VEB Rechenelektronik Meiningen/Zella-Mehlis

Für die Produktion der Rechner C820x konnte der Bedarf an Produktionsfläche und Arbeitskräften im Produktionsstandort Zella-Mehlis nicht gedeckt werden. So entschloss sich die Mercedes-Büromaschinen-Werke AG i.V. zum Aufbau eines Zweigwerks in Meiningen. Die Grundsteinlegung für das Meininger Werk war am 15.06.1967. Mit dem 30.06.1967 stellte die Zella-Mehliser Firma Mercedes-Büromaschinen-Werke AG i.V. formell ihre wirtschaftliche Tätigkeit ein, bestand jedoch als selbständige juristische Person weiter. Ab dem 01.07.1967 war dann die neue Firma "VEB Rechenelektronik Meiningen/Zella-Mehlis" mit beiden Produktionsstandorten geboren.


Rechts das ehemalige Robotron-Verwaltungsgebäude,
links eine Produktionshalle (2005)

Produktionshalle (Aufnahme aus dem Jahr 2005)


Die Abbildung zeigt rechts die Südseite der Produktionshalle mit einem später errichteten Anbau. Dort befand sich ursprünglich eine große Laderampe, fast über die gesamte Hallenbreite. Rechts erfolgte die Materialanlieferung. Das Material durchlief U-förmig die gesamte Halle: Vorfertigung, Tischfertigung, Trommelspeicherfertigung, Leiterplattenbestückung, Kabelbaumfertigung, Endmontage, Versand. Die fertigen Rechner erschienen dann auf dem linken Teil der Verladerampe. Fast alles, was zum Rechner gehörte, wurde selbst produziert, vorwiegend auch direkt in Meiningen. Nach Auslauf der Kleinrechnerproduktion worden noch einige Jahre die Magnettrommelspeicher weiter produziert bzw. generalüberholt.

In Meiningen erfolgte außer der Produktion der Rechner der C820x-Serie auch die der Tischrechner K1001, K1002 und K1003 (insgesamt über 6000 Stück), der Festplatteneinheiten K5501 und K5502 sowie der Einbau-Festplatten K5504.20, K5504.50 und K5504.80. Weiterhin wurden u.a. Stromversorgungsmodule und Geräte des HADES-Systems produziert. Der Meiniger Beitrag zur Konsumgüterproduktion bestand in der Fertigung von Rundfunkgeräten.

Für die K1510-Rechner und K1520-Rechner (auch die der anderen Hersteller) waren alle Metallteile galvanisch zu verzinken, dazu gab es in Meiningen einen Galvanikbetrieb, der in 3-Schicht-Handarbeit täglich mehrere tausend Liter Zinkelektrolyt auf die Bleche brachte. Mit dem Anlauf der Produktion der PC-Festplatten wurde dann eine automatengestützte Galvanik in Betrieb genommen.

1976 wurde die Standorte in Meiningen und Zella-Mehlis in das Kombinat Robotron eingegliedert.

Gestützt auf Erfahrungen durch die Trommelspeicherproduktion und eine vorangegangenen Wechselplattenentwicklung wurde Anfang der 1980er Jahre in Meiningen die Produktion von Festplatteneinheiten für Prozessrechner begonnen.

Bis Mitte der 1980er Jahre gab es keine Produktion von 5¼-Zoll-Einbau-Festplatten in der DDR. Da aufgrund des COCOM-Embargos nicht legal beschaffbar, wurden 5¼-Zoll-Einbau-Festplatten westlicher Produktion ins Land geschmuggelt und in Meiningen mit einem Robotron-Typenschild versehen. Später wurden Produktionsanlagen der Firma Microscience importiert und eine Fertigung von zwei Festplattentypen eingeleitet, vorerst ausschließlich mit importieren Plattenkomponenten. Um von der Importware unabhängig zu werden, erfolgte zunehmend eine Eigenproduktion der Festplattenkomponenten, zunächst im mechanischen Bereich (Die Leiterplatten waren immer mit westlichen Originalbauteilen bestückt, auch wenn eine Leiterplattenfertigung in Meiningen bereits aufgebaut wurde). Ziel war es, irgendwann alle Komponenten selbst zu fertigen, dies wurde aber nicht mehr erreicht.

Für die Zeit nach 1992 war beabsichtigt, für IBM Magnetplatten in großer Stückzahl zu produzieren. Projekte dazu waren bereits erarbeitet und Angebote eingeholt, um die Meininger Plattenproduktion wesentlich zu erweitern. Dass daraus nichts wurde, lag in erster Linie daran, dass sich IBM aus diesem Geschäftsfeld plötzlich zurückgezogen hatte.
1991 lief dann die Produktion der Festplatten aus, obwohl die Qualität der selbst hergestellten Festplatten mittlerweile die der Importplatten übertraf. Nachdem 1993 noch einmal für einige Monate K5504-Platten montiert wurden, war das Kapitel "Festplatten" für Meiningen endgültig beendet.

Nach der politischen Wende und dem folgenden Zerfall von Robotron hatte im Meininger Werk hatte ein 5-köpfiges Ingenieurteam unter der Firmenbezeichnung "robotron Dünnschichttechnologie GmbH" damit begonnen, unter Nutzung der Speicherplattentechnik ein neues Produkt auf dem Markt zu bringen: Maskblanks für die Halbleiterindustrie. Die Bemühungen waren erfolgreich und nach Schließung der entsprechenden Produktionskapazitäten bei der Firma Balzers im Fürstentum Liechtenstein war Meiningen sogar der einzige Hersteller von Maskblanks in Europa. Doch diesem Kapitel Produktionsgeschichte war auch keine allzu lange Dauer beschert. Später hatte dann die heutige "Schott AG" den dafür genutzten Teil des Meininger Werkes übernommen. Die Mitarbeiterzahl stieg damit noch einmal auf über 100. Später hatte Schott ein ähnliches Werk in Poughkeepsie im Bundesstatt New York, USA dazugekauft. Leider wurde dann zunehmend die Produktion verlagert, auch von Meiningen nach Poughkeepsie und im Jahr 2006 wurde die Produktion in Meiningen eingestellt. Im Jahr 2007 wurde auch das Werk in Poughkeepsie geschlossen. Nun liegt die gesamte Maskblankproduktion in japanischer Hand. Das Meininger Werk wird z.Z. liquidiert.


Das letzte Robotron-Firmenschild

Leider wurde mit der Schließung des Werkes auch das Archiv von Robotron-Zella-Mehlis vernichtet, in dem sich bis dahin noch Dokumentationen und Beispielprodukte aus der Robotron-Zeit befanden.

Ehemalige Mitarbeiter von Zella-Mehlis und Meiningen, meldet Euch bitte. Wir haben viele Fragen zu den damaligen Produkten.


Letzte Änderung dieser Seite: 19.10.2014Herkunft: www.robotrontechnik.de