Fehlkonstruktionen

Nein, es war nicht alles gut bei der DDR-Rechentechnik. An einigen Stellen hatten die Konstrukteure richtig daneben gelangt. Sei es deswegen, dass bessere Materialien nicht verfügbar waren oder dass sie es nicht besser wussten.

Sicherungen / Sicherungshalter

Feinsicherungen und Sicherungshalter bestanden in der DDR meist aus unterschiedlichen Materialien. Unter Einwirkung der Luftfeuchtigkeit kommt es daher immer wieder zu Kontaktkorrosionen, was dazu führt, dass aufgrund der sich bildenden Oxydschicht kein Strom mehr zwischen Sicherungshalter und Sicherung fließt und das Gerät funktioniert dann nicht mehr. Diese Korrosion ist heute wahrscheinlich die häufigste Ausfallursache an allen Geräten der DDR-Computertechnik. Nicht selten kriecht die Korrosion auch in die Sicherung hinein und zerstört dort das Sicherungsdrähtchen.

Man kann die Situation verbessern, indem man Sicherung und Sicherungshalter reinigt (Glashaarpinsel, rotierende Drahtbürste, Schlüsselfeile) und die Flächen mit Öl oder Kontaktspray versiegelt.

Die Sicherungshalter zur Leiterplatteneinlötung hatten noch einen zweiten Generalfehler: Auf einer Seite der U-Förmigen Klemmen wurde bei der Produktion der minimale Biegeradius an der 90°-Abwinkelung unterschritten. Daher kommt es häufig vor, dass die Klemme an dieser Stelle bricht, was durch Wackelkontakte auch das gesamte Gerät gefährdet. Außer dem Austausch der betroffenen Klemmen ist nach vorheriger Reinigung auch eine Reparatur der Klemmen durch einen dicken Tropfen Lötzinn auf der Innenseite möglich.

Zeilentrafos der ÜHA-Serie

In den Bildschirmen der 8-Bit-Rechner (meist K7221 und K7222) wurden die Zeilentrafos ÜHA75 und ÜHA78 aus dem VEB ELFEMA Mittweida eingesetzt. Deren gelbe Vergussmasse ist nicht langzeitstabil und so neigt die Sekundärspule dazu zu reißen, was sich in heftigem Essiggeruch und dem Ausfall des Bildschirms (kein Bild mehr) äußert. Nicht selten wird dabei auch die Horizontalendstufe durch Überlastung zerstört. Diese Zeilentrafos sind die häufigste Fehlerursache bei Bildschirmen und machen damit auch den Bildschirm zur instabilsten Komponente des Rechnersystems.

Ob die Ursache in von außen eindiffundierender Luftfeuchtigkeit oder in einer internen Zersetzung der Materialien liegt, ist bislang nicht sicher. Einen sicheren Schutz vor diesem Defekt gibt es leider nicht. Es scheint, dass Geräte, die trocken gelagert und regelmäßig genutzt werden, weniger anfällig dafür sind, also welche, die lange Zeit nicht betrieben wurden und in feuchtem Klima lagerten. Eine behutsame Inbetriebnahme in vorerst nur kurzer Betriebsdauer scheint auch förderlich zu sein.

Das Problem besteht darin, dass neue ÜHA-Zeilentrafos sehr selten sind, ausgebaute Exemplare aus Ersatzteilspender-Geräten nicht selten auch nach wenigen Minuten kaputt gehen und es keine modernen äquivalenten Bauteile gibt.

Im Bastlerumfeld gibt es drei Ansätze zur Reparatur der Trafos, die allerings alle recht aufwändig sind: In der DDR wurde das Problem erst mit dem Einsatz von Epoxydharz als Vergussmasse bei den Bildschirmen K7226 und K7229 gelöst.

NC-Akkus

Die 1,2V-Zellen aus dem VEB Grubenlampenwerk Zwickau wurden benutzt, um wichtige Daten (z.B. Uhrzeit oder RAM-Inhalt) bei einem Stromausfall zu schützen. Die kleinen Knopfzellen (in Tablettengröße) erfüllten diesen Zwecke auch recht gut, die größeren hingegen (in der Größe eines Spülmaschinen-Tabs) neigten fürchterlich zum Auslaufen. Betroffene Geräte waren z.B. Audatec, die Sparkassenvariante des K8924, K8905.14, EKR86 und ESN03. Der Hersteller gab für die Akkus nur eine Lebensdauer von 1-2 Jahren an. Nach der Zeit sollten die Akkus prophylaktisch getauscht werden, was aber unpraktikabel war. Geräte, in denen heute noch die alten Akkus drin sind, sind fast 100% von dem Problem betroffen, was nun zu langwierigen Reinigungs- und Reparaturarbeiten führt.

Die Akkus waren meist direkt mit Klemmen auf den Leiterplatten untergebracht. Die auslaufende Akkuflüssigkeit (Natronlauge) ist ätzend und zerstört sowohl die Leiterbahnen auf den Leiterplatten (auch bei Schutzlackierung), die Anschlussdrähte der Bauteile und auch mechanische Komponenten.

Eine chemische Entfernung der entstandenen Korrosionsschichten ist anscheinend nicht möglich, somit bleibt nur die mechanische Reinigung (Glashaarpinsel, Messer, Schraubenzieher, Drahtbürste), ggf. die Erneuerung der Leiterbahnen durch aufgeklebte Drähte. Durch leichtes Einölen der betroffenen Flächen lässt sich eine erneute Korrosion verhindern.

Hart-PVC-Gehäuse

Gehäuse aus Hart-PVC haben die unangenehme Eigenschaft, dass die zu "schmelzen" beginnen, wenn sie mit den Weichmachern von Weich-PVC (z.B in der Ummantelung von Kabeln enthalten) in Berührung kommen. Die Folge sind Spuren auf den Gehäusen die aussehen, als wäre man mit den heißen Lötkolben darauf los gegangen. Typische Vertreter von PVC-Gehäusen waren die Steckmodule für die Dresdner Kleincomputer sowie die Griffschalen der EFS-Stecker.

Das Problem wurde zwar schon innerhalb der DDR erkannt, jedoch bestand die einzige Lösung darin, dass man Geräte so verpackte, dass die Kabel nicht mit den Gehäusen in Kontakt kamen. Wo wurden die Stecker von EFS-Kabeln z.B. in PE-Tüten einschnürt.
Damit wurde zwar verhindert, dass die Geräte schon unsansehnlich beim Käufer ankamen, aber nicht, dass das beim Käufer später doch noch passierte.

Netzschalter auf der Geräterückseite

Eine Unsitte, die leider auch heute noch praktiziert wird: Bedienteile dorthin zu positionieren, wo sie vielleicht technisch am einfachsten sind, aber damit die Bedienung erschweren, weil man entweder um das Gerät herumlaufen oder erst das Gerät aus dem Regal ziehen oder blind nach dem Schalter fingern muss. Typische Beispiele:



Letzte Änderung dieser Seite: 29.11.2016Herkunft: www.robotrontechnik.de