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Heute, 13:21 Uhr
Dresdenboy
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Das ist natürlich ein spannendes Thema und dazu hat fast jeder in der Technikwelt eine Meinung und ggf. auch Erfahrungen. Selbst in unserer Firma kam gerade eine Einladung zu einer Diskussion zum Thema "KI zwischen Bauchgefühl und Business".
Klar ist, dass mit der KI ein großer Umbruch im Gange ist. Dabei gibt es das Thema schon seit Jahrzehnten. Aber in den letzten Jahren hat sich so viel getan, dass sich so mancher überrollt fühlen könnte. Da fragt man sich schon, was das heißt und was das mit unseren Kindern/Enkeln mal werden soll. Und irgendwo ist auch der Staat in der Verantwortung, was Anwendung der KI, Ausbildung, Jobsicherheit (und überholte Berufe kann man leider nicht ewig retten) und die Wirtschaftskraft angeht - angesichts der uns weltweit links und rechts überholenden Länderkonkurrenz. Das können wir hier ja mal diskutieren. Stein des Anstoßes für diesen Thread war Andreas' Posting im Grafikeffekte-Thread - zwar herausfordernd formuliert, aber mit wichtigen Fragen:
| Zitat: | Rolly2 schrieb Wenn ihr jetzt den Code für eure Projekte duch eine Ki erzeugen lasst, ist da noch eigene Inteligenz dabei? Das kann doch dann jeder "Arsch", oder liege ich da falsch? Ist das der richtige Weg? Was wollt ihr denn damit erreichen, das keiner mehr denken muss? Ich persönlich finde das höcht bedenklich. Früher hat ein Proggi, was man selbst geschrieben hat, am Ende Spass und Freude gebracht. Lasst euch weiter verarschen. Eigenes denken ist nicht mehr gefragt!! |
Für eigene Intelligenz ist da noch genug Platz. Es geht schon damit los, dass Intelligenz vielseitig ist und es nicht die eine Intelligenz gibt. Manches wirkt intelligent, ist aber Mustererkennung. Andere Aspekte sind Logik, Erinnerungs- und Assoziationsvermögen, Sprachintelligenz usw.
Genauso vielseitig ist die Softwareentwicklung auch. Nur etwas "herunterzuprogrammieren" oder "kodieren" zu können ist eine Fähigkeit, aber nur eine von vielen, wie z.B.: eine Software-Architektur definieren, effiziente Datenstrukturen, Algorithmen, gute Tests oder überhaupt Anforderungen oder eine gute Doku schreiben, oder das umfassende Problem oder einen Kunden verstehen, mit Kollegen oder auch der komplizierten Familie kommunizieren. Das ist nicht alles mal einfach komplett per Knopfdruck auch vom Bäcker ohne Computerhobby lösbar. Letztere kenne ich da schon eher mal als Vermögensberater. ;) Auch wenn da die KI teils auch schon helfen kann und teils sehr gut und effizient dabei ist, braucht man schon ein Grundverständnis und sollte schon genauer beschreiben (heutzutage "prompten") können, was getan werden soll - sonst überlegt sich die KI das selbst. Das ist eher wie ein neuer Kollege, der schon etwas von der Ausbildung oder Hochschule und ggf. Hobby her kann, aber die Aufgaben und Prozesse in der Firma noch nicht kennt.
Vielleicht ist ein Teil der Diskussion den Medien zu verdanken, die gern mal dramatisieren.
Und Spaß kann man natürlich immer noch haben wo man will, kann bzw. darf. Vllt. in Zukunft auch dabei, besser zu sein als die KI. ;) Kasparov und die weltbesten Go-Spieler haben da schon aufgegeben. Und dennoch spielen Menschen weiterhin Schach und Go.
Es gibt ja sowohl Menschen, für die der Weg das Ziel ist (z.B. Spaß am Entwickeln) und andere (oder die gleichen bei einem anderen Projekt), wo dann das Ziel das Ziel ist. ;)
Mit 50 mit Frau u. Kind, die beide zur sehr aktiven Sorte Mensch gehören muss man schon genau auf die eigenen Ressourcen achten, neben Zeit v.a. Ruhe und Konzentration. Ich habe schon nebenbei viel bei den vielen Haushaltstätigenkeiten über meine Hobby-Probleme gegrübelt und an Lösungen gefeilt. Da ich mich gern mit Sizecoding, also besonders klein optimierten Programmen, befasse, konnte ich so schon einiges zustande bringen. Da war natürlich immer mal eine Sitzung am Rechner (oder immer wieder einige Minuten zwischendurch) nötig, um das Ersonnene auszuprobieren - aber auch in verschiedenen Dokumenten zu recherchieren. Das ist Programmieren ist dann doch eher ein Heruntertippen u. Testen. Und da kann KI nicht überall mithalten (noch). Meine Routinen, u.a. Daten-Dekompressions-Routinen auf x86, 6502, Z80 - wo einige davon die kleinsten bekannten Implementierungen sind - erreichte noch keine KI. Und grafische Effekte werden noch nicht so schnell auf hohes Niveau kommen. Da können wir Menschen mehr. Und ich mache mir keine Sorgen, dass mir der Spaß genommen wird.
In der Wirtschaft wird ja viel weniger mit Spaß entwickelt. Da gibt es viele, einen Job haben. Also machen, was getan werden soll. Da gibt es auch viele weniger erfreuliche Anteile. Gerade da wird oft erwähnt, dass das Programmieren eher so 10% der Zeit einnimmt. Mit Agil und weg vom Wasserfall-Modell wurde es mehr. Aber dennoch: Anforderungen, Tickets, viele Tests, viel Doku, viele Termine. Spaß? Kommt darauf an..
Das ist doch etwas für KI. Langweiligen (und irgendwo doch eher nach Schema-F als Intelligenz erfordernd) Tätigkeiten trauert niemand nach. Wir werden weltweit nicht weiterhin anerkannt bleiben, weil wir schön viel Handarbeit in der SW-Entwicklung machen. In China geht man anders an die Sache heran. Und das wurde lange belächelt. Dabei haben sie mit die diszipliniertesten und fleißigsten Schüler. Dennoch sind sie offen für KI. Dann schaue ich mir die Kinder und Jugend in D an. Da sind Handies, Social Media (v.a. zum Selbstdarstellen, aber auch Mobben usw.), actiongeladene Unternehmungen (Dopamin-Kick) usw. normal geworden, während die Ansprüche in Schule und Ausbildung sinken. Das läuft auseinander.
Und irgendwo sind wir Menschen limitierend - Produktivität, Zeit, Kosten oder erst einmal überhaupt als genügend Köpfe mit entspr. Wissen verfügbar. Ein Beispiel: Ein SW-Berater, der seit der Kindheit programmiert und sich mittlerweile v.a. wegen seiner Tätigkeit auch mit KI befasst, hat nun ein großes Projekt (wo sich Spreu vom Weizen trennt bei den KI-Modellen) mit 400000 Zeilen Code abgeschlossen: https://www.youtube.com/watch?v=eLDHrqKplVI+ Laut seiner Aussage war das über 90 Mal effizienter u. das bei hoher Qualität als die gleiche Aufgabe mit Menschen anzugehen. Daraus kann man viel ableiten.
Wie das weitergeht, bleibt spannend. Hier in Deutschland dagegen zu kämpfen bringt nichts. Dann schauen die anderen Länder vllt. mitleidig auf uns und ziehen einfach vorbei. Und wir sind schon so mit Konsum und Ablenkung überflutet, dass es doch eher neurodiverse oder zumindest schlaue und neugierige Menschen noch schaffen, sich tief mit technischen oder naturwissenschaftlichen Themen auseinanderzusetzen. Aber die große Allgemeinheit möchte schön leben und sich das notwendige Geld dafür verdienen. Work-Life-Balance. Jobmarkt und Bewerberwünsche passen kaum. Die Ansprüche steigen. Und dann verdienen nicht wenige gern nur soviel (in Teilzeit), wie sie aktuell brauchen - keine Rücklagen, kein großes Ansparen. Dafür werden die Aufgaben komplexer. Und das lässt sich nicht immer mal über Herunterbrechen und Verteilen lösen. Komplexität heißt auch langsamere, weil aufwändigere Denkprozesse. Die geistige Produktivität sinkt hier vielleicht. Und mit der agilen Entwicklung und vielen Tickets klappt das bei komplexer Softwarefunktionalität bei vielen beteiligten Entwicklern auch nicht so gut. Können wir uns das weiterhin leisten?
Wenn mit Hilfe von Werkzeugen (hatte Cornelius im anderen Thread ja erwähnt) jemand auch etwas schafft, was sonst nicht möglich gewesen wäre - tja, warum nicht? Es werden ja weiterhin Erfahrenere das begleiten und weiter draufschauen. Aber diese bekommen nun einen Hebel. Nicht mehr physisch, wie in Bau und Herstellung, sondern mental.
| Zitat: | PS: Bitte sagt jetzt nicht, das die KI nur Hilfsmittel zu Zweck sind. Diese ersetzt eure eigene Intelligenz. Kleiner Nachtrag. So wie ich das verstehe, nimmt ja die KI-Software Teile aus dem WWW und setzt sie für die Aufgabe zusammen, welche von den Nutzern gewünscht ist. Oder liege ich da falsch? Inteligent kann ja die KI nicht sein. Die nutzt doch vorhandenes Material und passt das an das Gewünschte an. |
So haben es Programmierer auch schon gemacht. Vermutlich seit durchsuchbaren Hilfe-Dokumenten und dem Internet (Stackoverflow). Umso leichter es wird, umso eher wird es genutzt - menschliches Verhalten. Dabei liegt es oft nicht am Nicht-Können, sondern der Vermeidung des zeitaufwändigen Prozesses, die Informationen in der Doku zu suchen und sich die Lösung zu erarbeiten.
Bei KI liegst du aber falsch. Die KI mit den neuen Sprachmodellen (LLMs) macht das nicht so, sondern hat ganz viel Code "gesehen" und versucht dann, was sich mit einem bestimmten Kontext (Aufgabe, Zielsystem, Sprache usw.) Zeichen für Zeichen als wahrscheinlichster Code eignet. Das geht auch schief. Ich hatte ja schon vor längerer Zeit mal mit ChatGPT probiert, es Assemblercode (Z80, 6502) für kleine Aufgaben erzeugen zu lassen. Da war noch viel Murks dabei inkl. erfundener Mnemoniks. Das wäre mit Kopieren aus dem WWW nicht so passiert.
Mittlerweile ist das so gut inkl. "Nachdenken" (Reasoning), dass die KI zumindest auch komplex verwobenen Code mit mehrfacher verschiedener Nutzung der gleichen Codebytes (nur abh. von z.B. Flags) analysieren und auch super erklären kann. Und das in Sekunden bis Minuten. Da sehe ich keinen Menschen außer dem Ersteller selbst, der das zumindest inhaltlich zusammenbekommt.
KI-Themen verfolge ich schon seit meiner Jugend u. habe mich z.B. intensiv mit Genetischer Programmierung in vielen Varianten befasst - auch schon etwas Generatives - so wie jetzt die ganzen großen Modelle. Aber es war immer klar, dass da nicht viel geht. Man konnte es auf bestimmte Probleme anwenden, aber sah oft auch Grenzen. Das hat sich nun deutlich verschoben und für verschiedene Aufgaben hat auch die menschliche Leistungsfähigkeit Grenzen. Und sofern es bei KI keine harte Grenze gibt, kann sich das dort in div. Gebieten über die menschlichen Grenzen hinaus schieben. Auch die Neuronalen Netze fingen klein an. Dann kam irgendwann Deep Learning mit versch. Ansätzen (ein Schub dank den GPUs). Wenn ich mich noch daran erinnere, wie man da über Anfänge des Generierens staunte (GANs) und später die ersten KI-generierten Bilder u. v.a. Animationen aus dem "latent space" aussahen. Danach ging alles sehr schnell.
Es ist krass. Es ist etwas wie die Entwicklung der Maschinen, des Automobils, der Computer usw.
Auch noch ein paar Gedanken, wo die KI hinpassen könnte:
Entwicklung des Programmierens: Maschinencode -> Assembler -> Compiler/Interpreter -> KI
Verwendung von Werkzeugen: Die Anfänge : Ideen/Anforderungen etc. -> Mensch -> Maschinencode -> Prozessor (PU wie CPU, GPU, TPU etc.) Danach : Ideen/Anforderungen etc. -> Mensch -> Assembler -> Maschinencode -> PU Hochsprachen : Ideen/Anforderungen etc. -> Mensch -> Compiler ( -> Assembler) -> Maschinencode -> PU Nun mit KI zum Beispiel: Ideen/Anforderungen etc. -> Mensch -> Entwickler-KI -> Compiler -> Maschinencode -> PU Ideen/Anforderungen etc. -> Entwickler-KI (überwacht) -> KI-Modell -> PU
KI kann hier vieles sein von regelbasierten Ansätzen (Expertensysteme, Decision Trees, Random Forests etc.) bis zu Neuronalen Netzen in allen Varianten.
Anwendung in der EDV: Mensch/Systeme -> Datenverarbeitung -> Mensch/Systeme
Die Datenverarbeitung: Klassisch: Eingabe-Daten -> Maschinencode -> Ausgabe-Daten Neu: Eingabe-Daten -> KI-Modelle -> Ausgabe-Daten und auch "neu" (gab es schon mit Evolutionary Computing, wie z.B. Genetischer Programmierung): Eingabe-Daten -> Maschinencode/KI-Modelle (von KI erzeugt) -> Ausgabe-Daten
So gesehen gliedert sich die KI in die Entwicklung der Entwicklung gut ein.
Der Mensch scheint mir hier noch nicht außen vor zu sein. Und dann wäre die Frage nach unserem Sinn. Das lasse ich mal offen, um nicht noch 3 Seiten zu schreiben. ;)
Ich bin selbst immer mal vorsichtig bei neuen Themen und habe mich auch nicht wild auf die neuen KI-Agenten gestürzt, dafür aber stets darüber informiert. Nun merke ich, dass es mir weiterhilft, wo sonst nur wenig gehen würde. Und dafür wären mir die Ideen zu schade, um sie auf dem Papier sterben zu lassen oder ewig nach Studenten zu suchen, die sich derer annehmen (was ja nicht immer lebenslaufförderlich ist ;)). Die aktuellen Projekte (hatte ich schon im ASIC-Analyse-Thread erwähnt) packe ich in einen technischen Diskussionsthread.
Das soll nur ein Auftakt sein. Nun kann ja sich jede/r, wer mag, auch dazu äußern. Das würde mich mal interessieren, wo v.a. Probleme, Verschlechterungen, Schäden usw. gesehen werden.
VG, Matthias -- ___________________________________ Produktionen im Rahmen der "The Computer Art Community" (Demoszene): https://demozoo.org/sceners/64936/, YT-Kanal: https://www.youtube.com/@4lpha0ne/videos Aktuelle Projekte: GDC-Analysen für Grafikeffekte u. Demo/Game-Framework, universelles BIC-Modul auf Pico-Basis, Packer mit sehr kleinem 6502-Dekompressor HW: BIC, MSX2+, KC87, KC85/2-4, KCC, LC-80, PC1715, C64, C16, Plus/4, A500, A1200, Mega 65, µCs ... Dieser Beitrag wurde am 24.06.2026 um 13:22 Uhr von Dresdenboy editiert. |