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22.04.2025, 14:18 Uhr
octron03blue
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Wiederbelebung eines NANOS-Systems
Wie hier schon hier geschrieben,
https://www.robotrontechnik.de/html/forum/thwb/showtopic.php?threadid=22779
sind mir Einzelteile eines NANOS-Rechners zugelaufen. Der Verkäufer hatte ursprünglich nur die Karten angeboten. Auf Nachfrage fand er dann auch noch den zugehörigen Einschubrahmen mit der passenden Rückverdrahtung dazu.
Bei der Sondierung der Einzelteile und Vergleich mit den verfügbaren Unterlagen im Netz habe ich dann festgestellt, dass sowohl die Videokarte als auch das Reset- und Kassetteninterface nicht dem NANOS-Standard entsprachen und wohl Eigenentwicklungen waren, von wem auch immer.
Aber mit der ZRE, der 256k DRAM-Karte, dem Floppy-Interface und der Video-Karte sollte sich das System reanimieren lassen, so hoffte ich.
Durch meinen Bericht über den Fund bot mir Klaus sofort seine Hilfe an. Die nahm ich natürlich sehr gern an.
Als Erstes habe ich mir die beiden Netzteile angesehen. Nach dem Tausch vergammelter Sicherungen und deren Halter, sowie Einstellen der Spannungswerte, liefen die dann auch erst einmal anstandslos. Allerdings rieten mir Klaus und paulotto dringend von deren Nutzung ab. Beide hatten schlechte Erfahrungen damit gemacht. So entschloss ich mich zum Einsatz eines Meanwell-Netzteils mit den notwendigen drei Spannungen.
Nun die EPROM auf ZRE und Video ausgelesen, gesichert und an Klaus zur Analyse geschickt.
Im nächsten Schritt habe ich mir die ZRE (noch außerhalb des Einschubrahmens) vorgenommen. Kein Leben auf Adress- und Datenbus. Taktgenerator ohne Funktion. DL004 getauscht – Takt läuft und Resetimpuls ist nun auch da. Aber am Prozessor tut sich immer noch nichts. Also Prozessor getauscht und nun ist Bewegung auf Adress- und Datenbus. Im Nachgang habe ich noch gesehen das ein 10Mhz Quarz eingebaut war. Den habe ich dann gegen den, laut Schaltung vorgesehenen 9,83Mhz, gewechselt.
Erster Test im Rahmen mit ZRE und Video bringt Zufallsmuster auf den Schirm. Also läuft auch die Video-Karte scheinbar. Aber die Synchronität mit dem Flachbildfernseher über AV ist grottenschlecht. Parallel dazu hat mir Klaus ein kleines File für den Boot-EPROM geschrieben um die ZRE zu testen. Ergebnis:

Nun habe ich die 256k DRAM-Karte dazu gesteckt. Auch für diesen Test hat Klaus mir ein File zur Verfügung gestellt. Zeitgleich habe ich mich mit der Video-Karte beschäftigt, und versucht durch Ändern von Widerstandswerten und Einfügen eines Auskoppelkondensators das Bild zu verbessern. Auch hier das Ergebnis:

Der DRAM scheint also prinzipiell auch zu funktionieren, das Bild ist besser aber immer noch instabil. Hier muss später dann sicherlich der BWS von Heiko ran.
Jetzt kam das Floppy-Interface an die Reihe. Dazu gesteckt ergab es dieses Bild:

Das sah ja schon mal vielversprechend aus! Aber nun – wie komme ich weiter? Also im Bestand nach einem Diskettenlaufwerk K5601 gesucht und gefunden, Anschlusskabel gelötet und angeschlossen. Zeitgleich hat Klaus mir ein Diskettenabbild mit einer Minimalkonfiguration des EPOS 3.1 geschickt, das ich mit GW auf eine leere Diskette geschrieben habe. Diskette rein – und er bootet!

Sehr schön, aber ohne Tastatur geht es nun wieder nicht weiter. Eine parallele K7604 oder 7634 stand mir nicht zur Verfügung. Dieser Typ war laut Analyse der EPROM-Inhalte durch Klaus wahrscheinlich an der PIO-Schnittstelle der ZRE angeschlossen. Klaus machte den Vorschlag eine PS2-Tastatur an die vorhandene IO-Karte anzubinden. Dazu brauchten wir einen Adapter mit Attiny nach DL. Den habe ich aufgebaut und an der IO angesteckt. Klaus hat das BS entsprechend ergänzt.

Nun waren auch Tastatureingaben möglich und ich konnte mit dem System das erste Mal kommunizieren.
Gleichzeitig habe ich die originale Resetschaltung vom NANOS auf einer kleinen Platine nachgebaut und an die ZRE angesteckt, sodass nun auch Reset ohne Datenverlust im DRAM möglich ist.

Jetzt war es an der Zeit sich über ein vernünftiges Bild Gedanken zu machen. Es kam eigentlich nur der BWS für K1520 von Heiko in Frage. Den hatte ich aber nur im AC1 laufen und dort mit DIN-Stecker. Also habe ich bei Karsten J. nachgefragt ob er noch Bausätze hat. Und er hatte noch!
Also bestellt, aufgebaut und lief auf Anhieb. Allerdings hatte ich über den Schirm verteilt ein leicht inhomogenes Bild. Die Zeichen waren unterschiedlich intensiv in der Darstellung und teilweise verschwommen. Eine Nachfrage bei Heiko brachte Vorschläge zur Verbesserung. Er vermutete das die Endstufentransistoren in den drei Farbkanälen das Problem verursachen. Auch der eingesetzte DL004 könnte beteiligt sein.
Da das die einfachste Änderung darstellte habe ich ihn zuerst gegen einen schnelleren HCT04 gewechselt. Und genau das brachte den Erfolg – glasklares Bild! Ursache sind also nicht die Transistoren in den Farbkanälen, sondern die Negation der H- und V-Syncsignale.

Und auch in Farbe mit 80x24 Zeichen.

Auch hier hatte mir Klaus die notwendigen Änderungen zur Einbindung des BWS in das BS gemacht und die Änderungen auf der DRAM- und BWS-Karte, bzgl. des MEMDI-Signals, beschrieben.
Letzter und wichtiger Stepp war die Einbindung der Möglichkeit auf USB und GIDE zu speichern. Dabei kam mit zugute, das ich vor Jahren mal vorhatte den LLC2 von buebchen aufzubauen. Dabei war eine GUR, die es als Einzige bis zur Fertigstellung geschafft hat. Sie sollte nun im NANOS zum Einsatz kommen. Mit einer Platinen-Verlängerung habe ich sie dann „einschubfähig“ gemacht.

Klaus hat auch hierfür wieder das BS angepasst und ich habe getestet. Ergebnis: GIDE (DOM-Modul) mit 8 Laufwerken mit je 8MB und USB stehen zur Verfügung.

Jedoch weigerte sich die RTC ihren Dienst anzutreten. Die aktuellen Daten wurden nicht in den Chip übernommen. Die Angaben zu Time, Date und WDay waren willkürlich und wirr. Die Suche nach der Ursache war zeitraubend, bis ich auf die Idee kam, den Steckplatz für die GUR zu ändern. Ab da lief es. Die Untersuchung der Rückverdrahtung daraufhin ergab Kurioses. Dem rechten letzten Steckplatz im Rack (dort steckte die GUR bislang) fehlten die Signale MREQ uns AB8. Die waren dort auch nicht vorgesehen, warum auch immer. Ich habe sie daraufhin ergänzt, sodass dieser Steckplatz jetzt auch vollwertig nutzbar ist.
Schlussendlich ist wieder ein NANOS-System „zum Leben erwacht“ und wartet nun noch auf etwas Finetuning, wie Gehäuse, Frontplatte und Beschriftung. Mal sehen ob ich das auch noch hinbekomme oder genau dabei, wie hin und wieder mal „über den Sockenhaltern abbreche“.

Am Ende möchte ich mich noch einmal sehr herzlich bei meinen Helfern Klaus, paulotto, Heiko P. und Karsten J. bedanken!
Viele Grüße Frank Dieser Beitrag wurde am 22.04.2025 um 16:11 Uhr von octron03blue editiert. |