Strahlungsmesstechnik
Hier werden Geräte zur Messung nuklearer Strahlungen beschrieben.
Da das Thema recht umfangreich war, sollen vorerst nur Geräte beschrieben werden, die mit Computertechnik arbeiteten.
Spektrometer 20 050
(Alias 20050, 20.050, 20060, 20.060, Strahlungsmesser, Sichtgerät)
Dieses Gerät wurde ab 1981 von Robotron Messelektronik Dresden produziert.
Im Zusammenspiel mit einer Messsonde ermöglichte es die qualifizierte Auswertung radioaktiver Strahlung.
Also nicht nur der Beantwortung der Frage, welche Menge an Strahlung vorhanden ist, sondern welches chemische Element da strahlt.
Das setzte natürlich voraus, dass ein Sensor diese Informationen liefern konnte,
was bei Proportionalzählrohren und Szintillationssonden der Fall war.
 Spektrometer 20050
|  Bildschirm 20060 |
 Spektrometer 20050, Rückseite geöffnet
|  Spektrometer 20050, Vorderseite geöffnet |
An das 20050 passten verschiedene Sondentypen:
- Szintillationssonde 72 016 (VA-S-50)
- Szintillationssonde 27 000 (VA-S-968)
- Szintillationssonde 27 001 (VA-S-9681)
- Zählrohrsonde 72 013 (VA-H-283)
- Proportional-Zählrohrsonde 72 015 (VA-H-286.1)
- für Sonderzwecke auch Halbleitersonden
Bei Bedarf konnte ein Vorverstärker 20042 oder 20047 zwischen Sonde und Spektrometer geschaltet werden.
 Messkarte
|  Spektometrierkarte |
 Bildschirmkartre
|  Bedienteilkarte |
Die Ergebnisse wurden auf der internen Anzeige (VQC10) oder auf einem optionalen externen Bildschirm 20060 angezeigt.
Der Bildschirm war zweigeteilt: die obere Hälfte konnte nur Textausgaben (64x8 Zeichen, für die Anzeige der Parameter) machen,
die untere Hälfte konnte nur Grafik (256x256 Pixel, nur 1 Kurvenzug) machen.
Per Tastendruck ließ sich eine Ausgabe der Kurve auf dem Koordinatenschreiber auslösen.
Zum Ausmessen (und damit der Identifikation der Isotopen) konnte ein Cursor im Form einer senkrechten Linie auf der Kurve entlang geschoben werden.
Das Gerät wurde durch einen Mikrorechner auf Basis des K1520-Mikrorechnersystems
(Prozessor U880, 5 KByte RAM, 19 KByte EPROM) gesteuert.
Zur Spektrometrie hatte das 20050 eine Leiterplatte eingebaut, auf der programmgesteuert analoge Grenzwerte gesetzt wurden.
Im Anschluss lief das Messprogramm ab, in dem die Anzahl der Ereignisse bei sich verändernden Grenzwerten nacheinander ausgezählt wurden,
was durchaus einige Minuten dauern konnte.
Die Kurve auf dem Bildschirm zoomte dabei abhängig von der höchsten Anzahl an Messimpulsen.
 Messvorgang |
 Einschaltmeldung des 20050
|  Selbsttest |
 Spektrogramm (grob aufgelöst, Messung ohne Isotop)
|  Spektrogramm (fein aufgelöst, Messung ohne Isotop) |
Eine Kopplung mit anderen Geräten (Streifendrucker, Messwertlocher und
Messwertdrucker) war über die IMS1-Schnittstelle möglich.
Außerdem konnten über die SIF1000-Schnittstelle Lochbandleser und
Lochbandstanzer angeschlossen werden,
über den analogen Ausgang auch Messwertschreiber und Koordinatenschreiber.
Vom 20050 haben vier Exemplare überlebt, darunter ein funktionierendes im Rechenwerk Halle.
Klinisches Dosimeter M2300
(Alias M 2300, M-2300, 534888.1, 534 888.1)
In der Medizin wurde teilweise mit radioaktiven Substanzen gearbeitet, die auch in den menschlichen Körper eingebracht wurden.
Um deren Strahlendosis zu bewerten, baute Robotron Messelektronik Dresden
(wahrscheinlich ab 1984) das Dosimeter M2300.
 Klinisches Dosimeter M2300
|  Rückseite des Geräts |
 M2300, Innenansicht |
Das Gerät wurde im Zusammenspiel mit Spezialsonden benutzt, die z.T. in Körperöffnungen eingeführt wurden
und über einen Vorverstärker 35000.7 an das Dosimeter angeschlossen waren.
So gab es z.B.:
- Weichstrahlkammer 70127 (für Röntgen-Oberflächentherapie)
- Schlauchkammer 70107 (Röntgen-Halbtiefen- und Tiefentherapie)
- Stielkammer 70108 (Röntgen-Halbtiefen- und Tiefentherapie)
- Stielkammer 70109 (Röntgen-Halbtiefen- und Tiefentherapie)
- Kugelkammer 70110 (technische Prüfung von Röntgen- und Gammageneratoren)
- Strahlenschutzkammer 70111 (Strahlenschutzmessung für Röntgen- und Gammastrahlung)
Die Ergebnisse wurden auf dem Zeigerinstrument bzw. der Siebensegmentanzeige angezeigt und konnten per Schnittstelle
(IMS1) auf eine Registriereinrichtung (Drucker, Schreiber) ausgegeben werden.
Das M2300 wurde durch einen Mikrorechner auf Basis des K1520-Mikrorechnersystems
(Prozessor U880, 1 KByte RAM, 17 KByte EPROM) gesteuert.
Im medizinischen Einsatz werden M2300 in Deutschland heute sicher nicht mehr sein.
Zwei Exemplare haben überlebt, eins davon im Rechenwerk Halle.
An der Wieder-Inbetriebnahme beider Exemplare wird gearbeitet.