Computergesteuerte Strickmaschinen von Textima

Mitte der 1980er Jahre ging die Firmen Elite Diamant sowie VEB Wirkmaschinenbau in Karl-Marx-Stadt (Chemnitz) dazu über, Mikrorechner in ihre Textilmaschinen einzubauen. Bedingt durch die lange Lebensdauer der Maschinen, die hohen Produktionskosten der EDV und die Probleme bei der Beschaffung von EDV-Technik konnten sich die computergesteuerten Maschinen aber nur punktuell gegen die älteren Textilmaschinen mit mechanischer Steuerung durchsetzen.


Strickware, auf einer der Computermaschinen hergestellt.

Strickware, auf einer der Computermaschinen hergestellt

Stricknadeln einer Comnit-Maschine


Strickmaschine Textima Diamant 5480

Die Maschine "FRJ5480" war eine Flachstrickmaschine (diente also zur Erstellung flächenhafter Stoffe), hergestellt von der Firma Elite Diamant. Im Gegensatz zu Webmaschinen wird bei Strickmaschinen nicht mit straff gespannten Fäden, sondern mit relativ losen Maschen gearbeitet. Der entstehende Stoff ist damit elastisch in allen Richtungen dehnbar. Typische Anwendung dafür war die Herstellung von Pullovern in der Bekleidungsindustrie.

Als Steuerrechner kam ein Computer auf Basis des Mikrorechnersystems K1520 zum Einsatz, wobei neben den Standardplatinen von Robotron auch von Textima hergestellte Spezialplatinen zum Einsatz kamen, so z.B. die Ein-Ausgabekarten zur Steuerung der Nadeln. Zur Stromversorgung kamen die bewährten Netzteile der 1. Generation zum Einsatz.

Die Software der Maschine basierte auf dem Betriebssystem SIOS und befand sich auf einer EPROM-Karte im Rechner, von der die Maschine auch bootete. Die Auswahl des Musters erfolgte durch eine 5¼-Zoll-Diskette, die in das Bedienpult der Maschine einzulegen war und extern auf einem CAD-Arbeitsplatz erstellt wurde.

Es gab mehrere Varianten der FRJ5480:

Es ist nicht auszuschließen, dass heute noch irgendwo Maschinen dieses Typs im Einsatz sind. Mit ziemlicher Sicherheit werden aber die alte Computersteuerung und der CAD-Entwurf durch moderne Rechner ersetzt worden ein. Die abgebildete Maschine FRJ5480/17wurde im Jahr 2005 verschrottet.


Strickmaschine 5480/17

Die FRJ5480/17..18 hatten weder Bildschirm noch Tastatur: die Ein-und Ausgaben wurden durch Lampen und Taster auf dem Bedienpult realisiert.


Textima Diamant 5480/17

Rückseite der Textima Diamant 5480/17

Textima Diamant 5480/17

Das Bedienpult der 5480/17 mit den Diskettenlaufwerk

Hinter dieser unscheinbaren Abdeckung...

...verbirgt sich der Rechner

Draufsicht auf eine Steuereinheit

Garnspulenhalter

Schaltwerk der 5480

Jacquardeinrichtung



Strickmaschine 5480/19

Die FRJ5480/19..21 besaßen einen Röhrenbildschirm, später dann ein Flachdisplay.


Textima Diamant 5480/21, alte Variante

Textima Diamant 5480/21, neue Variante

Bildschirm an der FRJ5480

Flachdisplay an der FRJ5480

Mechanik der FRJ5480

Schlitten der FRJ5480



Platinenbestückung der 4518/17

PlatineK-NameKürzelBedeutung des KürzelsErläuterung
8012-0110-JFS?Digitalausgabe zur Fadensteuerung (von Textima)
8012-0121-IFS?Digitaleingabe (von Textima)
012-7120K3525OPSOperationsspeicher16k RAM
012-7120K3525OPSOperationsspeicher16k RAM
062-8450?PFSProgrammierbarer Festwertspeicher16k ROM
8012-0101-??Digitale Ein-Ausgabekarte (von Textima)
062-8250K5120AMFAdapter für MinifolienspeicherFloppycontroller
062-8110K2525ZREZentrale RecheneinheitProzessoreinheit


Strickmaschine Textima Comnit

Diese Flachstrickmaschine wurde im VEB Wirkmaschinenbau produziert und war vermutlich die modernste Strickmaschine der DDR. Technische Daten liegen leider noch nicht vor.


Strickmaschine Textima Comnit

Strickmaschine Textima Comnit

Strickmaschine Textima Comnit

Strickmaschine Textima Comnit

Bildschirm der Comnit

Bildschirm der Comnit



CAD-Arbeitsplätze für die Textilindustrie

Die Strickmuster für die 5480 und die Comnit wurden auf CAD-Rechnern entworfen, anschließend auf Diskette gespeichert und dann von Diskette in die Strickmaschine eingelesen. Es gab zeitlich gestaffelt mehrere Varianten von CAD-Arbeitsplätzen:

CAD-Platz auf Basis A5120

Dieser vom Textima entwickelte Arbeitsplatz benutzte als Kernstück den Bürocomputer Robotron A5120 von Robotron, (betrieben mit dem Betriebssystem SIOS), ergänzt mit einem Bildschirm K7225, einem Grafiktablett K6405, einem Drucker SD1152 und ggf. einer westlichen Farbkamera.


CAD-Arbeitsplatz Typ 1

CAD.Arbeitsplatz Typ 1 mit Kamera

Strickmuster auf dem Farbbildschirm

Das Grafiktablett war gegenüber der Standardvariante verändert, u.a. durch andere Firmware. Die zusätzliche Grafikkarte für den Farbbildschirm wurde ebenfalls von Textima bereitgestellt. Wie die Ansteuerung der Kamera erfolgte, ließ sich bislang nicht ermitteln.


Comnit-Musterprogram auf dem Farbbildschirm

Jacquard-Editor für die Comnit auf dem Schwarz-weiß-Bildschirm

Jacquard-Editor für die Comnit

Stoffmuster auf dem Farbbildschirm

Dieser CAD-Arbeitsplatz gilt heute als ausgestorben.

CAD-Platz auf Basis EC1834

Als Weiterentwicklung des A5120-CAD-Platzes entwarf Textima einen CAD-Platz, der aus dem leistungsfähigeren 16-Bit-BürocomputerRobotron EC1834 von Robotron (lief vermutlich unter dem Betriebssystem DCP), ergänzt um einen westlichem Farbbildschirm, ein Grafiktablett K6405, einen Drucker K6314 und ggf. einer westlichen Farbkamera bestand.


CAD-Arbeitsplatz Typ 2

CAD.Arbeitsplatz Typ 2 mit Kamera

Strickmuster des Typ2-CAD-Platzes auf dem Farbbildschirm

Dieser CAD-Arbeitsplatz gilt heute als ausgestorben.

CAD-Platz auf Basis PC

Die Vermutlich letzte Variante eines CAD-Platzes baute Textima aus einem westlichen PC (lief vermutlich unter dem Betriebssystem DOS), westlichem Farbbildschirm, Grafiktablett K6405 und einem westlichen Drucker auf. Mit Ausnahme des Grafiktabletts waren nun also alle Komponenten Importware, was darauf hinweist, dass dieser Arbeitsplatz erst nach Öffnung der Grenzen und dem offiziellem Verfügbar-werden westlicher Computertechnik entstand.


CAD-Arbeitsplatz Typ 3

Kurze Zeit später löste sich Textima auf, weitere CAD-Entwicklungen hatte es vermutlich nicht mehr gegeben.

Auch dieser CAD-Arbeitsplatz gilt heute als ausgestorben.



Letzte Änderung dieser Seite: 03.01.2012Herkunft: www.robotrontechnik.de