Betriebssystem BOS 1810

Bei BOS handelt es sich um ein Echtzeitbetriebssystem für die Rechner A7100 und A7150.
Seine Aufgabe lag vermutlich im Bereich Maschinensteuerung und Prozessüberwachung.
Da sich in diesen Bereichen die Rechentechnik in der DDR aber nur schwer durchsetzen konnte, erfolgte der Einsatz von BOS1810 nur in ganz seltenen Fällen.
Für normale Büroarbeit war BOS nicht geeignet.

Der Vertrieb von BOS1810 erfolgte durch die Firma Robotron-Projekt Dresden.


Startbildschirm von BOS1810

Verzeichnisauflistung unter BOS1810

BOS1810 ist modular aufgebaut. Es besitzt einen Kernel, an den der Anwender seine (selbst zu schreibenden) Anwenderprogramme hinzufügen konnte.

Typisch für Echtzeitbetriebssysteme ist, dass die meisten Programme im Hintergrund (Multitasking) abgearbeitet werden, der Anwender seinen Kommandoeingabeprompt also nicht verlässt. Typisch auch das ständige Flackern der Prozessor-Bereitschaftsanzeigen am Rechner, da ständig Hintergrundprozesse abgearbeitet werden.
Den gestarteten Prozessen wird eine Priorität zugeordnet, mit der die Prozesse dann parallel abgearbeitet werden. Um eine Beeinflussung der Prozesse untereinander zu vermeiden, wird vom Speicherschutz Gebrauch gemacht. Jedes Programm erhält als einen eigenen Speicherbereich, den es auch nicht verlassen kann. Datenaustausch zwischen den Prozessen wird über spezielle Nachrichtenkanäle (messages) gemacht.

BOS ist mit einem hierarchischen Dateisystem ausgestattet, welches auf den ersten Blick dem von UNIX ähnelt. Unterschiedlich zum UNIX ist, das es keinen Befehl zum Wechseln des Verzeichnisses gibt. Alle Programme und Dateien werden also aus dem "home-Verzeichnis" heraus aufgerufen, notfalls mit Angabe ihres kompletten Pfades. Zu jedem Objekt können Berechtigungen festgelegt werden, da BOS1810 auch die Arbeit von mehreren Nutzern unterstützt.

An Hardware unterstützt BOS: Ob BOS1810 die Grafikfähigkeit des Rechners nutzen konnte, ist nicht bekannt. Zumindest gab es unter BOS eine Datei zum Updaten der Grafik-Firmware, was auf eine derartige Nutzung hin deutet.

Die Softwareentwicklung unter BOS erfolgt in den Sprachen PLM, Assembler oder Fortran.
Fertige Anwenderprogramme worden entweder nicht oder nur in ganz geringem Maße vertrieben.

Einen Vergleich der wichtigsten Befehle bei den unterschiedlichen Betriebssysteme findet man hier.

BOS1810 wurde auf 14 Disketten ausgeliefert und in der Regel auf der Festplatte installiert. Der Preis für einen BOS-Diskettensatz betrug 15000 Mark.
Leider scheinen heute alle BOS-Installationsdisketten ausgestorben zu sein.

Wer besitzt noch BOS1810-Disketten?



Letzte Änderung dieser Seite: 29.11.2016Herkunft: www.robotrontechnik.de