Elektronische Blindleistungsregler

Von Seiten der Energieversorgung bestand die Forderung, die drei Netz-Phasen gleichmäßig zu belasten und außerdem die Phasenverschiebung (Cosinus phi) auszugleichen. Großverbraucher (Industrie) hatten daher die Aufgabe, die Phasenverschiebung, die durch ihre Maschinen hervorgerufen wurde, zu messen und durch Zuschalten von Kondensatorbatterien auszugleichen. Ab den 1980er Jahren wurde dies unter Zuhilfenahme von Computersteuerungen gemacht.


Energiesteuerrechner AKS

Im Mansfeld Kombinat wurden elektrische Schmelzöfen mit 1-Phasen-Strom-Betrieb eingesetzt.
Da Phasenverschiebung und Phasenbelastung bei den Schmelzöfen nicht konstant waren, entwickelte Mansfeld die Automatische Kompensier- und Symmetriereinrichtung (AKS). Dieses rechnergesteuerte Gerät tastete die Netzspannung ab und errechnete die notwendigen Korrekturgrößen, die dann durch Zuschaltung großer Kondensator-Batterien wirksam wurden.
Ursprünglicher Auftraggeber für das Projekt war die Firma "VEB Lokomotivbau-Elektrotechnische Werke 'Hans Beimler'" in Hennigsdorf (LEW Hennigsdorf).


Steuerrechner AKS

Innenansicht. Unten die Vorsatzkarte, oben die PC4

Intern bestand die AKS aus 2 Platinen: der Rechnerkarte PC4 und der Vorsatzkarte. Erstere enthielt den Rechner sowie die Interface-Schaltkreise; letztere sorgte für die galvanische Trennung und die Digitalisierung von analogen Messgrößen sowie zur Leistungsverstärkung. Die Zuschaltung der Kondensatorbatterien wurde dann mit Schaltschützen realisiert.


Rechnerplatine PC4

Vorsatzkarte

Anschlussfeld der AKS

Zur Programmierung des AKS wurde der Rechner MPC2 benutzt. Die Programmierung erfolgte in einem speziellen BASIC-Dialekt. Dabei wurden die Quelltexte jeweils in einen Interpreter gelinkt und als ausführbares Programm auf der AKS abgelegt.
Der Datenaustausch zwischen dem MPC2 und der AKS erfolge online über ein Kabel. Dazu wurde der Prozessor der AKS abgeschaltet und der MPC übernahm per Busverbinder die Kontrolle über die AKS.

Als Verbesserung wurde die Platine PC4 später durch die Platine PC4.1 ersetzt, die über mehr Schnittstellen verfügte und einen auswechselbaren Speicher besaß.

Heute ist nur noch die Existenz 1 Exemplars der AKS bekannt.



Elektronischer Blindleistungsregler EBR52

(ebr 52, ebr-52)

Der VEB Elektro-Anlagenbau Zwickau produzierte ab 1985 ein kleines Gerät, das zur Messung der Netzphasenverschiebung und deren Ausgleich diente. Für letzteres standen je nach Variante 6 oder 12 Ausgänge zur Verfügung, über die Kondensatorbatterien zugeschaltet wurden. Das Gerät wurde intern durch einen Einchipmikrorechner U8820 gesteuert.


Blindleistungsregler EBR52

Rückseite des Geräts

Rechnersteuerung des EBR52

Der EBR52 war nicht das erste Gerät dieser Art des Herstellers. Die älteren Gerätegenerationen waren allerdings nicht mit einer Rechnersteuerung ausgerüstet.

Ein Exemplar des EBR52 hat im Rechenwerk Halle überlebt.

Letzte Änderung dieser Seite: 22.12.2025 123Herkunft: www.robotrontechnik.de