Sonstige Ein- und Ausgabegeräte

Für die Eingabe von Koordinaten wurden verschiedene Geräte benutzt:
Digitalisiergeräte bzw. Grafiktabletts ermöglichten das "Abtasten" von Zeichnungen.
Maus bzw. Trackball ermöglichte die Steuerung eines grafischen Cursors auf dem Bildschirm.
Lichtstifte ermöglichten an entsprechenden Terminals die tastaturlose Auswahl von Softwaremenüs.


Trackball K7767

(Alias K 7767, K-7767)

Der Robotron Trackball - im Robotron-Sprachgebrauch RKE (RollKugelEinheit) - war ein Gerät der Ausmaße 170x200x60mm (BxHxT). Hersteller war der VEB Robotron-Elektronik Radeberg. Der Einsatz dieses Gerätes lag im Bereich Bildverarbeitung, konkret beim FEAG (Film-Ein-/Ausgabe-Gerät), amtliche Bezeichnung Bildverarbeitungssystem BVS robotron A 6471, wo es als Auftischgerät arbeitete. Außerdem gab es einen Anwendung am System DOPSY.


Trackball K7767

K7767, innen

K7767, innen

Die Bewegung der per Finger gedrehten, faustgroßen Kugel wurde wie bei einer auf den Rücken gelegten Maus durch zwei Lichtschranken erfasst und über eine Elektronik an den Rechner übertragen. In dem Gerät arbeitete eine Platine mit der Sondernummer 031-5820. Die anliegende Spannung beträgt 5V, max 2 VA. Die Kopplung mit dem Rechner erfolgte über einen 10-poligen EFS-Stecker.

Das K7767 gab es in 2 Varianten: Derzeit sind nur zwei Exemplare K7767.20 bekannt, eins davon trägt die Seriennummer 153. Wie viele dieser Geräte hergestellt wurden, ist unklar. Das K7767.10 gilt hingegen heute als ausgestorben.


Computermaus

In wenigen Fällen gab es auch die Verwendung von Computermäusen an Robotron-Rechnern. Versuche in dieser Richtung wurden im Buchungsmaschinenwerk Karl-Marx-Stadt gemacht. Das damals übliche Verfahren war eine sich bei Bewegung drehende Kugel, die über zwei um 90° versetzte Drehgeber (Lichtschranken) abgetastet wurden und ihre Informationen über eine Schnittstelle an den Rechner schickten, über die sie auch mit Strom versorgt wurde.


In der DDR produzierte Computermaus (Prototyp)

Für die Computer EC1834.01 und EC1835 wurde eine Maus entwickelt mit Namen K6408. Ob diese DDR-Mäuse über das Entwicklungsstadium hinaus gekommen waren, ist fraglich. Da die meisten Programme in den 1980er Jahren keine Maus unterstützten, war der Bedarf an Computermäusen auch nicht hoch.

Für den Computer A7150 wurde immerhin in der DDR ein Treiber für importierte Genius-Mäuse entwickelt:


Computermaus der Fa. Genius

Maustreiber auf dem Computer A7150

Grundsätzlich war der Einsatz vom Computermäusen in der DDR sehr selten. Eher wurde stattdessen auf Grafiktabletts oder Rollkugelgeräte zurückgegriffen.

Lichtstift EC7927

(Alias EC 7927, EC-7927, ES7927, ES 7927, ES-7927, Lichtgriffel, Lightpen)

Dieser Lichtstift wurde vermutlich nur an Terminals für Großrechner verwendet.
Durch Antippen des Bildschirms mit der druckempfindlichen Stiftspitze öffneten sich Softwaremenüs.


Lichtstift Robotron EC7927

Innenansicht des EC7927

Arbeit mit dem Lichtstift

Technisch funktionierte er so, dass die Zeit des Bildschirm-Lichtstrahls von der linken oberen Ecke bis zur Position des Lichtstiftes gemessen und daraus die Position des Stiftes berechnet wurde. Die betreffenden Felder auf dem Bildschirm erhielten softwareseitig durch ein "Lichtstift-Attribut" eine besondere Helligkeitsstufe und wurden dadurch erst antippbar.
Die Ansteuerung des Lichtstiftes erfolgte über eine spezielle Controllerkarte im Terminal. Da die Arbeit mit dem Stift an dem senkrechten Bildschirm recht ermüdend war, wurde dieses Verfahren bald wieder verworfen.

Derzeit sind nur noch 3 Exemplare des EC7927 bekannt.


Lichtstift LS5366

(Alias LS 5366, LS-5366)

Außer von Robotron wurden auch Lichtstifte vom Kernforschungszentrum in Rossendorf produziert. Ihr genauer Einsatzzweck ist noch unbekannt. Im Gegensatz zu den Robotron-Lichtstiften hatten die Rossendorfer Modelle einen seitlichen Taster zur Auslösung der Menüfunktion.


Lichtstift LS5366

Innenansicht des LS5366

Derzeit ist nur 1 Exemplar des LS5366 bekannt.


Scanner

Nach einer Veröffentlichung in der Zeitschrift "Funkamateur" unter der Überschrift "Der Drucker lernt sehen" konnte man einen Nadeldrucker K6313 in einem Schwarz-Weiß-Scanner umrüsten.
Dazu wurde die Farbbandkassette entfernt und durch eine entsprechende Elektronikkassette ersetzt.
Dann musste lediglich noch ein Endschalter am Druckkopf angebracht werden und schon war der hardwareseitige Umbau fertig.
Eine Nutzung des Druckwerks als herkömmlichen Drucker war nach wenigen Handgriffen auch weiterhin möglich.


Zum Scanner umgerüsteter Drucker K6313

Die Elektronikkassette des Scanners.
Oben rechts die Lichtschranke.

Innenansicht des Scanners


Der Scanner arbeitete einfach mit einer Lichtschranke, die mit dem Druckkopf bewegt wurde und so jeweils 1 Zeile abtastete. Am Ende der Zeile wurde das Papier um einen Mikroschritt vorwärts bewegt. Dieses Verfahren dauert zwar recht lange, ermöglichte aber damals erstmalig, im Heimcomputerbereich Bilder in den Rechner zu bringen.

Die vier gelben Leuchtdioden bildeten eine quasianaloge Anzeige der Lesehelligkeit und ermöglichten, per Einstellwiderstand den Scanner auf die Papierhelligkeit einzustellen.

Die Ansteuerung des Druckwerks erfolgte nach wie vor über die V.24-Schnittstelle, die mit dem V.24-Modul M003 des Computers KC85 gekoppelt wurde.
Die Übernahme der Scannerdaten erfolgte über die parallele Schnittstelle des EA-Moduls M001.
Die notwendige Software (eine Assembler-Routine und ein BASIC-Programm) konnten per ROM-Modul geladen werden.
Über den Einsatz von Scannern im professionellen Einsatz in der DDR ist leider nichts bekannt.


Joystick

Für die Kleincomputer KC85/1 und KC87 wurden von Robotron Spielhebel gefertigt.
Inwendig waren sie mit mechanischen Schaltern bestückt, die dieselbe Funktion ausübten, wie beim Drücken einer Taste auf der Tastatur.


Joystick für Kleincomputer

Außerdem gab es verschiedene abenteuerliche Eigenbauten auf diesem Gebiet, wobei die Variante mit der Seifendose und dem Fahrradlenkergriff sicher die originellste war.


Klarschriftleser

(Alias K 6710, K-6710, K 6712, K-6712, OCR)

Mit Hilfe dieses Geräts war es möglich, gedruckten Text zu digitalisieren. Im Gegensatz zu Scannern wurde der Klarschriftleser benutzt, um einzelne Worte oder Zahlen zu lesen, beispielsweise eine Artikelnummer oder einen Preis.
Da die Texterkennung damals noch nicht weit entwickelt war, konnten nur bestimmte Schriftarten (OCR-B1, Ziffern und 6 Sonderzeichen) erkannt werden.


Klarschrift-Handleser

Klarschrift-Handleser K7610

Klarschrift-Handleser K7610, innen

Der Klarschriftleser bestand aus dem Abtaster K6710 und dem Grundgerät K6712. Letzteres wurde über eine IFSS-Schnittstelle mit einem beliebigen Rechner (favorisiert wurden A5120 und A5130) verbunden. Der Abtaster (bestückt mit einer CCD-Sensormatrix L216C vom Werk für Fernsehelektronik Berlin) war manuell (maximale Abtastgeschwindigkeit 36 cm/s) über die zu lesende Schriftzeile zu führen und wurde in zwei Varianten entwickelt: Die Erkennungseinheit beinhaltete einen Mikrorechner K1520 (1 KByte RAM, 6 KByte ROM) sowie Schnittstellenkarten Richtung K6710 und Richtung Leitrechner.

Die Entwicklung dieser Geräte ging in der DDR von den Secura-Werken sowie vom Büromaschinenwerk Sömmerda aus.
In den Handel scheinen diese Geräte aber aus unbekanntem Grund nie gekommen zu sein, ebenso wie ihr Vorgängerprojekt A5210.

Von den damals ca. 60 hergestellten Musterexemplaren hat vermutlich nur 1 Abtaster bis heute überlebt.


Spracheingabegerät K7820

(Alias K 7820, K-7820, Spracherkennung, Spracherkenner, SEG)

Diese Anlage wurde zur akustischen Eingabe von bis zu 50 Einzelwörtern (Kommandos) mittels einer Sprechgarnitur verwendet. Sie basierte auf dem Mikrorechnersystem K1520 und bestand aus zwei Teilen: dem ESE K7823 und der Bedieneinheit BDE K7822. Das zugehörige Magnetkassettenlaufwerk wurde vom VEB Elektronik Gera produziert.


Außenansicht der Geräte K7823 und K7822

ESE K7823, geöffnet

Arbeit mit K7823 und K7822

Rechnerplatine des K7823

BDE K7822, geöffnet

Dem K7820 schrieb man eine Erkennungsrate von 95% zu, das Gerät musste dazu auf den jeweiligen Sprecher eingestellt (angelernt) werden.

Das System K7820 diente als Vorlage für das Spracheingabemodul für Dresdner Kleincomputer.
Ein Gegenstück zur Spracheingabe wurde auch entwickelt: das Sprachausgabegerät K7803.

Vom K7820 hat bis heute wahrscheinlich nur 1 Exemplar der ESE überlebt. Es befindet sich im Rechenwerk Halle.


Spracheingabegerät K7824

(Alias K 7824, K-7824)

Das K7824 wurde im Zusammenspiel mit bestimmten Versionen des Digitalisiergeräts K6404 benutzt, um Kommandos an das Digitalisiergerät zu übergeben. Damit ersparte man sich vermutlich das Anklicken von Menüfeldern auf dem Zeichenbrett.

Das K7824 bestand aus einer K150-Leiterplatte (051-2741) zum Einbau in einen Wirtsrechner. Die Bedienung erfolgte durch eine Sprechgarnitur (Headset).

Augenscheinlich hat kein K7824 bis heute überlebt.


Sprachausgabegerät K7802

(Alias K 7802, K-7802)

Dieses Gerät existierte in mehreren Varianten: Das K7802 gilt heute in allen Varianten als ausgestorben.


Sprachausgabegerät K7803

(Alias K 7803, K-7803)

Dieses Gerät wurde 1983 von Robotron vorgestellt und zusammen mit dem K7823 im akustischen EA-System SEA1600 verwendet, das zum Ankoppeln an K1520-Rechner und K1600-Rechner vorgesehen war.


Sprachsynthesegerät K7803

Das Gerät war hauptsächlich für automatische Ansagen (z.B. bei Rufnummernänderungen) im Telefonumfeld konzipiert, konnte aber auch an Computern benutzt werden, um die Augen des Bedieners vom Bildschirm zu lösen, der sich dann auf eine andere Arbeit, beispielsweise die Koordinatenerfassung am einem Digitalisiergerät, konzentrieren konnte.

Für das Vorlesen von Computertexten war das Gerät nicht leistungsfähig genug, aber für die Ausgabe einer begrenzten Anzahl von Meldungen des Computer reichte es. Während in der westlichen Welt für diesen Anwendungszweck Spezialschaltkreise entwickelt wurden, arbeiteten die DDR-Sprachsynthesegeräte mit herkömmlichen Schaltkreisen.

Das K7803 gilt heute als ausgestorben.




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