damaligen Ostblockländer hergestellt (neben der DDR vornehmlich Polen, Ungarn und die Sowjetunion), der größte Teil der Maschinen stammte aus russischer Produktion. Die Gebäude wurden weitgehend in Fertigteilbauweise (Beton) hergestellt, die Vormontageplätze dazu befanden sich in unmittelbarer Nähe des Kraftwerks.

1969 ging der 1. Block ans Stromnetz. Im September 1971 waren dann die letzten Bauarbeiten abgeschlossen und das Kraftwerk Thierbach versorgte nun zusammen mit den (ehemaligen) Kraftwerken in Lippendorf und Kulkwitz die Region Leipzig mit elektrischem Strom sowie die umliegende Industrie mit Heißdampf.
Während der Betriebszeit wurden immer wieder Änderungen an der Technik vorngenommen, um die Auslastung des Kraftwerks zu verbessern sowie die technologischen Prozesse zu optimieren.

Die riesigen Kraftwerksanlagen waren in der flachen Landschaft weithin zu sehen und bildeten ein Wahrzeichen dieser Gegend.


Mit Volldampf voraus: Kraftwerk Thierbach 1989

Nur noch mit halber Kraft: Aufnahme aus den 1990er Jahren

Maschinenhaus und Haupteingang des Kraftwerks

Das Maschinenhaus von der anderen Seite

Gigantisch: Die Kühltürme von Thierbach

Nach der politischen Wende 1990 wurde das Kraftwerk privatisiert und ging in den Besitz des neu gegründeten Energiekonzerns VEAG über, die 2002 vom schwedischen Vattenfall-Konzern, der sich im Osten Deutschlands als Hauptenergielieferant etablierte, übernommen wurde. Die Stilllegung des Kraftwerks Thierbach wegen veralteter Technik und Problemen der Umweltbelastung (mittlerweile verschärfte Umweltschutzauflagen) war anfangs auf 1996 festgesetzt, wurde dann aber aufgrund der Verminderung des Schadstoffausstoßes auf 1999 herausgeschoben. Ursprünglich war das Kraftwerk für eine Laufzeit von 30 Jahren geplant.

Die Größe der Belegschaft sank von 1740 Mitarbeitern im Jahr 1979 bis auf 248 Mitarbeiter im Jahr 1999, da Kraftwerksbereiche, die nicht unmittelbar mit der Energieerzeugung zu tun hatten, mit der Privatisierung abgebaut wurden.


Demonstration für den Erhalt des Standorts

Demonstration für den Erhalt des Standorts

Im Jahr 1995 wurde in Lippendorf ein neues Kohlekraftwerk gebaut, das die Arbeit der beiden alten Kraftwerke Lippendorf und Thierbach übernehmen sollte. Das alte Kraftwerk Lippendorf wurde 1999 vom Netz genommen und bis 2005 komplett abgerissen. Am 30.09.1999 kam auch für das Kraftwerk Thierbach die Abschaltung.


Aufgeklebte Maßbandschnipsel im Rechenzentrum zählten
die letzten Arbeitstage der Mitarbeiter

Die VEAG förderte finanziell die Ansiedlung neuer Firmen und die Übernahme von ehemaligen Kraftwerkern. Teile der Belegschaft von Thierbach bekamen Arbeit im neuen Kraftwerk Lippendorf, für andere begann eine ungewisse Zukunft.
Seitdem ist der planmäßige "Rückbau" (also Abriss) im Gange: Der 300 Meter hohe Schornstein des Kraftwerks wurde 2002 gesprengt, ihm folgten 2006 die vier riesigen Kühltürme. Das Maschinenhaus ist bereits zu großen Teilen ausgeräumt und fällt vermutlich 2010 dem Dynamit zum Opfer.


2002: Sprengung des Schornsteins

2006: Sprengung der Kühltürme

...Sekunden später

Das Verwaltungsgebäude, in dem sich das Rechenzentrum befand, war 2003 bereits ausgeräumt, das einzig nicht-leere Zimmer darin war das Rechenzentrum. Dass die Rechner noch nicht verschrottet waren, lag vermutlich daran, dass Rechentechnik als Sondermüll zu entsorgen ist oder weil die Geräte einfach zu schwer für die Ausräummannschaft waren.


Blick aus dem Fenster des Rechenzentrums


Kraftwerks-Gebäude.
Dahinter die Reste der gesprengten Kühltürme

Blick vom Rechenzentrum auf das Maschinenhaus

Blick aus einem Fenster des Maschinenhaus

Blick über die Dächer des Kraftwerks

Gleise der Werksbahn. Hier fährt nie wieder ein Kohlezug.

2008: Abriss der Kohleförderbahn

Abriss der Kohleförderbahn

Nach der vollständigen Entfernung des Kraftwerks soll das Grundstück als Gewerbegebiet genutzt werden.



Das neue Kraftwerk in Lippendorf



Technischer Hintergrund

Im Kraftwerk wurde durch Verbrennen von Kohle Wasser zu Dampf (660 t/h bei 140 bar, 550°C) erhitzt. Dieser wurde durch die Flügelräder von Turbinen (3000 U/min) geschickt, deren Drehbewegung dann elektrische Generatoren (15,75 kV Spannung) antrieben. Anschließend wurde der Dampf in einem Wärmetauscher wieder verflüssigt. Das als Kühlung im Wärmetauscher verdampfende Sekundär-Wasser wurde in den vier 90m hohen und 70m dicken Kühltürmen wieder zu Wasser kondensiert.


Turbine und Generator in der Maschinenhalle im Jahr 2003

Fast ausgeräumt: die Maschinenhalle im Jahr 2006

Antriebswelle einer der Hauptgeneratoren (2003)

Rohrleitungen in der Maschinenhalle (2003)

Generator-Turbine-Komplex (2003)

6kV-Speisepumpenmotoren

Eigentlich überflüssig: festgekettete Wasserschieber

Die Braunkohle wurde in der Nähe des Kraftwerks im Tagebau abgebaut und per Eisenbahn angeliefert. Da eine Kohleversorgung im "Just-In-Time-Betrieb" nicht sicher gewährleistet werden konnte, wurde am Kraftwerk ein Kohlelager eingerichtet, um zeitweise Kohleknappheiten überbrücken zu können. Die Kohle wurde anschließend über eine Förderbrücke zum Maschinenhaus gebracht, zu Kohlenstaub zermahlen (6,2 Mio t/Jahr) und in den Verbrennungsraum der Feueröfen eingeblasen, wo sie das Wasser des Primärkreislaufs erhitzte. Nachteilig für den Verbrennungsprozess wirkte sich die im Laufe der Zeit schlechter werdende Qualität der Braunkohle aus.
Die entstehende Asche wurde, mit Wasser vermischt, über Rohrleitungen abtransportiert und im 2 km entfernten Tagebau-Restloch "Trages" gelagert. Die Verbrennungs-Abgase gelangten nach einer Staubreinigung in einer Elektrofilteranlage durch den 300m hohen Schornstein ins Freie.
Während der Laufzeit des Kraftwerks wurden 129 Milliarden kWh Elektroenergie produziert.

Ein Teil der Abwärme des Kraftwerks wurde zur Fischaufzucht und zur Pilzzucht genutzt, außerdem kam ein Teil des im Kraftwerk für die Kühlung gereinigten Wassers als "Destilliertes Wasser" in den Handel. Die Asche der Elektrofilter wurde in Silos aufgefangen und für die Verfüllung von Bergwerkstollen verkauft.


Die Kohle-Förderanlage. Vorn die Wasser-Deionisatbehälter.

Kohle-Förderanlage. Das blaue Gebäude ist ein Kohlebrecher.

Kohle-Grabenbunkeranlage Nord

Ascherohrleitung

Von Anfang an wurde zur Überwachung und Steuerung des Verbrennprozesses, der Turbinen und der Generatoren Digitalrechentechnik eingesetzt. Dies erfolgte ursprünglich durch russische Rechner. 1987 sollte der Kraftwerksblock 4 datenseitig durch eine DDR-Rechneranlage AUDATEC K überwacht werden. Dieses Vorhaben wurde jedoch aus unbekanntem Grund vorerst nicht realisiert, obwohl der dazu auch benötigte A6402-Rechner bereits geliefert war. Die AUDATEC-Anlage fehlte jedoch noch.

Erst 1990 kam wieder Leben in das Projekt: Es wurde eine modernere AUDATEC C-Anlage beschafft. Deren Basisebene war im Maschinenhaus in der Nähe der Schaltwarte untergebracht, ebenso einige Pultsteuerrechner. Bei unserem ersten Besuch in Thierbach waren diese Geräte allerdings bereits verschrottet. Die an den Kraftwerksmaschinen gewonnenen Daten wurden in der Basiseinheit digitalisiert und per Netzwerk zur Prozessleitebene ins Rechenzentrum geschickt.
Die Prozessleitebene der AUDATEC sowie der A6402-Rechner waren im 2. Obergeschoss des Kraftwerks-Verwaltungsgebäudes untergebracht und bildeten das Rechenzentrum, das wir also nun zu Gesicht bekamen.
Die von der Basisebene gelieferten Daten wurden in den Komponenten der AUDATEC-Prozessleitebene aufbereitet und auf Farbbildschirmen angezeigt. An den Pultsteuerrechnern sitzende Arbeiter konnten über die AUDATEC-Anlage ggf. auf eintreffende Alarmdaten reagieren.

Einer der AUDATEC-Rechner diente als Koppeleinheit mit dem ebenfalls im Netzwerk hängenden A6402-Rechner, der die Archivierung der AUDATEC-Daten übernahm. Ursprünglich waren im A6402-Rechner Wechselplatten CM5400 als Massenspeicher eingebaut. Wegen deren Unzuverlässigkeit wurde später auf Festplatteneinheiten K5501 und K5502 umgerüstet.
In dieser Form war das Rechenzentrum von 1990 bis 1999, also der Stilllegung des Kraftwerks, in Betrieb. Eine Steuerung (also aktive Beeinflussung) des Kraftwerks durch die AUDATEC war zwar für die Zukunft geplant, wurde aber nie realisiert.


So sah die Verkabelung der Audatec-Anlage vermutlich mal aus. Rot=Datenbahn, Blau=IFSS

Somit hatte das Rechenzentrum in Thierbach fast dieselbe Funktion wie das bereits fürs Museum gerettete Rechenzentrum in Schönebeck, allerdings war Thierbach technisch eine Rechnergeneration jünger und wesentlich leistungsfähiger.
Thierbach war das einzige Kraftwerk in der DDR, in dem ein A6402-Rechner eingesetzt wurde.

Der ebenfalls im Rechenzentrum befindliche Computer MRES wurde als Programmierrechner für Steuerungen auf K1520-Basis verwendet, hatte also mit den anderen Geräten in Raum nicht direkt zu tun.


Inventar des Rechenzentrums

Im Rechenzentrum befanden sich:

Geräteaufteilung



Vollständigkeit

Die Rechnerschränke der AUDATEC-Basiseinheit (die sich im Maschinenhaus befanden) sowie einige ebenfalls im Maschinenhaus befindliche AUDATEC-Pultsteuerrechner waren bei unserem ersten Besuch bereits verschrottet.

Im Rechenzentrum fehlten bereits die zum A6402-Rechner gehörenden Terminals samt Verkabelung ebenso, die zur AUDATEC gehörenden Farbbildschirme K7226. Auch von Software und schriftlichen Unterlagen fehlte jede Spur. Ersteres sollte sich später noch als großes Problem herausstellen. Vom MRES-Computer, der 2001 noch vollständig war, verschwand in den kommenden Jahren die Tischplatte samt Tastatur und Bildschirm sowie einer seiner Prozessorschränke.

Das selbe merkwürdige Schicksal teilt der Multiplexer des A6402-Rechners (ein ziemlich schweres Gerät in Form zweier 19-Zoll-Einschübe, dass für die Verteilung der Rechnerdaten auf die einzelnen Terminals und Drucker zuständig war). Weiterhin fehlten in den Lochbandeinheiten jeweils die Lochbandstanzer, wobei bei einem davon die Anschlusskabel einfach durchgekniffen waren. Bei einem der Rechnerschränke fehlt vorn die Abdeckung der Lüfterkassette.
Hier die Phantombilder der vermissten Geräte:


Fehlt: Bildschirme K7226. Das Bild zeigt ein Vergleichsgerät

Fehlt: die Multiplexereinschübe (hier eine Aufnahme von 2001)

Fehlt: Lochbandstanzer

Fehlt: Teile des MRES-Rechners. Das Bild zeigt ein Vergleichsgerät.

Fehlt: Software (Magnetbänder)

Fehlt: Abdeckung der Lüfterkassette

Wir haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass die Geräte irgendwo überlebt haben.
Weiß jemand, was aus diesen Geräten geworden ist? Wir würden sie, falls noch existent, gern wieder in die Anlage einbauen. Hat jemand baugleiche Ersatzgeräte?


Äußerlicher Zustand

Die AUDATEC befand sich in einem gutem Zustand, mit Ausnahme der fehlenden Bildschirme, deren Kabel einfach abgekniffen waren.

Am A6402-Rechner waren aus unerfindlichem Grund die Abdeckungen aller Magnetbandlaufwerke eingeschlagen. Wir vermuten Maschinenstürmerei der letzten Belegschaft aus Frust über die bevorstehende Entlassung. Es ist uns zwar später gelungen, die meisten Bruchstücke der Abdeckungen zu finden und wieder zusammenzupuzzlen, der Anblick der Bandlaufwerke ist aber unwiederbringlich ruiniert.


Die Bandlaufwerke mit den zerstörten Frontblenden

In einer der beiden Lochbandeinheiten waren die Anschlusskabel des Lochbandstanzers durchgekniffen, beide Lochbandstanzer fehlten leider.


Der Rechenzentrum-Raum

Das Rechenzentrum lag im zweiten Obergeschoss des Bürogebäudes ("Kompaktgebäude" genannt). Es hatte, wie bei Rechenzentren üblich, einen Ständerfußboden, unter dem die Kabel entlanggeführt wurden. Um den Lärm der Rechentechnik (Lüfter, Lochbandgeräte) nicht nach außen gelangen zu lassen, waren die Wände und die Decke des Raumes mit Schallschutzplatten verkleidet. Da das Gebäude baulich noch in gutem Zustand war und sich außerdem noch einige schützende Stockwerke darüber befanden, war es im Rechenzentrum absolut trocken geblieben, weshalb es auch keinerlei Rostspuren an den Geräten gab.

Um im Sommer eine Überhitzung der Anlagen zu verhindern, befand sich im Nachbarzimmer eine Klimaanlage, die den Rechenzentrumsraum mit Kaltluft flutete.


Steuereinheit der Klimaanlage

Spezielle Einbruchsschutz-Maßnahmen gab es hier nicht: die Lage im 2. Obergeschoss im eingezäunten und bewachten Kraftwerksgelände bot hinreichende Sicherheit. Eine Tatsache, die auch nach der Schließung des Kraftwerks von unschätzbarem Vorteil war, denn so blieb den Rechnern die Zerstörung durch Vandalen oder Metalldiebe erspart.

Sehr vorteilhaft bei diesem Rechenzentrum war, dass der Rechnerraum Fenster besaß und wir daher (im Gegensatz zum Rechenzentrum Schönebeck) nicht mit Taschenlampen arbeiten mussten.


Der Abtransport, Etappe 1

Das Gelände des Kraftwerks wird von der Firma BIQ verwaltet, die auch den Abriss des Kraftwerks organisiert. Die BIQ kam unseren Bemühungen sehr entgegen und ermöglichte eine preiswerte und unbürokratische Übergabe der Rechneranlage. Die rechtlichen Formalitäten waren also bald geregelt und so konnte im Sommer 2003 der Prozessorschrank der K1630-Anlage in demontiertem Zustand auf Reisen gehen. Der letzte Elektriker des Kraftwerkes führte uns in die Räume der Anlage und schaltete später sogar noch den Fahrstuhl zu, ohne den ein Abtransport zu zweit nicht möglich gewesen wäre.

Nach zwei Fahrten im Hänger eines PKW (85 km von Thierbach nach Halle/Lettin) war es Abend und schon ziemlich dunkel, als wir die letzten Komponenten einfach in die Garage stellten (die damit vollständig gefüllt war) und den geliehenen Hänger abgaben. Am nächsten Tag wuchteten wir mit mehreren Freunden die Maschine in den Werkstattkeller, wo sie in zweiwöchiger Arbeit wieder zusammengesetzt wurde.


Dornröschenschlaf: der Prozessor-Schrank im Keller

Ein Abbau der anderen Geräte war aus Platzgründen zu diesem Zeitpunkt nicht möglich.


Der Abtransport, Etappe 2

Nach einer 2-jährigen Zwischenlagerung im Keller kam der Prozessorschrank im Jahr 2005 in das Deutsche Chemiemuseum Merseburg. Damit eröffneten sich neue Unterstellmöglichkeiten und so konnte nun über den Umzug der restlichen Komponenten nachgedacht werden.

Zu diesem Zeitpunkt befanden sich also noch drei A6402-Rechnerschränke, die AUDATEC-Anlage, die Drucker sowie Teile des MRES in Thierbach.
Die Geräte im zusammengebauten Zustand zu transportieren, ist unmöglich: jeder der Rechnerschränke wiegt vier Zentner und auch die AUDATEC-Rechner scheinen gewichtsmäßig aus massivem Eisen zu bestehen. Also mussten die Geräte zerlegt werden: Der A6402-Rechner besteht aus einzelnen Modulen, die verhältnismäßig einfach zu demontieren sind, aber trotzdem durch ihr Gewicht einige Probleme machten. Immerhin wiegt ein Lochbandeinschub gut 1 Zentner und auch die Festplatten stehen dem gewichtsmäßig nicht nach. Die AUDATEC besteht ebenfalls aus herausnehmbaren Rechnereinschüben.
Alle Geräte waren durch den Fußboden verkabelt, nach Herausheben einiger Bodenplatten konnte Kabel um Kabel herausgefädelt werden.


Das eine Ende des Kabels ist hier...

...und hier irgendwo muss das andere Ende sein.

Beim Abbau arbeiteten sechs Hobbykollegen Hand in Hand. Unsere bereits gewonnenen Erfahrungen vom Abbau des Rechenzentrums Schönebeck kamen uns nun zugute. Für die Zerlegung der Anlage brauchten wir nur 2 Tage; ein weiterer sollte für den Abtransport reichen.


Am längsten dauerte die Zerlegung der AUDATEC...

...deren Schrank Nr. 6 hier gerade zur Seite geschafft wird.

Hier stand einen Tag zuvor noch die AUDATEC...


...die nun zusammen mit den anderen zerlegten Geräten
neben der Tür auf den Abtransport wartet.

Nur das Wetter war ungünstig: wir hatten den extrem heißen Rekordsommer 2006 erwischt. Am 16.06.2006 war es dann soweit: alle Geräte waren in halbwegs handliche Fragmente zerlegt und der Abtransport konnte beginnen.

Nun standen wir vor dem Transportproblem: der im Bürogebäude befindliche Fahrstuhl durfte aus Sicherheitsgründen leider nicht mehr benutzt werden. Doch wir hatten wieder Glück: Im Maschinenhaus, das mit dem Bürogebäude über einen Brückengang verbunden war, gab es einen noch funktionsfähigen Lastenaufzug. Die 50 Meter bis zum Aufzug transportierten wir die Geräte per Handwagen, Sackkarre und Möbelroller. Die zwischen Rechenzentrum und Brückengang befindliche ½-Meter-Steigung in Form einer Rampe machte den Transport bei den hochsommerlichen Temperaturen trotzdem zu einer schweißtreibenden Arbeit.


Der Brückengang vom Kraftwerksgebäude aus gesehen

Erinnert irgendwie an den Michelinmann: Abtransport der Kabel

Wieder und wieder fuhr der Aufzug...

...mit wertvoller Fracht beladen

Ein bei der Firma AVIS gemieteter 3,5t-Kleintransporter erwies sich als das für den Transport geeignetste Gefährt und so traf nach 70 km Fahrt die Technik wohlbehalten in Merseburg ein.


Das Auto war zum Schluss so voll...

...dass die Türen kaum noch zu gingen

Das Rechenzentrum leert sich beträchtlich

Glücklich: Das Abbau-Team nach getaner Arbeit in Thierbach

Währenddessen schlug das Wetter um und kaum waren die Geräte in der FH Merseburg verstaut, öffnete der Himmel seine Schleusen und es goss wie aus Kübeln.


Ankunft und Abladung in Merseburg

Der Thierbach-Rechner befindet sich nun in bester Gesellschaft: der Ausstellungsraum beherbergt u.a. auch einige Kleincomputer, Bürocomputer sowie einige ESER-Geräte aus Markkleeberg. Aber letzteres ist schon wieder eine andere Geschichte...


Der Abtransport, Etappe 3

Im September 2007 rückte ein dreiköpfiges Abbau-Team erneut ins Kraftwerk ein. Dort befanden sich immer noch die sechs Nadeldrucker SD1157/267, ein Typenraddrucker SD1152/251 sowie die drei Rechnertische, vier Druckertische und der als Regal benutzte kleine Rechnerschrank. In einer mehrstündigen Arbeit wurden alle Tische sowie der kleine Rechnerschrank zerlegt und warteten nun auf ihren Abtransport in ihre neue Heimat: das Computermuseum Plauen.


Die Rechner- und Druckertische...

...waren binnen kurzer Zeit zerlegt.

Gar nicht einfach, die ausgehängten
Druckerscharniere wieder einzuhängen

Geschafft, alles ist zum Abtransport bereit.


Einen der Nadeldrucker haben wir gleich ins Auto getragen, was bei seinen 65kg Gewicht und den zwei Stockwerken Wegstrecke eine ziemliche Herausforderung für die Bandscheiben war. Er hat sich mittlerweile wieder zu seinem Rechner in Merseburg gesellt.


Der Abtransport, Etappe 4

Im März 2008 unternahmen wir den nächsten Anlauf: diesmal ging es dem Ständerfußboden an den Kragen, der im Bunker Kolkwitz ein neues stilechtes Zuhause finden wird. Was auf den ersten Blick recht einfach aussieht, entpuppte sich doch als handfeste Arbeit: Als erstes galt es, die Abdecknippel der Schrauben herauszuhebeln, dann die Platten loszuschrauben, herauszuheben und dann samt der Metallverstrebung nach unten zu bringen.


Beginn der Arbeiten

Einige Stunden später: wir haben ganze Arbeit geleistet

Da der Rechenzentrumsraum in 2. Obergeschoss liegt, war besonders letzteres eine Herausforderung: eine Fußbodenplatte wiegt 11 kg. Trotz vieler fleißiger Hände musste vielmals die Treppen rauf- und runter gelaufen werden. Zwei der beim letzten Mal zerlegten Druckertische wurden bei der Gelegenheit auch mit verladen.

Das Ende der Arbeiten für diesen Tag kam nach der Verladung der Hälfte der Fußbodenplatten durch das Erreichen der Maximallast des LKW, der mit den vorher in Mehna abgeholten ESER-Geräten des ehemaligen Markkleeberg-Rechenzentrums schon reichlich vorbelastet war.


Unten wartet der LKW

Die noch bis dahin im Rechenzentrum verbliebenen sechs Drucker wurden in zwei PKW verfrachtet (erstaunlich, dass die überhaupt rein passten) und werden nun an Hobbykollegen in der Fangemeinde verteilt.


Zwei voluminöse Drucker im PKW...

...und die stolzen neuen Besitzer dazu

Derweil gehen die Abbrucharbeiten am Kraftwerk munter weiter: Der Schrägaufzug für die Kohle wurde gerade zerschweißt und per Kran herabgelassen. Auch der Brückenübergang, über den wir noch zwei Jahre zuvor die Rechnerteile transportiert hatten, existiert nicht mehr. Die an dieser Stelle sauber vermauerte und verputzte Wand des Kompaktgebäudes lässt vermuten, dass dieses Gebäude erhalten werden soll.


Der Abtransport, Etappe 5

Im April 2008 machten wir den voraussichtlich vorletzten Einsatz in Thierbach. Insgesamt 10 Leute waren bei dieser Aktion dabei. Die Bunkerfreunde aus Kolkwitz kamen mit einem Kleinbus und einem Doppelachsanhänger. Diesmal sollten nochmals 100 Fußbodenplatten abtransportiert werden.


Öffnen des Fußbodens

Abnahme der Schalldämmplatten

Gegenüber Etappe 4 gab es eine mechanische Hilfe: ein schnell zusammengebauter, improvisierter Baukran am Fenster machte das einzelne Heruntertragen der Fußbodenplatten und der Kleinteile überflüssig. Die Arbeiten wurden entsprechend eingeteilt: ein Team entfernte Schraubnippel und Schrauben und brachte die Platten zum Fenster, ein "Kranführer" ließ die Platten runter und unten stapelte sie ein drittes Team in den Anhänger.


Hier wird eine Bodenplatte heruntergelassen...

..und auf diesem Anhänger verstaut

Die noch verbliebenen Rechnertische wurden aufgeteilt. Einer davon wird in fernerer Zukunft wieder das Terminal und den Drucker des A6402 in Merseburg tragen, der Dreifachtisch ging nach Kolkwitz und der letzte Einzeltisch kam privat unter. Dabei wurde der Beweis erbracht, dass die 1,10 Meter breiten Tische sowohl in einen kleinen Peugeot als auch in einen VW Scirocco passen. Auch der zu einem Regal umgebaute halbhohe Rechnerschrank bekommt nun ein neues Zuhause in Kolkwitz.

Als recht kompliziertes Unterfangen erwies sich der Abtransport der Rechenzentrum-Klimaanlage: Die Anlage war einerseits recht groß, ziemlich schwer und außerdem an vielen Stellen mit der Umgebung verschraubt. Während die eine Hälfte der Hobbykollegen sich um die Fußbodenplatten kümmerten, trennte die andere Hälfte die Klimaanlage vom Abluftkanal und den Rohrleitungen und halbierte das Gestell. Das Herausrollen erwies sich als Millimeterarbeit und erst nach dem Abschrauben weiterer Teile passte die Anlage durch die Tür. Für den Baukran war die Klimaanlage zu schwer, also musste sie den Weg durch's Treppenhaus nehmen. Durch den Flur ging der Transport noch recht einfach auf einem kleinen Rollwagen, die Treppe herunter bewegten sich die Teile rutschenderweise.


Schwer beladene Fuhre nach Kolkwitz

Hier die vertäute Klimaanlage

Gegen Nachmittag waren alle Teile erfolgreich auf dem Anhänger und in den PKW verstaut und machten sich auf den Weg nach Hause. Leider erlebte die Hängerfuhre unterwegs noch einen Regenguss, der den Fußbodenplatten nicht gut bekam.

Im Rechenzentrum ist nun außer ein paar Kabeln, Fußboden- und Wandplatten nur noch der Einschaltschrank. Eventuell werden wir die Sachen noch in einer letzten Abbauaktion holen.


Finale



Der Wiederaufbau

Der A6402-Rechner ist mittlerweile in einem Ausstellungsraum des Deutschen Chemiemuseums Merseburg wieder mechanisch zusammengesetzt. Eine Wieder-Inbetriebnahme des Rechners wird aber sehr schwierig werden: es fehlt uns noch an

Die erste Aufstellung des A6402 nach dem Wiederaufbau. Der 4. Schrank steht dahinter.



Technischer Zustand und Reparatur des A6402-Rechners

Der Rechner A6402 diente zur Speicherung der Messwerte und zur Durchführung von Berechnungen auf deren Basis. Es handelt sich um einen großen 16-Bit-Computer von Robotron, der auf Basis des K1600-Rechnerbusses arbeitet. Herz der Anlage ist der mit vier Mikroprozessoren U830 bestückte Prozessoreinschub K1630, dem 256 KByte Speicher zur Verfügung steht. Mechanisch ist die Anlage aus vier 19-Zoll-Schränken aufgebaut. Einer enthält die beiden Rechnereinschübe sowie zwei Festplatten. In den anderen Schränken sind zwei weitere Festplatten, zwei Lochbandgeräte sowie vier Magnetbandgeräte samt Controller untergebracht.


Die Rechnerschränke

Zum Glück braucht der A6402 keinen Kraftstrom, sondern lässt sich aus normalen 230V-Steckdosen speisen.
Schon beim ersten Einschalten zeigte sich aber, dass der Erdstrom durch die Netzfilter zu groß ist (36 mA pro Schrank) und dadurch sofort der FI-Schalter des Zimmers herausfliegt. Bei der Dauerbelastung der Filter mit Gleich- und Wechselstrom im Labor konnten wir nachweisen, dass die Filter trotzdem stabil arbeiten, der Erdstrom somit durch die eingebauten Kapazitäten (~4µF von der Phase auf Masse) herrührt. Vorerst wird die Anlage daher ohne Netzfilter auskommen müssen. Eine endgültige Lösung muss noch gefunden werden, möglichweise in Form eines 0,5A-FI-Schalters.

Die Prozessoreinheit neigt leider dazu, beim Einschalten die Zimmersicherung (B16) aufgrund des Einschaltstromstoßes herauszuwerfen. Als ein Defekt ist das aber nicht anzusehen. Eine endgültige Lösung stellte sich erst ein, als wir die Zimmersicherungen durch superträge Modelle D16 ersetzten, was auch gleichzeitig die Lösung des gleichartigen Problems unseres NILES-R4201-Computer darstellte. Rechner und Terminal haben mittlerweile eine ordentliche, feste Verkabelung.

Der Hauptschütz des Prozessorschrankes hat sich leider als recht musikalisch erwiesen: irgendwie schlossen die Magnetanker nicht mehr richtig und das Bauteil verursachte ein heftiges Brummen, was beim Arbeiten mächtig nervte. Nach vergeblichen Biege- und Schmierversuchen haben wir die richtige Entscheidung getroffen: der Schütz wird ausgetauscht. Ein namensgleiches Ersatzbauteil zu bekommen, war nicht einmal schwer. Jedoch steckte die Tücke wieder im Detail: Der Rechnerschütz hatte mehr Kontakte als der "normale", also kamen wir um eine Zerlegung beider Schütze und einem Wiederaufbau nach der Aus-zwei-mach-eins-Methode nicht herum.

Die interne Verkabelung des Rechners ist mittlerweile weitgehend wiederhergestellt. An dieser Stelle kam uns die vor der Demontage erfolgte Beschriftung der Steckverbinder zugute. Trotzdem war es schwierig, die Kabel zu verlegen, da die Einschübe nach vorn ziehbar sind und die Verkabelung, ohne hängenzubleiben, über Scharniermechaniken mitlaufen muss. Leider gibt es keine Fotos von der originalen Verkabelung, die uns da weiter helfen könnten. Eine an dieser Stelle festgestellte Beschädigung des Bandcontroller-Buskabels ist mittlerweile repariert.


Der Rechner am endgültigen Aufstellort, jetzt mit 4 Schränken

Die Rückseite des Rechners, alle Türen geöffnet

Der nächste Schritt bestand in der Überprüfung der Netzteilmodule. Diese haben sich alle als funktionsfähig herausgestellt. Weniger erfolgreich waren die Tests der Lüfterbänke: Einige Lüfter (Hersteller ELMO Hartha oder PABST) waren mechanisch festgefressen. Offenbar hatte Luftfeuchtigkeit den Kugellagern zu schaffen gemacht. Die Lüfter wieder gangbar zu machen, ist eine Sache, sie aber wieder geräuscharm zu bekommen, eine ganz andere. Da werden wir wohl um einen teilweisen Austausch nicht herumkommen. Die lautesten Lüfter sind mittlerweile ausgewechselt, aus Kostengründen werden wir das aber nicht mit allen machen können. Übrigens: in diesem Rechner gibt es mehr als 25 Lüfter.

Einige (wahrscheinlich bei unserem Transport) gebrochene Geräte-Gehäuseblenden sind mittlerweile wieder geklebt und einige Beschädigungen in der Farbe ausgebessert.

Da die Rückwände der Rechnerschränke von den Museumsbetreibern als optisch unattraktiv angesehen werden, haben wir sie nun mit Robotron-Plakaten beklebt, die über Arbeit und Funktion dieses Rechners berichten.


Die Prozessoreinheit

Nachdem sich in Thüringen ein zu unserem Rechner passendes Terminal K8911 gefunden hatte, konnten wir den wohl spannendsten Schritt der Wiederinbetriebnahme machen: Die Einschaltung des Prozessors. Als Hürde kam aber noch davor, dass wir keine Ahnung hatten, an welche der vielen Schnittstellen das Systemterminal gesteckt werden muss. Da die Terminals in Thierbach bereits fehlten, konnte uns da auch keine Beschriftung weiterhelfen. So blieb also nur der langwierige Weg über die Bewickelung der Platinen.


Der obere Prozessoreinschub
Er enthält neben der CPU quasi nur den Speicher.

Der untere Einschub mit den Controllern,
noch weitgehend ohne Verkabelung

Trotzdem ließ sich der Rechner vorerst nicht zu einer Bildschirmausgabe überreden. Nach einigem Rätseln kamen wir darauf, dass in der Steck-Reihenfolge der Rechnerplatinen etwas nicht stimmte. Unerklärlich, wie das passieren konnte...
Und dann war es soweit: Die erste Meldung des Prozessors kam auf dem Bildschirm. Hurra! Damit ist gesichert, dass der Prozessor zumindest in seinen Grundfunktionen arbeitsfähig ist.


Angestrengtes Arbeiten an der Prozessoreinheit...

Irgendwie will sie einfach nicht funktionieren!

Da ist sie: die erste Bildschirmmeldung

Viel schreibt er noch nicht, aber wir freuen uns riesig!

Allzuviel kann man mit den Monitorprogramm des Prozessors aber nicht machen: das Monitorprogramm ist hauptsächlich zur Auswahl des Boot-Gerätes (Festplatte, Wechselplatte, Magnetband, Lochband) gedacht.

Die Einsprungbefehle zur Ansprechung eines Bootgerätes funktionierten leider nicht, ebenso kamen unerwartete Ergebnisse beim probeweisen Ansprechen einiger Speicherzellen. Einen funktionsfähigen Rechner als Vergleichgerät gibt es leider nicht, aber wir haben zumindest einen Stapel Ersatzplatinen (dessen Funktionsfähigkeit aber auch nicht sicher ist).. Und so haben wir Platine für Platine getauscht und jeweils die Fehler beobachtet. Es stellte sich auf diese Weise heraus, dass eine der vier RAM-Karten kaputt war, ebenso eine Platine der Prozessoreinheit. Die meisten Platinen können wir derzeit noch nicht auf ihre Funktion hin prüfen, aber sie behindern zumindest derzeit die Arbeit des Prozessors scheinbar nicht.

Seit dem Platinentausch lassen sich alle stichprobenartig angesprochenen Speicherzellen lesen und schreiben. Auch die Aktivierung der Bootgeräte (Magnetbandlaufwerke und Lochbandleser) funktioniert jetzt. Wobei wir mangels Betriebssystem nicht wissen, ob die Geräte korrekte Daten lesen können...


Der Rechner wird allmählich kommunikativer:

Speicherzellen-Lesen und -Schreiben

Im Jahr 2010 konnten wir unerwartet die für diese Art Rechner zugehörigen Diskettenlaufwerkscontrollerplatinen kaufen. Noch wissen wir aber nicht, wie die Platinen eingebaut werden, wie die Laufwerke angeschlossen werden und ob die Platinen überhaupt funktionieren.

Die Magnetbandlaufwerke

Bei einem Bandlaufwerk war die Aufwickelspule stark verbogen. Ursache war die schon erwähnte mutwillige Zerstörung der Laufwerksabdeckung. Die verbogenen Teile sind dank der Mithilfe von Hobbykollegen mittlerweile gerichtet und wieder eingebaut. Als größeres Problem stellten sich die kaputten Bandlaufwerksabdeckungen heraus: in mühevoller Kleinarbeit haben wir alle verfügbaren Bruchstücke wieder zusammengeklebt. Leider fehlen einige Splitter und die Klebefugen bleiben natürlich fürimmer sichtbar.
Am besten wäre natürlich, die gesamten Bandlaufwerksabdeckungen auszutauschen, aber leider haben wir keinen Ersatz und es sieht auch nicht so aus, als würde sich das ändern.


Zwei Magnetbandlaufwerke, Frontklappen geöffnet

Die Bandlaufwerke hatten noch weitere Mängel: Einige Mini-Glühlampen in den Bedientastern und den Lichtschranken waren durchgebrannt, sowie die meisten Hälse in den Bedientasten gebrochen. Beide Probleme sind mittlerweile weitgehend behoben.

Mit dem Studium des Handbuches stellte sich heraus, dass bei den Bandlaufwerken die grundlegenden Funktionen auch ohne Rechner prüfbar sind: Nach Ersetzen einiger defekter Lichtschranken-Lampen sind die Bandlaufwerke nun in ihren Grundfunktionen einsatzbereit. Eins der Laufwerke hat bereits erfolgreiche Lesetests an einem PC hinter sich, bei den anderen Laufwerken steht dieser Test noch aus.

Eins der Laufwerke hat anscheinend einen Fehler in der Steuerelektronik: Mit dem Rückfahren des Bandes auf die Bandmarke wird jedes mal gleich das Band ausgeworfen. Davon abgesehen scheint das Laufwerk aber ordentlich zu arbeiten.


Die Lochbandgeräte

Bei beiden Lochbandeinschüben fehlte der Lochbandstanzer, warum auch immer.
Im unteren Lochbandmodul haben wir daher den Stanzer des MRES eingebaut, der nach ausgiebiger Reinigung und Schmierung nun auch wieder relativ ruhig läuft.


Vorderseite des Lochbandstanzers

Rückseite des Lochbandstanzers

Im oberen Lochbandmodul waren leider die zum Lochbandstanzer gehenden Strom- und Datenkabel durchschnitten. Die Kabel sind mittlerweile repariert und nach längerem Suchen in der Fangemeinde bekamen wir auch einen Stanzer für diese Einheit spendiert.

In beiden Lochbandeinschüben waren die Lochbandleser defekt, genau gesagt waren jeweils die beiden darin befindlichen Gummi-Treibriemen altersbedingt zerfallen. Originale Treibriemen mit rundem Querschnitt sind leider nicht mehr beschaffbar, daher sind jetzt quadratische Treibriemen drin, die aber, wenn sie sorgfältig ohne jegliche Verdrehung eingebaut sind, auch verwendbar sind. Irgendwie neigen die Borkohlewiderstände der Lochbandleser noch etwas zum qualmen. Schwer zu sagen, ob das nur der Schmutz ist, der verdampft oder ob sich da noch ein Defekt verbirgt.


Demontierter Lochbandleser, in der Mitte die Treibriemen.

Lochbandleser, die obere Mechanik hochgeklappt

Vorderseite des Lochbandlesers

Rückseite des Lochbandlesers

Gerissene Andruckrolle

In beiden Lesern waren in der zeit, wo die Anlage bei uns stand, die die Andruckrollen gerissen, eine Folge der Alterung des PUR-Materials. Rundgedrechselter PVC-Gartenschlauch erwies sich als ein brauchbarer Ersatz, der allerdings wegen der nicht ganz exakten Maße eine aufwendige Neueinstellung der Andruckmechanik erforderte. Da die Lochbandeinheiten zwecks Lochbandwechsel aus den Schränken ein Stück herausziehbar sind, sind die externen Kabel auf Scharniersysteme gespannt, die aber auf Basis von sich knickenden Kunststoffteilen arbeiten und wegen Versprödung leider zerbrochen sind. Dafür haben wir derzeit noch keine Lösung, also müssen die Kabel vorerst frei herum hängen.

Die Lochbandeinschübe haben Temperaturüberwachungen, die bei Übertemperatur per Kontaktthermometer (zwischen den Netzphasen liegende) Thyristoren zünden, die dann die Gerätesicherungen zum Schmelzen bringen sollten. In einem der Module war der Thyristor defekt und machte das Zerstören der Sicherung zu seiner Daueraufgabe. Das Modul ist aber mittlerweile wieder repariert.

Die fehlenden Lochbandabwickelspulen bei beiden Stanzern sind mittlerweile ersetzt, eine weggebrochene Kralle der Leser-Lochbandabwickelschale aus einem Stück Kunststoff nachgefeilt und eingeklebt.

Beide Lochbandleser können nun vom Prozessor aus angesprochen werden, das heißt, das Papier wird auf Kommando durchgezogen. Seit Verfügbarwerden eines Urlader-Lochbandes sind wir nun auch sicher, dass die Lochbandleser und die Controller fehlerfrei arbeiten.


Die Festplatten

Erste Experimente mit der Festplatte DM0 zeigten, dass die Platte andreht, die Köpfe ausparken und die Bereitschaftslampe aufleuchtet. Den Gefallen einer richtigen Arbeit tut sie allerdings noch nicht: bislang gibt es keine Reaktion der Magnetköpfe beim softwareseitigen Ansprechen.


Herausgezogener Festplatteneinschub.

Die Festplatte mit teilweise demontierten Platinen

Die Bootplatte DM1 hat größere Probleme: beim manuellen Drehen der Platte wurde sichtbar, dass sich an einer Stelle einer der Magnetköpfe verkantet. Dort ist entweder ein Headcrash oder ein festgebackenes Schmutzkorn. Zum Glück betrifft es die obere Seite der obersten Magnetscheibe, ist also zumindest mechanisch leichter erreichbar. Genaue Analysen dazu stehen noch aus. Der Motor der DM1 musste wegen holpriger Kugellager ausgebaut werden. Nachdem die Lager einige Stunden in Benzin ausgekocht und mit neuem Fett gefüllt wurden, funktioniert der Motor wieder ordentlich.


Ausgebauter Festplattenantriebsmotor

Bei Festplatte DM2 ist das Plattenlager schwergängig. An das Lager kommt man leider mechanisch kaum ran und aufgrund seiner Präzision im Hundertstel-Millimeter-Bereich können wir das auch nicht einfach ersetzen, abgesehen davon müssten wir den Plattenstapel zerlegen und würden damit sämtliche Daten darauf verlieren. Die Hoffnung geht dahin, das Lager mit einem Kriechöl wieder leichtgängig zu bekommen.

Bei Festplatte DM3 leuchtet gleich nach dem Einschalten die Fehlerlampe, es dreht nicht einmal der Plattenmotor an. Als Ursache vermuten wir einen Fehler in den Leiterplatten des Laufwerks. Mangels Schaltplan kommen wir da derzeit nicht weiter.

Alles in allem sieht es so aus, als würden wir mit den Platten vorerst nicht weiter kommen. Um noch möglicherweise vorhandene Daten nicht zu gefährden, verzichten wir vorerst auf Experimente damit.

Mittlerweile verfolgen wir einen anderen Lösungsansatz: die Originalfestplatten vorerst durch eine Ersatzfestplatte zu ersetzen. Schützenhilfe dazu liefert ausgerechnet der damalige "Klassenfeind": Wir sind nun in Besitz einer antiken (aber noch unbenutzten) 8-Zoll-Festplatte der Firma BASF, die ein kompatibles SMD-Interface haben soll. Voraussetzung für die Inbetriebnahme dieser Platte sind allerdings noch zu bauende Adapter für die Datenkabel sowie die Realisierung einer autonomen Stromversorgung für die Festplatte.


BASF-Festplatte in der Originalverpackung

Typenschild der Platte

BASF-Festplatte, Oberseite

BASF-Festplatte, Unterseite

Sobald die Platte technisch einsatzbereit ist, wollen wir sie an einem PDP11-Rechner mit einem Betriebssystem beschreiben lassen und hoffen dann, damit unseren A6402 booten zu können.


Technischer Zustand und Reparatur der Drucker

Seriendrucker SD1157

Aus dem Thierbacher Druckerbestand ist ein Nadeldrucker SD1157/267 mit nach Merseburg gegangen, für die anderen ist leider dort kein Platz; sie haben eine neue Heimat bei Hobbykollegen gefunden.


Drucker SD1157. Oben drauf liegt ein Temperaturwächter.

Zerlegter SD1157 ohne Netzteile

SD1157, Rückseite. Netzteilmodule wieder eingebaut.

Auf der Druckwalze ist noch die Arbeit der Kraftwerker zu sehen.

Leider passierte beim Einschalten des Gerätes erst mal gar nichts; also wurde der Drucker erst einmal zerlegt. Wie so oft waren einige Sicherungen in den Netzteilmodulen vergammelt oder deren Sicherunghalter korrodiert bzw. zerbrochen. Die Sicherungen zu ersetzen und die Sicherungshalter zu reparieren, war kein Problem; ein Netzteilmodul blieb allerdings hartnäckig dabei, seine Sicherungen zum Durchbrennen zu bringen, ein anderes Netzteilmodul macht schlichtweg gar nichts. Ein Jahr später waren beide repariert und nun funktionieren die Drucker im Selbsttest prima.


Bergung und Reparatur eines Paralleldruckers

Auf einem Dorf bei Leipzig hatten in einer Scheune zwei kleine Paralleldrucker Videoton VT27000, die früher an einem K1630-Rechner liefen, überlebt. "Kleiner Paralleldrucker" bedeutet ein Gewicht von "nur" 200 kg pro Drucker, was für Paralleldrucker schon "wenig" bedeutet. Es handelt sich um Typenwalzendrucker für Leporellopapier mit einer Druckleistung von bis zu 900 Zeilen pro Minute (ca. 15 Zeilen pro Sekunde). Aufgrund der Arbeitsteilung im RGW hat Robotron für seine Rechneranlagen ab den 1970er Jahren keine Paralleldrucker mehr produziert. Im Bereich Kleinrechentechnik war dafür dann die ungarische Firma Videoton zuständig.


In dieser baufälligen Scheune...

...standen zwei VT27000, wahrscheinlich die letzten ihrer Art.

Die Drucker von der anderen Seite

Über den Druckern bröckelten die Mauern schon mächtig

Der Besitzer meldete sich 2007 bei uns, um die Geräte loszuwerden und dann die Scheune abreißen zu können. Für den zweiten Drucker hatten wir keinen Platz, so vermittelten wir ihn an das Elektromuseum in Erfurt. Nach langem Anlauf starteten wir Anfang 2009 zusammen mit dem Elektromuseum die Bergung, bei der wir von einigen Hobbykollegen unterstützt wurden.

Wir wählten als Transportmittel einen PKW mit Anhänger, die Kollegen vom Elektromuseum kamen mit einem Kleintransporter. Wir konnten zwar bis direkt an die Scheune heranfahren, die letzten zwei Meter mussten die Drucker aber doch konventionell bewegt werden. Aus Ziegelsteinen und Holzbalken war schnell eine Art Schienensystem improvisiert, über das die Geräte in die Fahrzeuge geruckelt wurden.


Im Vordergrund Reste der improvisierte Bohlenbahn

Dieser Drucker ist bereits erfolgreich auf den Anhänger bugsiert...

...muss nun nur noch vertäut und abgedeckt werden.

Während der Transport ins Elektromuseum problemlos vonstatten ging, hatten wir mit dem abgedecktem Anhänger heftige Probleme mit dem Wind wegen eines mittlerweile aufgezogenen Sturms. Also musste die Abdeckplane runter, in der Hoffnung, dass es nicht regnet. Der anfangs geplante Weg auf der Autobahn verlegten wir aus Sicherheitsgründen spontan auf die Landstraße und kamen so nach einer stundenlangen Fahrt auch wohlbehalten und trocken abends in Merseburg an.


Puh, geschafft: Ankunft in Merseburg

Der neue Aufstellort des Druckers

Der Drucker bekam ein neues Zuhause im Keller der Hochschule, ganz in der Nähe der Audatec-Anlage und soll dort erst einmal repariert werden. Die ersten Arbeiten bestanden in der Reinigung des Gerätes und der Entfernung von Flugrost.


Die ausgeklappte Typenwalze

Nahaufnahme der Typenwalze

Das Hammermagazin (unten)

Papierlauf und Papiertraktor. Vorn das Farbtuch.

Seitenansicht mit den Steuerplatinen

Das Papierführungsgitter

Mit neuem Stromkabel versehen und unter Vorschaltung einer Strombegrenzung wagten wir dann den ersten Einschaltversuch. Die Stahlwalze drehte auch kurz an, doch jeweils nach 10 Sekunden ging das Gerät wieder aus.


Das Innenleben des Druckers

Reinigungsarbeiten

Irgendwie tat der Drucker nichts rechtes und so mussten wir uns wohl oder übel in den (zum Glück vorhandenen) Schaltplan einarbeiten. Das Steuerwerk des Druckers ist weitgehend aus Standard-TTL-Schaltkreisen aufgebaut, somit sollte ein Bauteiltausch eigentlich kein Problem sein. Mit forschreitendem Messen fanden wir immer mehr Dinge, die nicht funktionierten: eine defekte Lichtschranke im Farbtuchservo, einen defekten Widerstand im Farbtuchantrieb, auf der Prozessorplatine jede Menge defekte Schaltkreise (besonders Monoflops und Flipflops, aber auch einfache NAND-Gatter und Negatoren (Meist ungarischer oder westlicher Herkunft).
Das Abschalten nach 10 Sekunden lag an zwei defekten IC's in der Drehzahlüberwachung der Walze. Diese signalisierten, dass die Walze (vielleicht aufgrund festgefressener Lager) zu langsam laufe und schalteten sicherheitshalber den Strom ab.
Da sich das schrittweise Verfolgen der Signale als nicht hinreichend erfolgreich erwies, kam erst mal die Brut-Force-Methode zum Einsatz: Sämtliche Pegel sämtlicher Schaltkreise prüfen und schauen, ob es rechtens ist, wenn so ein Pegel im verbotenen Bereich liegt. Und nicht immer war es rechtens...


Messungen am Prozessor

92 Schaltkreise sind auf der Prozessorplatte

Das Netzteil des Druckers ist beeindruckend: 75V bei 150A stehen für die Endstufen bereit. Eventuelle Kurzschlüsse bei dieser Leistung hätten fatale Folgen und Erzwingen ein wohldurchdachtes Arbeiten.

So wurde der Drucker schrittweise funktionsfähig: das Farbtuch wird jetzt wieder angetrieben und seine Lage korrigiert sich automatisch, die Bereit-Anzeige leuchtet mittlerweile, die Online/Offline-Umschaltung reagiert, das Papier lässt sich per FF/LF-Tasten bewegen. Und -hurra- irgendwann ratterten die ersten Hämmer los.


Zwischenerfolg: Das Bedienteil arbeitet wieder

VT27000 mit angekoppelter Messtechnik

Doch bevor wir erstmalig sehen können, ob der Ausdruck das enthält, was er soll, kam erst einmal ein echt kniffliges Problem: eine nicht unerhebliche Anzahl der Hämmer ist verklemmt. Leider war dies nicht auf Rost oder Schmutz zurückzuführen, sondern darauf, dass sich die Klebung der zwischen den Hämmern befindlichen Magneten gelöst hatte und die Magneten nun an den Hämmern haften und sie damit verklemmen. Eine zufriedenstellende Lösung dieses Problems ist bislang noch nicht gefunden; wir verfolgen mehrere Lösungsansätze.


Magnetmagazin. Die abgelösten Magneten biegen sich durch
die Magnetkraft nach vorn. Unten die ausgebauten Hämmer.

Auf der oberen Schiene sollten die Magneten
festgeklebt sein. Darunter die Anschraubleiste der Hämmer.

Derweil gingen auch die äußerlichen Verbesserungen voran: das vormals von Flugrost befallene Papierführungsgitter strahlt wieder im (fast) neuen Glanz, ebenso der Papiertraktor. Und auch das Druckergehäuse sieht inzwischen wieder recht passabel aus.


Papierleitgitter vor der Restauration...

...und danach

Um das Gerät mit 1 Person im Raum verschiebbar zu machen, blieb uns auch bei diesem Gerät nichts anderes übrig, als ein passendes Rollbrett zu bauen und den Drucker dauerhaft darauf zu stellen..


Ohne MOOS nichts los - das Problem mit der K1630-Software

Leider haben wir im Thierbach keinerlei Software mehr für die Anlage gefunden (Vermutlich waren Magnet- und Lochbänder als leicht entfernbare Objekte vom Kraftwerks-Abrissteam längst in den Müll geworfen worden). Da die Festplatten nicht funktionieren und wir kein Betriebssystem auf Lochband oder Magnetband besitzen, können wir also die Anlage nicht booten.

Einen erster Lichtblick ist eine noch in der UNI Magdeburg existierende Datei mit einem Festplattenabzug des Betriebssystem OMOS. Leider ist die Datei in diesem Zustand nicht bootfähig, aber eventuell gelingt es uns, das Image in einen bootfähigen Datenstrom umzuwandeln und auf Lochband oder Magnetband zu schreiben.
Magnetbänder wären leichter zu handhaben und schneller zu laden, aber uns fehlt immer noch die technische Möglichkeit, Dateien vom PC auf Magnetbänder zu schreiben. Dazu müsste erst einmal eine entsprechende Ansteuerelektronik konstruiert werden. Mit Lochbändern wäre die Sache leichter, da es in der Fangemeinde zumindest noch funktionsfähige Rechner-Stanzer-Kombinationen gibt.


Mittlerweile können wir Befehle des Bootmonitors eintippen

Ein weiteres Puzzlestück ergab sich im Sommer 2009: In den Technischen Sammlungen Dresden fand sich ein K1600-Urladerlochband. Dieses (nicht einmal 1m lange) Lochband ist die Voraussetzung, um Betriebssysteme von Lochband laden zu können. Entsprechende Urlader sind auch für die anderen Laufwerksarten notwendig, da scheinen aber keine mehr zu existieren. Zu wissen, dass es ein Lochband gibt und es zu duplizieren sind zwei weit entfernte Dinge. Denn so einfach gibt ein Museum seine Objekte nicht heraus. Ein Museumsmitarbeiter hat es dann aber doch geschafft, das Band vorort dupliziert (Nicht per Computer, sondern per Hand Loch für Loch), woraufhin wir diese Mutterkopie dann maschinell weiter vervielfältigten.


Klein, aber wertvoll: das K1600-Urladerband

Unspektakulär: Laden des K1600-Urladers

Auch wenn wir noch kein Betriebssystem besitzen, konnte der Urlader uns einen ganz wertvollen Dienst erweisen: Der Nachweis der Funktionsfähigkeit des Prozessors, des Lochbandcontrollers und auch des Lochbandgerätes. Dabei ist diese Sache recht unspektakulär: Nach Drucken der entsprechenden Taste zieht der Leser das Lochband ein und der Rechner meldet sich wenige Sekunden später wieder auf einer anderen Adresse. Da diese Adresse mit der im Buch angegebenen übereinstimmt, sind wir mit der Reparatur ein gutes Stück voran gekommen.

Im Jahr 2010 bekamen wir ein Lochband mit der Aufschrift "K1630 PSU" (Prüf-Systemunterlagen=Diagnosesoftware). Der Versuch, dieses Lochband nach dem Urladerlochband zu laden, misslingt allerdings: der Leser bleibt mitten im Lochband stehen und der Rechner geht ins Monitorprogramm zurück. Ob unser Rechner diesbezüglich einen Defekt hat oder ob wir das Lochband nur falsch benutzen, ist bislang unklar. Da der Fehler mit beiden Lochbandlesern auftritt, können wir den zumindest als Fehlerursache nahezu ausschließen. Als wir das Lochband an einem anderen Rechner ausgelesen hatten, kam die Ernüchterung: Es handelt sich um die Prüfsoftware des Druckers SD1157 am K1630-Rechner, nicht um die Diagnosesoftware des Rechners selbst.

Es ist wie verhext: Auch mit der vielen Software aus Meuselwitz sind wir noch nicht in der Lage, den Rechner zu starten: entweder fehlt das Laufwerk oder der Controller oder die Datenträger sind nicht bootfähig.

Eine neue Strategie, unseren Rechner wieder zum Leben zu erwecken, wäre, an einem PDP11-Rechner eine westliche Festplatte (SMD-Interface) mit dem Inhalt einer Wechselplatte oder eines der Sicherungsbänder zu schreiben und diese Festplatte anschließend in unseren Rechner einzubauen. Aber noch haben wir keinen Besitzer einer solchem PDP11 gefunden...


Software-Bergung in Meuselwitz

Im Sommer 2009 gab es eine sehr erfreuliche Nachricht: auf dem Gelände des ehemaligen VEB Hochfrequenztechnik Meuselwitz hatten größere Mengen Datenträger von deren ehemaliger K1630-Anlage überlebt. Vom Rechner und vom Rechenzentrum selbst war nichts mehr übrig. Die Software befand in einem Schuppen mit offenen Fenstern und bestand aus Wechselplatten, Magnetbändern, Disketten und einigen Lochbändern. Alles war nach 15 Jahren Lagerung fürchterlich schmutzig, daher war eine erste Vorort-Reinigung unumgänglich.


In diesem Chaos befand sich die K1630-Software

Die herausgeräumten und bereits gesäuberten Datenträger

Verdrecktes Magnetband...

...und eine Wechselplatte in ähnlichem Zustand

Abtransport der geborgenden Schätze

Die Magnetbänder sind in einem sehr schlechten Zustand: da sie in der Vergangenheit immer wieder feucht geworden sind: die Bandwickel kleben zusammen und die Magnetschicht reißt beim Abwickeln ab. Hier hoffen wir, irgendwann eine Technologie zu entwickeln, mit der wir die Bänder schadlos abwickeln und auslesen können. Ob das überhaupt möglich ist, steht noch in den Sternen.


Das durchleuchtete Magnetband offenbart die abgelöste Schicht

Auf den wenigen Lochbändern befindet sich leider kein Betriebssystem.
Die Disketten scheinen in besseren Zustand zu sein als die Lochbänder. Da unser A6402-Rechner aber kein Diskettenlaufwerk besitzt, helfen uns die Disketten vorerst nicht weiter.

Ähnlich sieht es mit den Wechselplatten aus: Wir besitzen zwar ein CM5400-Laufwerk, aber keinen passenden Controller. Ob die Daten auf den Wechselplatten noch lesbar und ob die Platten überhaupt bootfähig sind, ist noch unbekannt. Eine Chance wäre, die Wechselplatten zu jemand, der eine einsatzbereite PDP11-Anlage mit passendem Laufwerk hat, zu bringen und dort zumindest eine Datensicherung anzufertigen.


Wechselplatten nach der finalen Reinigung



Literatur

Auf verschiedenen Quellen haben wir in der Zwischenzeit eine Menge Bücher zu dem Rechner zusammengetragen. Es sind im wesentlichen Beschreibungen zur Hardware und zur Software. Schaltpläne sind leider nicht dabei. Um allen Mitwirkenden Zugriff auf die Bücher zu ermöglichen, haben wir einen Teil davon mittlerweile eingescannt und in elektronischer Form verbreitet.


Unsere K1630-Bibliothek



Tische

Aus Tierbach haben wir einen Robotron-Konsoletisch (ein auf die Belange der EDV zugeschnittener Spezialtisch) mitgenommen, ein weiterer kam aus anderer Quelle hinzu. Aus Platzgründen müssen die Tische vorerst zerlegt eingelagert bleiben.


Zerlegte Konsoletische

Sollten wir mal bessere Platzverhältnisse haben, kommen das Bedienterminal sowie ein SD1157-Drucker da drauf.


Technischer Zustand und Reparatur der Audatec-Anlage

Für eine museumsgerechte Aufstellung der AUDATEC-Rechner fehlt derzeit der Platz, sie hatten wir sie vorerst in einem Keller der Hochschule Merseburg eingelagert und nun auch dort getrennt vom A6402 stückweise aufgebaut.


Aufnahme von 2005: Hier freunden sich
IBE und FDE gerade mit einem A5120 an.

Eingelagerte AUDATEC-Komponenten im Jahr 2005


Von allen Geräten haben wir umgehend die EPROMs ausgelesen. Mit Ausnahme der in der DSS und eines Bedienpultes war deren Inhalt auch noch korrekt. Die Firmware des Bedienpultes können wir vom anderen Bedienpult replizieren. Und auch bei der DSS-Firmware fand sich eine Lösung.

Zwei Jahre später sind die meisten Geräte repariert und die Beistellgeräte bilden nun eine technisch hochinteressante Wand.


Verkabelt und funktionsfähig: Die Beistellgeräte Mitte 2009

Licht aus, Strom an: Beide IBE in Aktion



Stromzufuhr

Bei der Audatec hatten wir wesentlich weniger Probleme mit der Stromversorgung als beim A6402. Alle Audatec-Komponenten werden aus 230V Einphasenstrom gespeist; jeder Rechner hat seine eigene Stromversorgung. Weder gibt es unzulässig hohe Einschaltstromstöße noch zu hohe Erdströme. So beschränkten sich die Wiederherstellung der Stromspeisung auf die Beschaffung eines großen Netzverteilers und die Beschaffung und den Einbau von Netzkabeln mit Schukosteckern (original wurden die Audatec-Komponenten mit Festverkabelung betrieben).


Die Steckdosenleiste für nur einen Teil der Geräte

Gedanken müssen wir uns noch über einen Ersatz der NiCd-Knopfzellen auf den RAM-Karten machen. Die originalen Akkus sind alle tot, gleichartige Akkus nicht beschaffbar. Es wird also auf einen zentralen Akku herauslaufen, der über über noch zu bauende Kabel die RAM-Stützung der einzelnen Geräte vornimmt.

Ein ziemlich verbreiteter Fehler in den Audatec-Geräten waren defekte Glüh- und Glimmlampen in den Netztastern. Während sich die Glimmlampen durch Ionisieren teilweise wieder gangbar machen ließen, mussten die Glühlämpchen durch schwer beschaffbare baugleiche ersetzt werden.


Farbbildschirme

Für die beiden Bedienpulte, den STRAP sowie die IBE fehlten leider die Farbbildschirme K7226. Zwischenzeitlich haben wir vier baugleiche Farbbildschirme bekommen, die allerdings in schlechtem Zustand und auch defekt waren.


Audatec-Bildschirm in der Reparatur

Audatec-Bildschirm in der Reparatur

Dieser Audatec-Bildschirm funktioniert schon wieder.

Mittlerweile sind alle repariert und gereinigt.


Schwarz-Weiß-Bildschirm

Um mal zu schauen, welche Ausgaben die Koppelrechner machen und außerdem der kleinen IBE auch einen Bildschirm zu spendieren, hatten wir einen K7221 im schicken orangen Gehäuse beschafft. Er war ursprünglich mal an einem Ursadat5000-Rechner eingesetzt, was wir an den Einbrennspuren der Bildröhre noch erkennen konnten.


Der neue K7221-Bildschirm

Rückseite des Geräts mit der Spezialbuchse

In die Rückwand des Bildschirms war eine Spezialbuchse eingelassen, die sowohl die Betriebsspannung als auch die Bildsignale übertrug. Um diese Buchse weiter nutzen zu können, mussten wir erst einmal den passenden Spezialstecker beschaffen, ein Bauteil, das eigentlich in der Profi-Tontechnik eingesetzt wurde. Den gab's leider nur zu unerschwinglichem Preis zu kaufen, irgendwann bekamen wir einen solchen Stecker von einem Hobbykollegen geschenkt und damit konnte der Bildschirm im Sommer 2009 in Betrieb gehen. Die Freude währte zunächst nur kurz, denn aufgrund einer vom Hersteller falsch beschalteten Buchse in der kleinen IBE gab der Bildschirm binnen Sekunden den Geist auf. Ein defekter Transistor war die Folge der Betriebsspannungsverpolung. Seit August 2009 ist der Bildschirm wieder repariert und im Einsatz.


Inbetriebnahmeeinheit IBE (große Ausführung)

Mit dem Verfügbarwerden eines Farbbildschirms konnten wir uns der IBE als dem ersten Rechner zuwenden. Als autonom arbeitende Audatec-Komponente war für uns deren Überprüfung und Reparatur mangels Fachwissen erst einmal einfacher als die der anderen Komponenten.


Die IBE

Die IBE, bereits neu verkabelt. Rechts oben der EPROM-Sockel.

Zunächst musste das Gerät (wie übrigens alle anderen Komponenten auch) mit einem Netzkabel versehen werden. Erste Einschaltversuche bewirkten erst einmal nur sinnlose Zeichen auf dem Bildschirm. Zum Glück war dieses Problem nur auf Kontaktfehler an den Platinensteckern zurückzuführen und nach Ziehen und Stecken aller K1520-Platinen versuchte nun die IBE, ein Betriebssystem von Diskette zu laden.
Das nächste Problem war, eine passende Tastatur zu finden. Da die originale Tastatur nicht mehr existiert, bedurfte es dem Ausprobieren sämtlicher verfügbarer Tastaturen, bis wir eine K7672 in Verbindung mit einem Y-Kabel als passend nachwiesen.

Und dann war es soweit: Es gelang, mit einer der Disketten das Betriebssystem UDOS auf der IBE zu booten. Nach Ausgabe eines grafischen Titelbildes und Eingabe des Datums geht der Rechner nun entweder zu einer Kommandozeile oder zu einem Menü, bei dem die weiteren Arbeitsschritte per Cursortasten ausgewählt werden können.


Startbildschirm der IBE

Hauptmenü der IBE

Mit der IBE können nun EPROMs überprüft und programmiert und die Kommunikation auf dem Netzwerk protokolliert werden. Somit sollte uns die IBE bei der Inbetriebnahme der anderen Komponenten noch gute Dienste leisten.


Hier ist die IBE dabei, einen EPROM zu brennen...

...und hier bietet sie Dienste zum Abhören des Netzwerks an.



Inbetriebnahmeeinheit IBE (kleine Ausführung)

Die kleine IBE (im tragbaren EGS-Gehäuse, aber trotzdem über 40 kg schwer) war leider in einem sehr schlechten Zustand: Wir hatten das Gerät in Einzelteilen im Müll gefunden. Sämtliche Platinen fehlten und zwei Slotstecker waren durch Vandalismus zerstört, außerdem war das Gehäuse gerissen und verbeult. Die meiste Arbeit machten die zerstörten Slotstecker: das Gerät musste total-zerlegt werden, die kaputten Stecker stückchenweise entfernt, anschließend die neuen Stecker eingelötet werden. An einem der Stecker befanden sich zu unserem Ärger 65 Wickelverbindungen, die natürlich auch erneuert werden mussten.


Die Frontblende der IBE, eben im Schutt gefunden

Zerstörte Platinenslots

Zerlegte IBE. Der Schraubenzieher stützt das Chassis ab.

All diese Wickelverbindungen mussten erneuert werden.

Nach längerem Suchen konnten wir fast alle Platinen nachkaufen und bekamen außerdem auch einige von Hobbykollegen geschenkt. Die EPROMs duplizierten wir von der großen IBE, die auch zum Testen der neuen Platinen herhalten musste. Und so war es Mitte 2009 endlich soweit: wir konnten das Gerät einschalten.


Die Platinen der IBE sind wieder komplett...

...und Verkabelung und Gehäuse sind es auch wieder.

Ein erfolgreiches Booten war uns aber noch nicht vergönnt, da sich noch Fehler in der Bewickelung der Sloteinheit befanden. Aber das war dann nur noch eine Sache der Zeit und bald darauf sahen wir hier erstmals die Startmeldungen von UDOS.

Doch eine versteckte Boshaftigkeit lauerte noch in der IBE, genau gesagt in der Stromversorgung für den Bildschirm: Der Hersteller hatte doch tatsächlich bei diesem Gerät die Polarität der Betriebsspannung vertauscht, was, solange der Falbildschirm seine eigene Stromversorgung benutzt, bis dahin nicht auffiel. Unser Schwarz-Weiß-Bildschirm hingegen mochte das keinesfalls tolerieren und verschaffte dieser Meinung sofort mit dem Durchbrennen seines Transverters Nachdruck. So kurz vor dem Ziel gaben wir aber nicht auf: Die Defekt im Bildschirm lag in einem defekten Transistor, der sich problemlos tauschen ließ. Die Korrektur des Stromsteckers in der IBE war wesentlich aufwendiger, da die Anschlüsse durch andere Teile verdeckt sind. Also noch einmal eine Total-Zerlegung des Rechners. Im August 2009 waren die Arbeiten an der kleinen IBE nun endlich abgeschlossen.


Was die große IBE schon lange kann, kann nun auch die Kleine.

Doch die Freude währte nicht lang: Ende 2009 "verabschiedete" sich die Speicherkarte. Der Rechner bringt beim Einschalten nun eine Fehlermeldung und verweigert das Booten. Einen Schaltplan besitzen wir nicht für die Karte und eine Ersatzkarte auch nicht. Die Reparatur wird schwierig werden. Inzwischen haben wir aus der zweiten FDE eine Speicherkarte in die IBE verpflanzt.


Floppy-Disk-Einheit FDE

Die Aufgabe der FDE ist es, den Netzwerkzugriff der Pulte auf die Diskettenlaufwerke zu arrangieren und dabei die Dateiarbeit zu übernehmen. Auch sie funktionierte nach dem Einschalten zunächst nicht: die LED auf der RAM-Karte blieb aus und der erwartete Zugriff auf die Diskettenlaufwerke erfolgte nicht. Auch hier erwiesen sich Kontaktfehler an den Platinensteckern als Fehlerursache (scheint ein recht häufiger Fehler bei audatec zu sein). Einigemale Platinen ziehen und Neustecken brachte Abhilfe. Eine Diagnosemöglichkeit bietet das Gerät in Form einiger LEDs links vom Diskettenlaufwerk. Deren schrittweises Verlöschen signalisiert den Erfolg der einzelnen Selbstdiagnoseschritte.


FDE-Rechner

FDE-Rechner, Innenansicht.

Nun greift der Rechner beim Einschalten nach einem vorangegangenem langen Selbsttest wechselseitig auf die Laufwerke zu, in der Hoffnung eine CP/M-Bootdiskette zu finden. Die hatten wir damals aber zunächst noch nicht. Die Lösung für dieses Problem ergab sich in einem Besuch im Technikmuseum in Teltow. Dort befinden sich einige Audatec-Disketten, von denen wir freundlicherweise Kopien anfertigen durften. Mit denen bootetet die FDE dann auch, was sie durch Aufleuchten der "Bereit"-Lampe quittierte. Einen Bildschirm zur Ausgabe besitzt die FDE ja nicht.


Erfolgreich gebootete FDE (grüne LED oben rechts).

Die zweite FDE widersetzte sich uns anfangs erfolgreich: laut Anzeige-LEDs bekam der Rechner keinen Strom. Trotzdem schienen alle Netzteilmodule im ausgebauten Zustand zu funktionieren. Nach langem Tüfteln haben wir bemerkt, dass lockere Nieten an den Steckern eines Netzteilmoduls diese seitlich weggebogen wurden und keinen ordentlichen Kontakt gaben. Auch dieses Problem konnte gelöst werden und nun sind beide FDEs funktionsbereit.


Datenbahnsteuerstation DSS

Die DSS ist zur Erhöhung der Ausfallsicherheit intern doppelt aufgebaut, somit sollte theoretisch für alle Baugruppen bei der Reparatur Redundanz da sein. Doch die beste Redundanz nützt nichts wenn, wie in unserem Fall, die ROM-Karte des zweiten Rechners fehlt und auf der gleichen Platine im ersten Rechner ein ROM defekt ist (Datenwiederholung alle 32 Byte, also ein Adressfehler). Nach langem Grübeln, ob der ROM irgendwie reparierbar sei, ergab sich die Lösung ganz einfach: Auf einen K0421-EPROMer gesteckt, wurde der problematische ROM doch noch fehlerfrei gelesen, im Gegensatz zu allen anderen EPROMern. Somit konnten wir den betreffenden ROM einfach neu brennen und hatten damit schon mal 1 kompletten DSS-Rechner.
Eine leere ROM-Karte zu beschaffen und die ROMs vom ersten DSS-Rechner in den zweiten zu duplizieren, schien dann nicht schwer. Jedoch hatte die leere ROM-Karte einen Kurzschluss, der die neu gebrannten ROMs gleich wieder zerstörte. Zum Glück hatten wir noch eine weitere ROM-Karte im Ersatz und mit der lief der Rechner dann an.


Die DSS, provisorisch verkabelt.

Die DSS, endgültige Aufstellung.



Koppeleinheit KE/1

Die KE/1 dient eigentlich zur Anbindung des Rechners A6402 an das Audatec-Netzwerk. Wir haben sie ebenfalls mit einem Stromkabel versehen, auch wenn wir das Gerät noch nicht nutzen können. Beim Einschalten beschwert sich die Überwachungseinheit, dass die RAM-Akkus entladen sind. Was ja auch zutrifft, aber sich sicher kein Problem sein sollte.


Koppeleinheit KE/1

Innenansicht der KE/1, teilweise verkabelt

Was an dieser Stelle zu tun ist, ist noch unbekannt.


Koppeleinheit KE40

Dieses Gerät, das zur Ankopplung von Bürocomputern an das Audatec-Netzwerk dient, zeigt dasselbe Verhalten wie die KE/1: Die Überwachungseinheit meldet, dass die RAM-Akkus leer sind.


Innenansicht der KE40

Leider haben wir noch keinen Wartenrechner, den wir hinter die KEs hängen können. Wir hoffen, mit der IBE einen Wartenrechner simulieren zu können, allerdings ist uns das noch nicht gelungen.

Unser Versuch, der Koppeleinheit mit einem MON2.1-Bildschirm irgendwelche Ausgaben zu entlocken, war nicht von Erfolg gekrönt und so glaubten wir lange, dass der Rechner gar keine Bildschirmausgaben macht. Erst viel später entdeckten wir, dass die Bildschirmansteuerung anscheinend nicht kompatibel mit dem MON2.1 ist, denn am K7222 und K7221 kommen die Bildschirmausgaben korrekt. Bei der Gelegenheit haben wir nun auch erstmals das Betriebssystem EIEX gesehen.


Startbildschirm der Koppelrechner

Die KE40 teilt sich nun mit der KE/1 und der kleinen IBE einen Schwarzweißbildschirm K7221.


Bedienpulte BP

Mit Verfügbarwerden eines Farbbildschirms setzten wir eins der Bedienpulte wieder zusammen. Das Unangenehme bei dieser Geräteart ist, dass die Bedienpulte unhandlich groß und unheimlich schwer sind. Um so ein Gerät zur Seite zu heben, braucht man mindestens zwei Leute.

Nach einiger Bastelei gab das Bedienpult nun auch die ersten Lebenszeichen von sich: Nach jeweils langem Selbsttest kommt eine erfolgversprechende Meldung auf dem Bildschirm.


Unsere Bedienpulte

Rückseite der Bedienpulte und des STRAP

Meldung nach dem Einschalten auf dem Bedienpult

Allerdings reagierte der Rechner vorerst auf keinerlei Tastatureingaben. Über die Ursache haben wir lange gerätselt, die Tastaturen zerlegt und diagnostiziert, die Kabel durchgemessen, die Adapterkarten getauscht. Nichts hatte geholfen. Die Lösung dieses Problems kam eher zufällig: Seitdem die DSS repariert ist und wir die Datenbahn aufgebaut hatten, lassen sich auf dem ersten Pult auch einige Menüs starten. Offenbar ist ein funktionierendes Netzwerk die Voraussetzung für jegliche Pultarbeit. Nun können wir das erste Bedienpult auch zur Diagnose der anderen Rechner verwenden, da diese ihre Fehlermeldungen per Netzwerk an das Pult schicken.


Auflistung der im Netz befindlichen Geräte.

Gerätestatus, in diesem Fall der des Pultes selbst

Dateiarbeit des Pultes mit Zugriff auf die FDE

Betriebsprotokoll-Anzeige des Pultes

Im zweiten Bedienpult war die Bildschirmkarte defekt. Zum Glück hatten wir noch Platinen vorrätig. Trotzdem wollte das zweite Pult nicht funktionieren. Es führte zwar beim Einschalten seinen Selbsttest korrekt aus, ging bis ins Hauptmenü und stoppte dann 1 Sekunde später den Prozessor mit einer nichtssagenden Fehlermeldung wegen undefinierbarer Speicherfehler. Wir haben systematisch alle Baugruppen, selbst Netzteile und die Einschaltsteuerung mit dem anderen Pult getauscht. Trotzdem bliebt der Fehler konstant im zweiten Pult. Wir vermuteten dann einen Fehler in der Rückverdrahtung der Platineneinheit und haben daraufhin alle Bewickelungen mehrfach intensiv untersucht, eine Arbeit, bei der einem die Augen beizeiten weh tun. Trotzdem war nichts verdächtiges zu erkennen.
Die Lösung des Problem kam nach 1/2 Jahr erfolgloser Suche, als wir beide Pulte zerlegt nebeneinandergestellt und sie untereinander vergleichen hatten. Im "defekten" Pult war eine Wickelverbindung mehr drin als im Funktionierenden. Seit wir diese Verbindung gekappt haben, läuft auch das zweite Pult. Vermutlich wurde über diese Verbindung irgendeine externe Hardware, die wir nicht haben/kennen, überwacht.

Die Tastaturen der Pulte können über einen Schlüsselschalter in den Systemmodus (erweiterte Eingabemöglichkeiten) umgeschaltet werden. Wir besaßen keine Originalschlüssel und leider benötigte auch jedes Schloss einen anderen Schlüssel. Wir haben also alle Schlösser demontiert und ein Hobbykollege baute die Schließzylinder passend zu vorhandenen Schlüsseln um. Nun können wir auch alle Schlösser mit demselben Schlüssel bedienen.


Strukturierarbeitsplatz STRAP

Der Strukturierarbeitsplatz diente der Programmierung/Konfigurierung der gesamten Anlage. Auch dieser Rechner war zunächst zu keiner Zusammenarbeit bereit: Beim Einschalten kamen Fehlermeldungen über angeblich defekten ROM, deren Herkunft wir aber nicht lokalisieren konnten. Außerdem verhielt sich die Maschinen bei jedem Einschalten anders.


Strukturierarbeitsplatz STRAP

Unzufrieden mit sich: Fehlermeldung des Strukturierarbeitsplatzes

Nach langem Suchen haben wir als Ursache eine RAM-Karte dingfest gemacht, die sich auf dem Bus einen Datenkampf mit einer ROM-Karte lieferte. Seit die RAM-Karte repariert ist, geht der Rechner korrekt in sein Hauptmenü, wir können ihn also als funktionsfähig bezeichnen.


Hauptmenü des STRAP

Diskettenmenü des STRAP

Auftragsmenü des STRAP

EPROM-Bearbeitung auf dem STRAP

Nutzen können wir ihn allerdings nicht, denn der Rechner benötigt zum Arbeiten spezielle Strukturierdisketten, die wir nicht besitzen und von denen leider bislang kein Exemplar mehr irgendwo lokalisiert werden kann. Ohne diese Software lässt sich mit dem Rechner nichts sinnvolles machen.

Wer besitzt noch Audatec-Strukturiersoftware?

Basiseinheit BSE

Die meisten Sorgen haben wir mit der Basiseinheit. Sie ist eins der wichtigsten Audatec-Bestandteile, stellt sie ja die eigentlich Mess- und Regeleinheit dar. Wir besitzen leider nur Fragmente einer BSE und die sind dazu in schlechtem Zustand: sämtliche Stecker des Schrankes waren abgeschnitten, sämtliche Platinen fehlten. Auch die Schrankverkabelung muss teilweise erneuert werden. Außerdem sah der Schrank ursprünglich inwendig so aus, als hätte er jahrelang im Schlamm gelegen. Es begann also alles mit einer intensiven Reinigung.


Schwerer Anfang: Das Gerippe des BSE-Schrankes

1/2 Jahr später: Nun sieht er schon besser aus

Die Reparatur wird schwieriger als bei allen anderen Geräten, da die Basiseinheiten keinen festen Aufbau haben und damit nicht in den Handbüchern hinreichend dokumentiert sind. Schon den Stromanschluss herauszufinden bei einem Schrank, an dem 20 dicke Drähte heraushängen, war nicht einfach. Nachdem der Schrank ein Netzkabel bekommen hatte, kam die Reparatur der Netzanschlusseinheit NAE sowie der Lüfter dran. In der NAE war ein Anschlussstecker zerbrochen, die Lüfter (3 Bänke á 3 Lüfter) waren schwergängig und lärmten. Der Stecker konnte getauscht werden, den Lüftern geht es seit Zerlegung, Reinigung und Schmierung auch wieder gut.


BSE-Stromeinspeisung

Weiter ging es mit der Diagnose und der Formierung der Netzteilmodule. Da es sich um Standard-STMs von Robotron handelt, konnten wir problemlos Ersatz schaffen. Somit gelingt es mittlerweile, die Stromversorgung des Schrankes in Betrieb zu nehmen. Die stromseitige Selbstdiagnose funktioniert soweit.


Stromversorgung und Rechnereinschub

Aktuelle Situation: Eingeschaltete BSE

Hauptproblem sind die fehlenden Platinen. Stück für Stück versuchen wir, passende Platinen nachzukaufen, doch das wird sich sicher noch Jahre hinziehen. Zumindest im Bereich des K1520-Einschubes haben wir einen Großteil der Platinen zusammen. Mangels Vergleichsobjekt wissen wir weder, ob sie funktionieren, noch wie sie bewickelt werden müssen, noch haben wir die passenden EPROM-Inhalte.

Da unsere BSE aus einer Audatec-1 stammt, die Thierbach-Anlage aber Audatec-2 ist, muss ein Großteil der Verdrahtung (Wickelverbindungen) zwischen Rechnereinheit und Selbstüberwachung nun geändert werden.

Ein weiteres Problem sind die abgeschnittene Datenstecker. Einerseits mussten wir hier teuer neue Stecker kaufen, andererseits sind durch das Abschneiden die Drähte zu kurz. Hier werden wir noch viel Arbeit investieren müssen.


Vierzig neu gekaufte Stecker

Als nächstes stellten wir den Schrank erst einmal auf Räder, um seine Handhabung im Raum zu vereinfachen.


Datenbahn

Die Datenbahn ist das Netzwerk zwischen den Audatec-Rechnern. Sie ist redundant aus zwei Koaxkabeln aufgebaut, in die an bestimmten Stellen EFS-Stecker zum Rechneranschluss eingebracht sind. Da wir das Kabel vorerst nicht verändern wollen und die endgültige Aufstellung der Audatec noch ungeklärt ist, müssen wir versuchen, die Rechner so zu aufzustellen, dass sie geografisch halbwegs der Aufstellung in Thierbach entsprechen.


Einige der per Datenbahn verkabelten Audatec-Rechner

Datenbahn-Kabelpaar an der KE

Es gibt Datenbahnkabel für Nahanschluss und welche für Fernanschluss. Die IBE besitzt nur Netzwerkkarten für Nahanschluss, die anderen Geräte haben Netzwerkkarten für Nah- und Fernanschluss.


Audatec-Software

Die Thierbacher Disketten fehlen leider komplett, somit sind wir bei der Inbetriebnahme auf Fremdsoftware angewiesen. Zum Glück bekamen wir einige Audatec-Disketten aus anderer Quelle, wenn auch in mechanisch schlechtem Zustand. Nach einer aufwendigen Reinigung und Datenrettung haben wir jetzt ein Bootsystem für die IBE sowie die Konfigurationslisten für Bedienpulte und Basiseinheiten, auch wenn diese Listen wegen unpassender Anlagenkonfiguration bislang jede Zusammenarbeit verweigern. Aufgrund unserer geringen Audatec-Softwarekenntnis kommen wir an dieser Stelle auch nur sehr langsam voran.

Die Software der Bedienpulte befindet sich zur Hälfte in EPROMs in den Rechnern, zur Hälfte auf Disketten. Die EPROMs haben wir, die passenden Disketten nicht. Durch einige technische Tricks ist es uns gelungen, die Funktionen der Bedienpulte auch ohne Vorhandensein der Disketten zu aktivieren. Damit kann man zwar nicht produktiv arbeiten, aber wir können nun sehen, was die Anlagenfahrer früher auf ihren Bildschirmen sahen. Und das ist, im Vergleich zu anderen DDR-Computern, schon beeindruckend.


Übersichtsdialog der Thierbach-Anlage

Übersichtsdialog der Thierbach-Anlage

Inzwischen haben wir drei weitere ROM-Sätze, die aus dem Petrolchemischen Kombinat Schwedt, aus BUNA und aus der Erdölverarbeitung Lützgendorf stammen.


Übersichtsdialog der BUNA-Anlage

Übersichtsdialog der BUNA-Anlage

Übersichtsdialog der BUNA-Anlage

Übersichtsdialog der BUNA-Anlage



Übersichtsdialog der Lützgendorf-Anlage

Übersichtsdialog der Lützgendorf-Anlage

Übersichtsdialog der Lützgendorf-Anlage

Übersichtsdialog der Lützgendorf-Anlage




Wer kann uns mit Informationen zu Audatec und A6402 helfen? Weiß jemand näheres über die Arbeit des Rechenzentrums im Kraftwerk Thierbach? Wer hatte dort gearbeitet?
Weiß jemand, ob noch irgendwo andere audatec überlebt haben?
Wir suchen dringend Baugruppen und Kopien von EPROMs.


Außerdem wäre interessant, ob von den verschollenen Teilen des Rechenzentrums (Bildschirme, Terminals, MRES) irgendwo etwas überlebt hat.

Danksagung

Besonderer Dank geht an das Abbau-Team: Weiterhin geht unser Dank an:

Links

Wikipedia: Das alte Kraftwerk Lippendorf
Wikipedia: Das neue Kraftwerk Lippendorf
BIQ Standortentwicklung und Immobilien GmbH
Vattenfall Europe
Deutsches Chemiemuseum Merseburg
FH Merseburg
AVIS Autovermietung
Digital Computer & Elektronik Arbeitsgemeinschaft Halle
Kraftwerk Thierbach - www.scheer-halle.de
Kraftwerk Thierbach - www.ostkohle.de
Alpin Technik Leipzig - Vorbereitung der Sprengungsarbeiten des Schornsteins
Sprengung eines 300 m hohen Schornsteins
Kolkwitzer Bunkerfreunde GS-31 e.V.




Letzte Änderung dieser Seite: 24.11.2011Herkunft: www.robotrontechnik.de