Zubehör für Buchungsmaschinen

Zur Erweiterung der Funktionalität ihrer Rechner wurde eine Vielzahl an Zusatzgeräten hergestellt. Hauptproduzent war das Buchungsmaschinenwerk in Chemnitz. Die Module wurden im wesentlichen an den Buchungsautomaten Ascota 170, Ascota 071 und Optimatic eingesetzt.

Die Module wurden entweder beim Kauf des Rechners gleich vom Hersteller angebaut, alternativ konnten die Maschinen aber auch nachträglich umgerüstet werden, allerdings wurde dies aufgrund des teilweise großen Zerlegeaufwandes nicht bei allen Modulen empfohlen.


Multiplizierwerk R12

Dieses Gerät war der erste Versuch, den Buchungsmaschinen Ascota 170 und Optimatic eine Multiplikation zu ermöglichen. Weitere Informationen befinden sich auf einer separaten Seite.


Buchungsmaschine Optimatic mit Rechenmodul R12

In der Buchungsmaschine wird die Ansteuerung des R12 genauso funktioniert haben wie beim Nachfolgemodell TM20.

Vom R12 ist heute nur noch 1 Exemplar bekannt, leider nicht mehr in funktionsfähigem Zustand.


Multiplizierwerk TM20

Dieses Gerät wurde ab Mitte der 1960er Jahre vom Buchungsmaschinenwerk produziert und stellte einen elektronischen Koprozessor für die Ascota 170 dar. Das TM20 war in der Lage, zwei maximal zehnstellige Dezimalzahlen zu multiplizieren, das Rechenergebnis war zwanzigstellig (dezimal). Grund für die Entwicklung dieses Gerätes war die Tatsache, dass die Ascota 170 von Haus aus keine Multiplikation beherrschte. Die Versuche, Multiplikationen mechanisch durch wiederholte Additionen auszuführen, waren auch nur schwache Lösungen, da sie unflexibel waren und sehr viel Rechenzeit benötigten. Eine verkürzte mechanische Multiplikation, wie sie bei der Ascota 114 bzw. Ascota 314 realisiert wurde, wäre zwar auch bei der Ascota 170 denkbar, wurde aber nie realisiert, vielleicht auch, weil die Ascota 170 die ältere Entwicklung war. So favorisierte man von Anfang an einen elektronische Lösung. Anfangs sollte dafür der Rechner R12 benutzt werden, der wurde dann aber sehr schnell durch den wesentlich kleineren, auf Germaniumtransistoren basierenden TM20 abgelöst.


Transistormultiplizierer TM20

Transistormultiplizierer TM20

TM20-Leiterplatten

Der TM20 bestand aus einer Sloteinheit, in die Leiterplatten gesteckt wurden und in die auch ein Netzteil und z.T. ein Kühlventilator eingebaut war. Der TM20 ist ein frühes Beispiel des Versuchs, Baugruppen durch Modularisierung zu verkleinern: Auf die Leiterplatten wurden mehrere vorbestückte Sub-Leiterplatten gelötet, die jeweils eine logische Funktion erfüllten und die ggf. als Modul ausgetauscht werden konnten. Ein TM20 beinhaltete ca. 150 Transistoren und 510 Dioden.

Um das TM20 einsetzen zu können, musste die Ascota 170 entsprechend vorbereitet werden (entweder schon beim Kauf oder durch Nachrüstung). Da die Programmabtastung der Ascota 170 normalerweise nur mechanische Vorgänge auslöste, wurde die Maschine mit einer zweiten, parallel laufenden Programmbrücke (sog. Kontaktbrücke) nachgerüstet, mit der bei jedem Programmschritt 16 Schalter per Programmstecker ausgelöst werden konnten. Zur zeitlichen Steuerung wurden außerdem an der Hauptwelle der Maschine Nockenschalter angebaut. Die Kopplung mit der Ascota 170 erfolgte über zwei Kabel. Der TM20 besaß keine Bedienelemente und wurde daher üblicherweise im Rechnertischkasten versteckt. Die Ferneinschaltung des TM20 erfolgte durch einen Schalter an der Vorderseite Ascota 170.

Die Multiplikation lief dann wie folgt ab: In der Ascota 170 befanden sich zu diesem Zweck zwei softwareseitig ansteuerbare Schaltermatrizen, in die die beiden Faktoren in zwei separaten Rechenschritten hineingeschoben wurden,wo diese Zahlen gespeichert wurden. Dann gab die Ascota 170 den Startbefehl für die Multiplikation. Der TM20 errechnete das Ergebnis und gab dieses ziffernweise an die Ascota 170 zurück, diese dekodierten den Binärwert zunächst in eine Dezimalziffer und drückte diese per Elektromagneten in eine mechanische Ergebnismatrix. Anschließend konnte der Inhalt der Ergebnismatrix von den als Rechnerbus fungierenden Zahnstangen ausgelesen und der Zahlenwert weiter verarbeitet werden.

Um das zwanzigstellige Ergebnis auf die zwölfstellige Ascota 170 anzupassen, konnten programmgesteuert und manuell eine bestimmte Anzahl an (niederwertigsten) Ziffernstellen gestrichen werden. Auf diese Weise konnte auch mit Faktoren kleiner als 1 gerechnet werden (z.B. Prozentrechnung).

Da die TM20 damals teuer uns selten waren, ersann der Hersteller die Möglichkeit, dass sich zwei (im gleichen Raum befindliche) Ascota 170 über einen Verteiler ein TM20 teilen konnten. Wollten beide Maschinen gleichzeitig multiplizieren, wurde eine davon automatisch verzögert, bis das TM20 von der anderen Ascota 170 wieder freigegeben wurde.

Das TM20 wurde später durch das MD24 abgelöst, das denselben Funktionsumfang besaß und zusätzlich auch dividieren konnte.

Vom TM20 existieren heute noch einige Exemplare, aber anscheinend keins in Funktion. Im Deutschen Chemiemuseum Merseburg sind wir dabei, eine Ascota 170 mit TM20 zu reparieren.


Multiplizier- und Dividierwerk MD24

(auch als "TM20-IS" bezeichnet)
Das MD24 war der Nachfolger des TM20 und wurde in der Sowjetunion gebaut, die noch in den 1980er Jahren ihre Büros mit Ascota 170 ausrüstete (eine Zeit, in der in der DDR langst elektronische Rechner die mechanischen Rechner abgelöst hatten). Im Gegensatz zum TM20 besaß das MD24 auch die Fähigkeit zu dividieren; eine Rechenart, die die Ascota 170 nicht von Haus aus beherrschte.


Rechenmodul MD24

Rechenmodul MD24

MD24-Leiterplatte

Unterseite der Ascota170-MD24

Das MD24 war wesentlich kleiner als das TM20 und basierte auf integrierten Schaltkreisen. Es besaß vier Leiterplatten, die zusammen mit dem Netzteil in einer Sloteinheit steckten.

Um das MD24 einsetzen zu können, musste die Ascota 170 entsprechend vorbereitet werden (entweder schon beim Kauf oder durch Nachrüstung).

Die Schrittfolge der Rechnung war ähnlich wie beim TM20.

Vom MD24 und seiner zugehörigen Ascota 170 ist heute nur noch 1 Exemplar bekannt, leider in defektem Zustand. Es befindet sich im Deutschen Chemiemuseum Merseburg.


Lochbandeinheit LB

Diese Einheit konnten an den Buchungsmaschinen Ascota 071 und Ascota 170 betrieben werden und ermöglichte den Einsatz der Maschinen zur Datenerfassung (Datenträger Lochband). Damit war es möglich, einen Datenaustausch mit anderen Rechnern (meist Großrechnern) benutzen.

Die variablen Daten dafür lieferte die Buchungmaschine über die Schnittstelle, die wiederkehrenden Datenbestandteile (Konstanten) lieferte der eingebaute Lochbandleser, der mit einem Endloslochband bestückt wurde.


Lochbandtisch für die Ascota071

Lochbandeinheit von vorn

Lochbandeinheit von vorn, geöffnet

Lochbandeinheit von hinten, geöffnet

Bedientastatur und Lochbandstanzer

Die Lochbandeinheit bestand aus einer Sloteinheit, die mit Leiterplatten und einer Stromversorgung gefüllt war. Die Leiterplatten dienten der Kodierung bzw. Dekodierung des Lochbandes und der Ansteuerung von Lochbandleser 301 und Stanzer KBLS. Die Sloteinheit wurde im Tischkasten des Rechners versteckt, Stanzer und Leser kamen an die Vorderseite des rechten Rechnertisches. Oben im Tisch war noch eine Aussparung für das Bedientastenfeld und zum Einlegen der Lochbandrolle für den Stanzer.


Ausgebauter Lochbandstanzer

Ausgebauter Lochbandstanzer

Ausgebauter Lochbandleser

Lochband-Leiterplatteneinheit

Lochband-Leiterplatteneinheit

Zum Einsatz der Lochbandeinheit musste die Buchungsmaschine vorbereitet sein, entweder schon beim Kauf oder durch Nachrüstung. Bei der Ascota 170 hatte man gleich die Modelle genommen, die eine Vorbereitung für die Koprozessoren TM20 bzw. MD24 hatten. Für die Lochbandtechnik wurde dann noch ein Stecker hinten am Rechner hinzugefügt sowie eine dritte Schaltermatrix im Rechner eingebaut, zu deren Gunsten allerdings auf die vierte Speichertrommel verzichtet werden musste. Die Programmbrücke wurde auf 32 Schalter erweitert, um eine Programmierung der Lochbandtechnik unabhängig von den Multipliziereinheiten zu ermöglichen. Eine parallele Nutzung von TM20 bzw. MD24 und dem Lochbandgerät war möglich.

Heute scheint von diesem seltenen Gerät noch zwei Exemplare in Zusammenspiel mit einer Ascota 071 zu existieren sowie schwerbeschädigte Fragmente deiner Anlage im Zusammenspiel mit der Ascota 170. Letztere befindet sich im Deutschen Chemiemuseum Merseburg.


Lochkarteneinheit LK

Diese Einheit konnte als Erweiterung der Buchungsmaschine Ascota 170 benutzt werden. Informationen über ihren Aufbau liegen noch nicht vor. Es ist davon auszugehen, dass die Steuerung ähnlich wie bei der Lochbandeinheit funktionierte.

Die Lochkarteneinheit gilt heute als ausgestorben.


Saldenvorschub TS36

Über dieses Gerät liegen bisher kaum Informationen vor. Wahrscheinlich bestand es aus einem auf den Buchungswagen aufzusetzenden Modul, das selbständig die Zeile der letzten Buchung auf einer einzulegenden Kontokarte fand und daraufhin auf die nächste (freie) Zeile positionierte. Dies könnte entweder durch eine mechanische Abtastung (Kerben/Löcher im Papier) oder magnetisch (Kontenkarten mit eingebautem Magnetstreifen) passiert sein. Als passende Buchungsmaschine gab es die Ascota 170, denkbar wäre auch die Optimatic.


Ascota 170 mit TS36

Ascota 170 mit TS36

Das TS36 gilt heute als ausgestorben.


Verteiler

Da die Koprozessoreinheit TM20 ein damals seltenes und teures Gerät war und diese Geräte nur zeitweise an den Buchungsmaschinen benutzt wurden, wurde vom Hersteller die Möglichkeit geschaffen, zwei Ascota 170 an einem TM20 zu betreiben.


Gekoppelte Ascota 170-TM

Startete eine Ascota 170 eine Multiplikation, erfolgte eine automatische Verriegelung der Multiplikation der anderen Maschine, die dann so lange wartete, bis die erste Maschine mit der Multiplikation fertig war. Da die TM20 sehr schnell arbeiteten, war diese Wartezeit für den Anwender kaum wahrnehmbar.

Inwendig bestand das Gerät hauptsächlich aus Relais.

Der Verteiler gilt heute als ausgestorben.


Konstantenspeicher CTM20

Der Konstantenspeicher bildete eine Art ROM, in dem häufig benutzte Zahlen, beispielsweise Kontonummern und Steuern für die Arbeit mit der Buchungsmaschine Ascota 170 abgelegt werden konnten. Das Gerät bestand aus mehreren Steckmatrizen, in die metallene Kontaktstecker eingesteckt werden konnten. Diese konnten von der Maschine elektrisch ausgelesen und bei den Berechnungen benutzt werden.


Konstantenspeicher

Programmierung des CTM20

CTM20-Steckmatrix

Arbeit am CTM20

Abhängig von der Länge der zu speichernden Zahlen wurden unterschiedliche Varianten des CTM20 hergestellt:

C16x616 Zahlen á 6 Stellen
C32x332 Zahlen á 3 Stellen
C8x6/16x38 Zahlen á 6 Stellen und 16 Zahlen á 3 Stellen
C8x68 Zahlen á 3 Stellen
C16x316 Zahlen á 3 Stellen

Um einen CTM20 zu benutzen, mussten in der Ascota 170 elektrische Komponenten nachgerüstet werden. Dies waren einmal die Nachrüstungen, die für die Koprozessoren TM20 bzw. MD24 notwendig waren, sowie einige CTM20-spezifische Teile.

Das CTM20 gilt heute als ausgestorben.


Numerateur

Der Numerateur war eine Zusatzeinheit, die in die Ascota 170 eingebaut werden konnte, speziell in die Maschinen, die keine oder nur wenige Speichertrommeln hatten. Dieses Modul stelle einen preisgünstigen programmierbaren Zähler dar, der im wesentlichen dazu benutzt wurde, die Anzahl der durchgeführten Buchungen revisionssicher zu protokollieren.

Der Numerateur verfügte über zwei Funktionen: Über einen Trick konnte der Numerateur ggf. auf einen bestimmten Anfangsstand gesetzt werden.

Mechanisch wurde der Numerateur in der Ascota 170 anstelle einer der Speichertrommeln eingebaut.

Bei den speicherseitig hochgerüsteten Modellen hatte man so eine Zählung statt mit dem Numerateur mit einen der Trommelspeicher (Addition mit 1) programmiert.

Der Numerateur gilt heute als ausgestorben.


Gedächtniswerk

Der Numerateur war eine Zusatzeinheit, die in die Ascota 170 eingebaut werden konnte, speziell in die Maschinen, die keine Speichertrommeln hatten. Das Gedächtniswerk war ähnlich aufgebaut wie ein Prozessor, konnte aber weder addieren noch subtrahieren, sondern lediglich eine 12-stellige Zahl in das im Gedächtniswerk befindliche Register schreiben und diesen Wert später wieder zu lesen bzw. zu löschen. Grund für die Existenz des Gedächtniswerks war lediglich eine Kosteneinsparung gegenüber einer Speichertrommel.

Mechanisch wurde das Gedächtniswerk in der Ascota 170 auch an den Platz einer der Speichertrommeln eingebaut.

Bei den Varianten der Ascota 170, die Speichertrommeln besaßen, konnte man die Funktionen des Gedächtniswerks mit einer der Speichertrommeln abbilden, die nebenbei auch die zehnfache Speicherkapazität hatten

Das Gedächtniswerk gilt heute als ausgestorben.


Arabische Maschine

Normalerweise bewegte sich der Druckwagen der
Ascota 170 hinter dem Druckkopf von rechts nach links, ermöglichte also einen Druck von links nach rechts. Die Programmbrücken, die im Buchungswagen saßen, wurden in derselben Richtung abgetastet. Da das Buchungsmaschinenwerk seine Ascota 170 auch in arabische Länder verkaufte, in denen von rechts nach links geschrieben wird, hatte es eine spezielle Maschinenserie mit spiegelbildlich aufgebauten Buchungswagen entwickelt. Die Programme der Maschine mussten dann natürlich auch "rückwärts" programmiert werden.

Die arabische Variante der Ascota 170 gilt heute als ausgestorben.


Hand-Stellenabstreichung

Die Hand-Stellenabstreichung konnte in die
Ascota 170 eingebaut werden und ersetzte zwei der Funktionstasten durch eine Prozenttaste und und eine Promilletaste. In Zusammenspiel mit den Koprozessoren TM20 bzw. MD24 konnte so per Tastendruck eine Division des Multiplikationsergebnisses durch 100 oder 1000 erreicht werden, was für die Prozentrechnung wichtig war. Unabhängig davon konnte eine Stellenabstreichung auch fest programmiert werden, was sicher der Grund für die geringe Verbreitung dieser Maschinenänderung gewesen ist.


Stellenabstreichungstasten

Das Modul bestand aus elektrischen Kontakten sowie einigen Relais, arbeite ausschließlich elektrisch.

Geräte mit Hand-Stellenabstreichung scheinen heute nicht mehr zu existieren.


Automatische Einzugsvorrichtung EV

Hierbei handelt es sich um Geräte, die auf den Buchungswagen der Ascota 170 (und eventuell auch der Optimatic) aufgesetzt wurden und motorgetrieben Pappkarten einziehen und auswerfen konnten. Eine Positionierung der Karte erfolgte im Gegensatz zum TS26 allerdings nicht. Je nach Anwendungsfall wurden Karteneinzüge für unterschiedlich breite Karten angeboten: 210 mm, 297 mm und 420 mm.


Einzugvorrichtung EV

Tasten der EV

Weggeklappte EV

Der Einzug hatte zwei Bedientasten: Einzug und Auswurf. Wurde der Einzug gerade nicht gebraucht, konnte er nach hinten geklappt werden. Die Kopplung des Einzuges mit der Ascota170 erfolgte über ein Kabel. Um den EV benutzen zu können, mussten in der Ascota 170 Teile nachgerüstet werden. Eine kleine Elektrikeinheit wurde außerdem im Tischkasten untergebracht.

Die EV gilt heute als ausgestorben.


Doppelte Vorsteckeinrichtung VE2K

Bei diesem Gerät handelt es sich um eine auf den Buchungswagen der Ascota 170 (und eventuell der Optimatic) aufsetzbare Einheit, die den motorgetriebenen Einzug und Auswurf zweiter Karten nebeneinander ermöglichte.

Die VE2K gilt heute als ausgestorben.


Postscheck-Einzugsautomat

Über dieses heute als ausgestorben geltende Gerät liegen leider noch keine Informationen vor.




Letzte Änderung dieser Seite: 04.02.2012Herkunft: www.robotrontechnik.de