Computer K1840

(Alias K 1840, K-1840, KRS1840)

(nicht zu verwechseln mit dem Rechner daro 1840!)
Dieser Rechner bildete den Einstieg der DDR in die 32-Bit-Rechentechnik und wurde auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1988 vorgestellt. Die Maschine wurde vom Robotron-Elektronik Dresden gebaut, allerdings aufgrund der nahen politischen Wende und dem damit verbundenen Zerfall von Robotron nur in kleinen Stückzahlen verkauft. Die Einsatzgebiete waren vielfältig: Auch im medizinischen Umfeld wurde der Rechner eingesetzt.


Computer K1840, auf einem Werbeblatt

Computer K1840

Arbeit am K1840

Der Rechner wurde in der DDR als Höchstleistung der eigenen Computerentwicklung angepriesen, in Wirklichkeit handelte es sich beim K1840 um einen fast identischen Nachbau des amerikanischen Rechners Digital VAX 11/780. VAX-Rechner standen auf der Embargoliste und durften offiziell nicht in die DDR exportiert werden. Ob es der DDR gelang, an Entwicklungsunterlagen der VAX heranzukommen oder ob die Unterlagen aus illegal beschafften VAX-Rechnern rückentwickelt wurden, ließ sich bislang nicht klären.


Hardware

Der Prozessor des Rechners war nicht, wie bei einem Mikrorechner, auf 1 Chip untergebracht, sondern war auf 4 Platinen mit einer Vielzahl von Chips aufgeteilt. Um die Geschwindigkeit des Prozessors (ca. 1 Mio Operationen pro Sekunde) zu steigern, wurden Cache-Mechanismen eingesetzt. Die Busgeschwindigkeit von 13 MByte/s sorgte dabei für einen schnellen Datenaustausch innerhalb des Rechners.

Das Rechnersystem bestand aus mehreren Schränken: Im linken (doppeltbreiten) Schrank befand sich der Prozessor mit Arbeitsspeicher und Controllern (es gab MBA-Controller für Plattensysteme mit hohem Datendurchsatz und SBA-Controller zur Abbildung des langsameren SKR-Interfaces, an das z.B. Magnetbandcontroller angeschlossen werden konnten. Von Haus aus verfügte der Rechner über Anschlussmöglichkeiten von bis zu 16 Terminals wahlweise über IFSS- oder V.24-Schnittstellen. Diese waren auf der Schrankrückseite im Sockelbereich angeordnet.

Die Rechnerplatinen steckten vertikal in einem Modulträger im oberen Teil des Schrankes. Der eigentliche "Rechnerkern" CPU K2810 bestand aus 20 Platinen. Darunter befand sich eine Zeile Netzteile, Lüfterbaugruppen, links die Stromversorgungsüberwachung und rechts der sogenannte "Inbetriebnahmerechner" auf Basis eines K1620-Rechners.

Der Gerätekomplex wurde vervollständigt durch weitere Schränke im 19"-Rastermaß, in denen der Controller für Magnetbandgeräte, ½-Zoll-Magnetbandlaufwerke sowie Festplatten saßen. Hierbei kam der bereits bei den K1600-Rechnern benutzte Festplattenspeicher K5502, der Wechselplattenspeicher CM5416 sowie der Magnetbandspeicher CM5306 (angeschlossen an einen Controller ISOT 5006) sowie auch kompatible westliche Geräte zum Einsatz.

Der Hauptspeicher variierte in der Größe von 8 - 16 MByte. Der K1840 wurde ausschließlich im Multiprozess-Betrieb und Multiuser-Betrieb eingesetzt. Jedem Prozess wurde dazu ein festgelegter Speicherraum zugewiesen. Der 32-Bit-Prozessor ermöglichte es, einen Adressraum von 2^32 Bytes (also 4 GByte) zu adressieren. Da eine derartige Speicherkapazität in den 1980er Jahren nicht vollständig mit physischem Speicher untersetzt werden konnte, bezeichnete man ihn als virtuellen Speicher bzw. virtuellen Adressraum. Der gesamte virtuelle Adressraum wurde in zwei Hälften geteilt: 2 GByte für das Betriebssystem und 2 GByte für die Prozesse (Anwendungsprogramme, ...). Die Speicherverwaltungseinheit übernahm die Transformation von virtuellen Adressen in physische Adressen und sorgte dafür, dass den virtuellen Prozessadressen für die Prozessabarbeitung physische Speicheradressen zugeordnet wurden. Zu diesem Zweck wurde der virtuelle und physische Speicher in Seiten eingeteilt, die jeweils 512 Byte fortlaufenden Speicher darstellten. Jeder virtuellen Speicherseite wurde eine physische Speicherseite zugeordnet. Da der physische Hauptspeicher beim K1840 max. 16 MByte groß war, wurden Seiten bei größerem Speicherbedarf nach einem speziellen Algorithmus auf einen externen Speicher (Plattenspeicher) ausgelagert (swappen) und freigewordener physischer Speicher mit für die Abarbeitung benötigten anderen virtuellen Seiten belegt.


Netzwerkfähigkeit

Für den K1840 gab es eine Netzwerkkarte zur Nutzung von ROLANET1 sowie sie entsprechende Netzwerksoftware. Außerdem wurden für die Datenübertragung die GDN K8172-Geräte sowie das Modem VM2400 genutzt.


Zubehör

Als grafische Terminals (bis zu 4 Stück pro Rechner anschließbar) wurden das K8918 und das K8919, für reine Textarbeit auch das K8911.80 (bis zu 16 Stück pro Rechner anschließbar) eingesetzt.
Für die grafische Ausgabe auf Papier konnte der Plotter K6411 benutzt werden, der in Verbindung mit einem CAD-Programm (z.B. GBS1800) präzise Ausdrucke bis zur Größe DIN A2 ermöglichte.


CAD-Station K1840, rechts ein K8918-Terminal


Software

Für den K1840 gab es zwei Betriebssysteme: Der K1840 war rückwärtskompatibel zu den K1600-Rechnern, konnte also auch deren Programme ausführen. Er war softwareseitig kompatibel mit den VAX-Rechnern der Firma "Digital", konnte also auch mit westlicher Software arbeiten.


Ähnliche Rechner

Parallel zum K1840 gab es einen weiteren 32-Bit-Computer namens K1820, der softwareseitig mit dem K1840 kompatibel war, allerdings andere Hardware benutzte und wesentlich kleiner war.
Noch zwei weitere Rechnersysteme, K1845 und K1850, wurden entwickelt, jedoch kamen diese Rechner nicht mehr über das Entwurfsstadium heraus.


Verbreitung

Vom K1840 sind heute nur noch vier Exemplare bekannt, leider alle nicht mehr in funktionsfähigem Zustand. Eins befindet sich in den Technischen Sammlungen Dresden, eins im Zuse-Museum im Hoyerswerda, eins im Rechenwerk Computermuseum Halle und einer in einem Computermuseum in den USA.


Letzte Änderung dieser Seite: 19.09.2015Herkunft: www.robotrontechnik.de