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Heute, 16:17 Uhr
alberich
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Ein Hallo ins Forum,
vor ein paar Wochen erreichte mich der Hilferuf eines Ingenieurbüros in NRW. Das Ingenieurbüro supportet u.a. kleine mittelständige Firmen, in dem hier speziellen Fall eine Dreherei, welche eine DDR-Werkzeugmaschine (Fräsmaschine) vom Typ FUW315/8 in Nutzung hat (Hergestellt vom ehemaligem VEB Werkzeugmaschinenfabrik Auerbach, Zweigbetrieb vom "Fritz Heckert" Kombinat) und welche nach Jahren der Nutzung ausgefallen ist. Laut der ersten Information die mich erreichte, ging man dort von einem Fehler der in der Maschine verbauten EFE700-Steuerung aus, was sich jedoch als nicht plausibel ergab. Hauptfehler war, das der im Steuerschrank eingebaute TDR20 keine Betriebsbereitschaft an die EFE700-Steuerung rückgemeldet hat und somit die Maschine nicht funktionsfähig war. Als erste Maßnahme zur Hilfe landeten alle dort verfügbaren Unterlagen (Papierform) als Kopie auf meinem Arbeitsplatz. So konnte ich mir einen Überblick darüber verschaffen, wie der TDR20 von der EFE700-Steuerung angesteuert wird bzw. was er der EFE700-Steuerung rückmeldete. Im ersten Stepp der aktiven Unterstützung (alles per Handy, vorm PC sitzend und bidirektionaler Kommunikation) sollte sichergestellt werden, dass alle notwendigen Versorgungsspannungen im Schaltschrank korrekt gebildet werden und im Range vorhanden sind. Eingeschlossen die Versorgungsspannungen intern im TDR20. Letzteres erwies sich als Sackgasse, da es nicht möglich war, das Netzschütz für die 400VAC-Versorgung des TDR20 in Selbsthaltung zu bekommen. Grund dafür, der Taster für Steuerung Ein und das Netzschütz waren direkt in der EFE700-Steuerung verdrahtet, die Selbsthaltung incl. der Bedingungen dafür erfolgte quasi im Anwenderprogramm. Wie üblich gab es weder einen Programmausdruck noch eine Programmbeschreibung oder Ablaufplan des Steuerungsprogramms. Vor Ort gab es zusätzlich auch keine Kompetenz hinsichtlich SPS-Steuerungen, speziell von DDR-SPS-Steuerungen. So wurde der EPROM der EFE700-Steuerung der Maschine zu mir auf die Reise geschickt, ich habe diesen am PRG710 ausgelesen, rückübersetzt und anschließend das Programm Zeile für Zeile analysiert und die Programmfunktionen mit Kommentaren versehen. Die Erkenntnis aus dem Steuerungsprogramm, die Selbsthaltung vom Hauptschütz des TDR20 konnte nicht in Funktion treten, da keine Rückmeldung vom TDR20 an die EFE700-Steuerung kam, die Katze biss sich hier in den Schwanz. Damit war ersichtlich, das die Ursache 100%-ig vom TDR20 ausging. Über Umwege hier aus dem Forum erhielt ich die Information, dass Holm Tiffe TDRxx-Geräte bereits repariert hatte. Über eine Kontaktaufnahme zu Holm kam ich zu relevanten Informationen zum TDR20 und zur Herangehensweise bei der Ursachenforschung. Als nächsten Schritt erstellte ich eine Ablaufbeschreibung zur Suche nach dem Verursacher auf den Platinen des TDR20 (Netzteil- und Steuerungsplatine), übersendete einen Hardware-Logiktester nach NRW und lies dort die logischen Pegel an relevanten Stellen auf der Steuerungsplatine überprüfen und eine Sichtung bestimmter Bauteile durchführen (siehe Teilbild folgend).

Die Betriebsbereitschaft des TDR20 wird über das Relais K1 an die EFE700-Steuerung rückgemeldet, welche aus einer Summenmeldung dreier Signale gebildet wird. Aber die mit dem Hardware-Logiktester ermittelten Pegel passten überhaupt nicht zu den offline gedanklich gebildeten Signalzuständen. Nächster Stepp, wieder mittels Handy und bidirektionaler Kommunikation, ging dann ins Detail der Steuerungsplatine vom TDR20. Es gab einen Umstand der passte nicht ins erwartete Bild. Alle intern gebildeten Steuerspannungen waren auf der Netzteilplatine des TDR20 vorhanden. Jedoch lagen die ca. 22VAC/50Hz (siehe Teilschaltung oben) nicht an X7/11 an. Und jetzt kommt der Umstand, den ich bis dato nicht nachvollziehen kann (siehe Teilbild folgend).

Die Versorgungsspannung von +13,5VDC, die der MA7812 mit seiner externen Beschaltung erzeugt, incl. der negativen Spannung, erzeugt über A2 und V8, waren korrekt messbar auf der Netzteilplatine und auf der Steuerplatine des TDR20. Und trotzdem kamen die ca. 22VAC/50Hz nicht in Richtung A290 (siehe Teilschaltung oben) an. Die eigentliche Ursache für die Störung am TDR20 waren vergammelte Sicherungshalter, das typische DDR-Übel. Ich versteh es nur nicht, wieso die DC-Ausgangsspannungen messbar waren und auch den nötigen Betriebsstrom für die Elektronik des TDR20 geliefert haben und die ca. 22VAC/50Hz nicht. Die Leiterbahn für die Anbindung zu A7/11 auf der Netzteilplatine geht direkt vom verlöteten Sicherungshalter ab, weist keinerlei Unterbrechungen, kalte Lötstelle, Haarrisse etc. auf. Ist mir unverständlich, wie das möglich ist. Nach Reinigung der Sicherungshalter/Sicherungen als erste provisorische Maßnahme lief der TDR20 sofort wieder. Als nachhaltige Abstellmaßnahem werden alle Sicherungshalter und die Sicherungen von F1, F2, F5 und F6 noch getauscht. Die erst einmal zur Ursache für den Ausfall der Fräsmaschine.
Jetzt noch ein zweites Detail. Auf der Bedienkonsole der Fräsmaschine gibt es eine zweistellige Sieben-Segment-Anzeige, welche direkt von Ausgängen der EFE700-Steuerungen angesteuert wird und zweistellig Fehler in numerischer Form (von 0 - 35) dem Bediener zur Verfügung stellt (siehe Teilbild folgend).

Wie realisiert man mittels 5Bit eine zweistellige numerische Anzeige? Hat hier jemand Kenntnis, ob in der Bedienkonsole dann noch eine extra Elektronik verbaut wurde? Würde mich dringend interessieren.
Zusammenfassend ein DDR-Maschinen-Urgestein vom "Heckert-Kombinat" macht weiter Karriere in den alten Bundesländern. Ist doch eine schöne Meldung.
alberich -- Der Mensch, der eine gute Tat vollbracht hat, soll nicht viel Aufhebens davon machen, sondern zu einer neuen schreiten. (Marc Aurel) |