Baggerprogrammsteuerung BPS5000

(Alias BPS 5000, BPS-5000, BPS 5010, PBS-5010)

Ein Großteil des Energiebedarfs der DDR wurde aus Braunkohle gedeckt, die im Land im Tagebauen gefördert wurde und für deren Abbau die DDR selbst die Schaufelrad-Baggertechnik herstellte. Um Energieeinsatz und Verschleiß gering zu halten und stabile, optimale Förderergebnisse zu bekommen, war es sinnvoll den Abbauvorgang per Computersteuerung zu optimieren. Zuständig dafür war der VEB Automatisierungsanlagenbau Cottbus, als Finalproduzent trat der "VEB Starkstromanlagenbau Cottbus" auf.

Für die ganz großen Bagger (Förderbrücke F60) kamen Audatec-Anlagen zum Einsatz, für die etwas kleineren Bagger die BPS5000. Zum Arbeitsumfeld eines solchen Baggers gehörte das Abbauen von Erdschichten, das Glätten von Oberflächen (Planum) und die Erstellung von Böschungen.

BPS5000 war vermutlich die Gruppenbezeichnung für mehrere perspektivische Steuerungstypen. Daraus wurden mindestens die BPS5010 und die BPS5011 abgeleitet (wobei erstere vielleicht nur eine Gruppenbezeichnung war): ob es weitere gab, ist noch unbekannt. Die Produktion der BPS begann 1985 und endete vermutlich zusammen mit der DDR und der damit verbundenen Auflösung des Herstellers.


Schaufelradbagger mit BPS-Steuerung

Führerkanzel eines Baggers. Der BPS-Bildschirm fehlt.

Die Anlage bestand aus einem Steuerschrank, einem Bildschirm, diversen Anzeigelämpchen und Tastern, Sensoren und Aktuatoren. Die Bewegung und die Lage des Baggers wurden über Impulsgeber erfasst. Mit Hilfe der im Rechner eingestellten Sollwerte steuerte die BPS die Antriebe des Baggers nach. In den Antrieben des Baggers waren mehrere Steuerungen PS2000 verbaut, die ihrerseits auf Fahr-, Schwenk- und Hubwerk einwirkten. Im Notfall konnte der Bagger auch manuell ohne BPS betrieben werden.


BPS-Bildschirm

BPS-Tastatur

BPS-Rechnerschrank

Typenschild einer BPS

Das Anlagenschema des Baggers

Im Rechnerschrank befand sich das Herz der Steuerung: ein K1520-Computer auf Basis Ursadat 5000 von EAW, ergänzt um Ursalog4000-Komponenten. Platinenbestückung der K1520-Kassette:

SteckplatzNameKürzelBedeutungErklärung
1 929331DA-R Digitalausgabe Relais24 Kanäle
2 929331DA-R Digitalausgabe Relais24 Kanäle
3 929315AE-AGAnalogeingabe aktive Geber
4 929305AE-G Analoge Eingabe mit 16-Kanal-Multiplexer128 Kanäle
6 012-6825ABS Adapter für Bildschirm80x24 Textmodus
7 929323UIZ Impulszähler4 Kanäle, Messung Schwenkgeschwindigkeit
8 929321DEM Digitale Eingabe, multiplex128 Kanäle. Für Tastatur.
9 929320DES Digitale Eingabe16 Kanäle
11929302AA-1KAnaloge Ausgabe, 1 Kanal
12012-7025VLA VerlängerungsadapterAnkopplung zweite Sloteinheit
13929329IA Impulsausgabe
14012-7015OPS Operationsspeicher4 KByte RAM
15012-7015OPS Operationsspeicher4 KByte RAM
16012-7045PFS Programmierbarer Festwertspeicher16 KByte ROM
18012-7045PFS Programmierbarer Festwertspeicher16 KByte ROM
19929320DES Digitale Eingabe16 Kanäle
20939708KAB KaskadenbrückeMit Reset-Taster
21939705KOMO Koppelmodulfür Bediengerät
22012-7045PFS Programmierbarer Festwertspeicher16 KByte ROM
24012-7105ZVE Zentrale VerarbeitungseinheitU880, mit 1 KByte RAM und 3 KByte ROM

Die Bildschirmanzeige beschränkte sich, bedingt durch die benutzte Bildschirmkarte, auf alphanumerische Zeichen und Balkendiagramme.

Von der BPS5000 hat ein Exemplar samt Bagger im musealen Umfeld überlebt, allerdings nicht mehr funktionsfähig. Im produktiven Einsatz werden wohl keine Exemplare mehr sein.


Baggerprogrammsteuerung BPS720

(Alias BPS 720, BPS-720)

Diese Steuerung war der Vorgänger der BPS5000. Leider liegen noch keine näheren Informationen vor.



Letzte Änderung dieser Seite: 22.12.2025 123Herkunft: www.robotrontechnik.de