Exportgeräte

Einige Geräte wurden von Robotron unter anderem Namen produziert oder exportiert. Dies betraf hauptsächlich Exporte in das westliche Ausland, wo man der Marke Robotron offenbar schlechte Absatzchancen einräumte. Außerdem versuchten die nach dem Zusammenbruch der DDR aus dem Kombinat Robotron neu gegründeten Nachfolgebetriebe die Technologien und das Know how von Robotron nachzunutzen, was aber aufgrund der sich verändernden Marktsituation meist nur unbefriedigend gelang.


Drucker Präsident

Unter diesen Namen wurden einige im Büromaschinenwerk Sömmerda hergestellten Drucker der K631x-Serie von der Firma Horst Grubert GmbH & Co KG in der Bundesrepublik vertrieben. Ab 1984 hatte die Firma Grubert die Exklusivrechte zum Verkauf von Robotron-Druckern in der BRD.

Abkömmlinge des Druckers K6313 waren Präsident 6313, Präsident 6313c und Präsident 6320. Der Drucker K6319 wurde unter dem Namen Präsident 6325 verkauft.


Drucker "Präsident 6313"

Drucker "Präsident 6313C"

Drucker "Präsident 6320"

Drucker "Präsident 6325"

Wieso es zu der Verschiebung in der Nummer kam, ist noch nicht geklärt.
Die Stückzahl der exportierten Präsident-Drucker belief sich auf ca. 30.000 pro Jahr.

Die Interfaces der Exportgeräte waren mit Steckern versehen, die westlichen Standards entsprachen: Centronics mit Amphenolstecker und V.24 mit SubD-Stecker. Für den Anschluss an Commodore-C64-Rechner gab es eine spezielle Interfacekassette.

Die Zeichensätze der Drucker erlaubten eine Nutzung an den Rechnern Commodore 64, Commodore Amiga, Computern von Atari und Schneider sowie an normalen PCs.

Der Preis des "Präsident 6320" belief sich auf 399 DM, der für den "Präsident 6325" lag bei 349 DM.


Drucker Samleco DX85, DX86 und DX90

(Alias DX 85, DX-85, DX 86, DX-86, DX 90 DX-90)

Diese Bezeichnungen wurden für Exportversion des im Büromaschinenwerk Sömmerda gebauten K6313 benutzt, die in Großbritannien von der Firma Samleco Ltd unter deren Namen vertrieben wurden. Witzigerweise wurde in Zeitungsanzeigen darauf hin gewiesen, dass die Drucker "British made" seien.


Drucker "Samleco DX85"

Innenansicht des "Samleco DX85"

DX85-Rechnerkarte

Die Interfacekassetten waren eigenartigerweise nicht mit westlichen Steckern bestückt, sondern mit den Robotron-Originalsteckern. Das hier abgebildete Exemplar hatte eine V.24-Schnittstelle.

Der Unterschied zwischen DX85 und DX96 bestand wahrscheinlich darin, dass letzterer eine Software für NLQ (Near Letter Quality) eingebaut hatte, bei der bei doppeltem Druck mit winzigem Versatz ein schöneres Druckbild erreicht wurde. Der DX85 (verkauft wahrscheinlich ab 1985) kostete 200 Pfund, der (vermutlich zwei Jahre jüngere) DX86 kostete 246 Pfund. Preislich unterboten die beiden damit die westliche Konkurrenz.


DX85-Typenschild

Über den Samleco DX90 ist bislang wenig bekannt: auch er basierte auf dem K6313. Vom DX90 gab es eine Variante, die mit "Connex DX-90 communication centre" beschriftet war und unter dem eigentlichen Drucker einen Unterbau mit einer zusätzlichen Elektronikeinheit hatte. Denkbar, dass es sich dabei um einen Datenumsetzer handelte, vielleicht um das Gerät als Fernschreibempfänger zu verwenden. Ob dies alle DX90 betraf oder nur einige, ist unbekannt.


Drucker "DX90"

Rückseite des "DX90"

Vom Samleco DX85 ist heute nur noch die Existenz 1 Exemplars bekannt, DX86 und DX90 gelten als ausgestorben.


Drucker Samleco DX136

(Alias DX 136, DX-136)

Hierbei handelte es sich um den im Büromaschinenwerk Sömmerda gebauten Drucker K6314 in Exportversion für die Firma Samleco Ltd, die das Gerät in Großbritannien zum Preis von 350 Pfund verkaufte. Den Support für den Drucker übernahm die britische Firma Alphatec.


Drucker "Samleco DX136"

Außer dem schnellen Entwurfsdruck hatte der DX136 auch einen NLQ-Modus.

Anscheinend haben keine Exemplare des DX136 bis heute überlebt.


Drucker Silentrix MP108

Auch dieser Drucker ist eine Exportversion des K6313. Er wurde von der Firma Gerb unter deren Namen vertrieben. Da es Schwierigkeiten mit der Qualität der verbauten ICs gab, produzierte GERB später eine eigene Leiterplatte für den Drucker und rüstete damit die aus Sömmerda gelieferten Modelle um. Speicherkassette und Interfacekassette wurden weiterhin von Robotron übernommen. Auf diese Weise wurden ca. 150 Exemplare dieses Druckers verkauft, hauptsächlich im Zusammenspiel mit den GERB Druckerpuffern.


Drucker "Silentrix MP108"

Rückseite des "Silentrix MP108"

Silentrix MP108, geöffnet


Typenschild auf der Rückseite des Druckers.
Wo "W-Germany" draufsteht, ist in Wirklichkeit "GDR" drin

Schriftzug auf der Geräte-Vorderseite

Die Interfacekassetten waren nicht mit westlichen Steckern bestückt, sondern mit den Robotron-Originalsteckern.
Das hier abgebildete Modell hat eine Centronics-Schnittstelle.

Vom Silentrix MP108 ist heute nur noch die Existenz 1 Exemplars bekannt.


Drucker Ibico DX-80

Bei diesem Gerät handelte es sich um eine Exportversion des Druckers K6312 in der Ausführung mit Gummiwalze und Handrad. Das abgebildete Modell war mit einem IFSS-Interface bestückt.


Drucker "Ibico DX-80"

Innenansicht des DX-80

Ibico ist ein Warenzeichen der "General Binding Corporation" in Illinois, USA. Es gab in der Bundesrepublik von 1989 bis 2000 eine Tochterfirma "Ibico Deutschland GmbH" mit Sitz in Lottstetten sowie in Düsseldorf, Osterode und Gelnhausen. Sie vertrieb wahrscheinlich den Drucker in der Bundesrepublik.


Drucker ITI K6313

Das Büromaschinenwerk in Sömmerda fertigte in den 1980er Jahren auf Kundenwunsch den Drucker Robotron K6313 unter dem Logo der Firma "ITI International".


Drucker "ITI K6313"

Ob heute noch irgendwo ein ITI K6313 existiert, ist unbekannt.


Drucker Europrint FT80X

(Alias FT 80 X, FT 80X)

Dieser Drucker ist eigentlich ein K6313 und wurde von der Düsseldorfer Firma Unitronic GmbH in der Bundesrepublik vertrieben, vermutlich bis 1984.


Drucker Europrint FT80X

Europrint FT80X, geöffnet

Das Drucker-Logo

das mit dem FT80X ausgelieferte Zubehör

FT80X mit aufgestecktem Papierschacht

Rückseite des FT80X

Als Interface wurde Centronics benutzt.

Von diesem seltenen Gerät ist heute nur noch 1 Exemplar bekannt.


Drucker Europrint K6311F/T und K6312T

(Alias K 6311 F/T, K 6311F/T, K 6312 T, K-6312T)

Die Robotrondrucker K6311 und K6312 wurden bis 1984 von der Firma Unitronic GmbH in der Bundesrepublik vertrieben.
Beide Drucker konnten im Textmodus (9x7 Punkte pro Zeichen) oder im Grafikmodus (100 Punkte pro Zoll) arbeiten.


Drucker Europrint K6312T

Rückansicht des K6312T

Innenansicht des K6312T, mit ausgebauten Mikroprogramm

Beim K6311F/T konnten Einzelbelege und Leporellopapier (DIN A4) benutzt werden, im K6312T wurde ausschließlich Leporellopapier (DIN A3) benutzt.
Der Preis für die Geräte lag bei 999 DM.

Der K6311F/T gilt als heute ausgestorben, vom Europrint K6312T ist heute noch 1 Exemplar bekannt.


Drucker GKL uni 1230

(Alias uni1230, uni-1230)

Hierbei handelte es sich um eine Exportvariante des Druckers K6319, hergestellt vom Büromaschinenwerk Sömmerda. Als Hersteller war die "SSP GmbH" in Nürnberg angegeben, die das Gerät Anfang der 1990er Jahre für 360 D-Mark in der Bundesrepublik verkaufte.


Drucker Uni 1230

Vom uni 1230 hat vermutlich nur 1 Exemplar überlebt. Es befindet sich im Museum Sömmerda.


Drucker Handytype

(Handy-Type, Handy_Type)

Unter diesem Namen wurde der Drucker SD1152/255 im westlichen Ausland vertrieben und u.a. zusammen mit Commodore-Computern eingesetzt. Bislang ist bekannt, dass er in der Bundesrepublik (Preis: 5000 DM) und in Österreich verkauft wurde. Als Hersteller wurde offiziell die Firma Computer Gesellschaft Konstanz mbH angegeben, als Vertriebsfirma fungierte die Firma Intelekta Beratungs- und Vertriebsgesellschaft für Elektronik mbH in Frankfurt/Main.

Gegenüber dem SD1152 hatte der Handytype Leiterplatten, die komplett mit westlichen Bauteilen bestückt waren. Anstelle eines Schaltnetzteils kam ein Netzteil mit Eisenkerntrafo zum Einsatz. Als Interfaces konnte per Steckkarte Centronics, V.24 oder IEC-Bus ausgewählt werden.


Drucker Handytype

Handytype, geöffnet

Netzteil und Kopfmotor auf der rechten Geräteseite

Ausschnitt aus der Prozessorplatine

Die Prozessorplatine

Ausschnitt aus der Leistungsplatine. Hinten die Endstufen.

Centronics-Interfacemodul

Den abgebildeten Einzelblatt-Einzug (Sheet Feeder) gab es auch in der DDR, wurde aber dort kaum ausgeliefert.

Vom Handytype hat wahrscheinlich heute nur 1 Exemplar überlebt.


Drucker Handytype Junior

(Handy-Type Junior, Handy_Type Junior)

Über diesen Drucker ist bislang nur wenig bekannt. Er basiert auf dem Typenraddruckwerk einer elektronischen Schreibmaschine (wahrscheinlich S6120) und wurde 1986-1990 bei Optima speziell für den Export gefertigt. Als Vertriebsfirma fungierte, wie schon beim Handytype, die Firma Intelekta Beratungs- und Vertriebsgesellschaft für Elektronik mbH in Frankfurt/Main. Innerhalb der DDR kam der Handytype Junior vermutlich nicht zum Einsatz.


Drucker Handytype Junior

Detailaufnahme des Druckkopfes

Vom Handytype Junior existieren heute wahrscheinlich nur noch 2 Exemplare, bei denen aber leider jegliche Elektronik fehlt, was aber daran liegen könnte, dass die Elektronik durch eine westliche Firma gebaut wurde.
Wer weiß näheres über diesen Drucker?


Geräte ohne Firmenname

Aus unbekanntem Grund wurden einige K631x-Drucker auch ohne Namensschild verkauft.


Drucker K6313 ohne Firmenlogo

K6314 ohne Firmenlogo

In der Dokumentation fehlt bei diesen Exemplaren ebenfalls der Herstellername.
Vermutlich waren sie für spontane Exporte an beliebige Partner im westlichen Ausland bestimmt.


Genius Tray

(Alias GeniusTray)

Das Grafiktablett K6405 wurde im westlichen Ausland von der Firma Genius unter deren Namen vertrieben. Die Stromversorgung wurde, im Gegensatz zum DDR-Modell, hier mit einem externen Netzteil realisiert. Das GeniusTray kam z.B. an IBM-kompatiblen PCs oder am Atari XT zum Einsatz.


Grafiktablett "Genius K6405"

Ob irgendwo so ein Tablett überlebt hat, ist unbekannt.


Computer Alba PC1505

(Alias PC 1505)

Unter dem Namen "Alba PC1505" ("Alba": lat. für "Elbe") wurde kurz nach dem Ende der DDR versucht, das Computergrundgerät des Bildungscomputers A5105 (BIC) als Konsumgut zu verkaufen. Dies wurde notwendig, da der Einsatz des BIC im Bildungssystem der DDR mit Blick auf die bevorstehende Vereinigung beider deutscher Staaten abgebrochen wurde. Somit mussten oder sollten die Restbestände aus der Bildungscomputerproduktion noch vor der Wiedervereinigung an den Mann oder die Frau gebracht werden, sofern dies vor der Einführung der D-Mark überhaupt noch möglich war. Gewährleisten wollte man das mit einem Verkaufspreis, der sich unterhalb dem des vergleichbar konfigurierten Heimcomputers C64 bewegte. Immerhin konnten so noch ca. 2000 Stück dieses Rechners über die Verkaufsstelle (übrigens ausschließlich über diese) des Robotron-MKD, Nachfolger des VEB Robotron-Messelektronik "Otto Schön", in Dresden verkauft werden.


Computer "Alba PC1505"

Der Alba-PC ist technisch und äußerlich absolut identisch mit dem Computer-Grundgerät des BIC. Das Robotron-Schild wurde allerdings durch den Schriftzug "Alba PC1505" und eine stilisierte Weltkugel ersetzt. Zum Gerät gehörte eine externe Diskettenstation mit einem (DS 1505.1) oder zwei (DS 1505.2) 5,25-Zoll-Laufwerken. Über ein Floppydisk-Modul, welches die Anschlusssteuerung und den Disk-ROM beinhaltet, wurde sie an den Erweiterungsschacht oder den rückseitigen Busanschluss des Alba-PC angeschlossen. Ein externes Netzteil auf Basis des BIC-Netzteiles K0309 und der (ebenfalls vom BIC bekannte) UHF-Modulator komplettieren den Alba-PC. Interessant ist, dass das Floppydisk-Modul und Diskettenstation ausschließlich in Werkstattfertigung nach Bedarf hergestellt wurden.


Alba-PC mit Diskettenstation DS 1505.1,
Floppydisk-Modul, Handbüchern und UHF-Modulator

Das Netzteil des Alba-PC befand sich auf der Rückseite
der Diskettenstation

Auch softwareseitig unterscheidet sich der Alba-PC kaum vom BIC. Das ROM-Betriebssystem RBASIC wurde nur geringfügig geändert (auf V2.01 gegenüber V2.0 beim BIC) und auf die Verwendung von maximal zwei Floppylaufwerken angepasst.

Aufgrund fehlender Werbung und Präsenz auf Messen und Ausstellungen wurde dem Alba-PC keine große Aufmerksamkeit zuteil. Fehlende Absatzmärkte und die aufgrund der vielen Nachbauten und Anpassungen zu erwartenden Probleme mit der Lizenzgebung nach der Wiedervereinigung ließen das Projekt Alba-PC (wie leider auch viele andere Robotron-Nachnutzungsprojekte) nach kurzer Zeit sterben.

Da dieses Gerät nur in geringen Stückzahlen produziert und nur von Anfang bis Mitte 1990 verkauft wurde, erlangte es keine große Verbreitung und ist heute ein exotischer Zeitzeuge einer sich damals rasant verändernden Welt und sicherlich ein interessantes und seltenes Sammlerstück.


Soemtron

Dieses Label wurde sowohl innerhalb und außerhalb der DDR für aus Sömmerda kommende Geräte verwendet.
Auch nach dem Zusammenbruch von Robotron wurde noch kurzzeitig unter der Marke Soemtron produziert.
Außerdem war dieser Name bei Sömmerdaer Geräten, die vor der Gründung von Robotron gebaut wurden, gebräuchlich.


Drucker Soemtron K6313

Drucker Soemtron K6319



Russische Varianten

In der UdSSR wurden die Robotron-Rechner unter dem Originalnamen vertrieben, aber mit kyrillischen Beschriftungen, besonders bei den Tastaturen.


Tastatur K7634 mit russischer Beschriftung

Zweisprachige Tastatur für den Computer Soemtron 286

Die Bildschirmkarten wurden entweder mit einem speziellen russischen Zeichensatz-EPROM bestückt (z.B. Computer A5120, PC1715) oder es wurde über spezielle Programme der russische Zeichensatz softwareseitig nachgeladen (Computer A7100, A7150, EC1834, PC1715W)

Für den Export innerhalb des RGW wurden einige Geräte statt mit der Originalbezeichnung mit der entsprechenden SKR-Bezeichnung bzw. ESER-Bezeichnung ausgeliefert.


Drucker K6414 mit SKR-Beschriftung



Letzte Änderung dieser Seite: 02.04.2020Herkunft: www.robotrontechnik.de