Spielautomat Polyplay

Der "Polyplay" ist der einzige jemals in der DDR gebaute elektronische Unterhaltungsspielautomat.
Allerdings gab es für den Heimgebrauch auch noch kleinere Spielcomputer.

Das erste Gerät kam 1986 auf den Markt.
Die Elektronik wurde teilweise vom VEB Polytechnik Karl-Marx-Stadt entwickelt und gebaut, teils stützte man sich auf das bekannte K1520-System. Das möbelartige Gehäuse kam vom VEB Raumkunst Mosel.
Vermutlich wurden 2000 Stück gebaut, wobei dies nicht mehr genau nachvollziehbar und daher eine reine Schätzung ist. Da der jüngste uns bekannte Polyplay mit der Seriennummer 1492 aus dem Jahr 1989 stammt, kann davon ausgegangen werden, dass bis zum Ende der DDR nicht mehr viele Geräte gebaut wurden.

Nur FDGB-Ferienheime und privilegierte Jugendclubs der DDR kamen in den Genuss, ein solches Gerät aufzustellen. Immerhin war sogar eine Zulassung des "Staatszirkus der DDR, Fachgebiet Spielwesen" für das Aufstellen und den Betrieb notwendig.


Dokumentation zum Polyplay

Zulassung und Garantieschein des Polyplay

Für den Privatanwender war das Gerät nicht vorgesehen und wohl auch in den allermeisten Fällen unerschwinglich, da der Verkaufspreis allein für das Grundgerät OHNE Spiele bei 21.950 Mark lag. Die Spiele (genauer gesagt: die Spiele-EPROMs) mussten separat dazu gekauft werden. Die Preise dafür lagen zwischen 400 und 750 Mark, je nach Größe des Spiels.


Polyplay-Varianten

Es gab zwei übergeordnete Polyplay-Modellvarianten: ESC1 und ESC2. ESC steht für Elektronischer Spielcomputer.
Die Variante ESC2 unterschied sich zum ESC1 durch ein etwas formschöneres Gehäuse mit einem stabilen Metallinnenleben (beim ESC1 wurden alle Komponenten einfach mit Holzschrauben mit dem Gehäuse verbunden), eine veränderte Münzeinwurf-Mechanik und -elektronik und, etwas später, einen grafisch neu gestalteten Lauflicht-Schriftzug, der aber bis zum Ende der Produktion noch mehrmals überarbeitet wurde. Vermutlich ab der Seriennummer 1300 wurde die Variante ESC2 gebaut.


Polyplay ESC1

Polyplay ESC1, Innenansicht...

... und der eigentliche Rechner

Polyplay ESC2

Polyplay ESC2, Innenansicht

Es existiert noch eine weitere Ausführung des Polyplay. Auch dieses Modell trägt die Bezeichnung ESC1. Die acht zusätzlichen Taster dienen der Direktauswahl der 8 Spiele, da ein Spielauswahlmenü (noch) nicht integriert war. Innerhalb der Serie ESC1 wurde die Software dann überarbeitet, sodass bei den späteren Varianten des Modells ESC1 und beim Modell ESC2 die Auswahl mittels Spielhebel erfolgen konnte. Vermutlich wurden (wie Seriennummern zeigen) Geräte in "alter" und "neuer" ESC1-Ausführung eine gewisse Zeit lang parallel produziert und verkauft. Beispiel hierfür ist ein Polyplay-Automat in "neuer" ESC1-Ausführung mit der Seriennummer 151 und ein ESC1-Polyplay in "alter" Ausführung mit der neueren Seriennummer 185.


"alte" ESC1-Variante

gut erkennbar, die zusätzlichen 8 Bedienknöpfe zur Spielauswahl

Nach neueren Informationen wurde die Software innerhalb der Serie ESC2 ebenfalls noch einmal überarbeitet. Neben dem grafisch völlig neu gestalteten Spielauswahlmenü war es nun möglich aus 10, statt bisher 8 Spielen zu wählen. Diese Änderung innerhalb der Reihe ESC2 betraf wohl nur noch die letzten, im Jahr 1989 hergestellten, Polyplay-Automaten.

Technische Daten


Platinenbestückung:

K-Chiffre Platine Kürzel Bedeutung des Kürzels Erläuterung
- 2319-84-01 FAZ Farbzusatz, Tonerzeugung und Lauflichtsteuerung Zusatz zur Grafikkarte
- 2319-84-02 ABS Adapter für Bildschirm Grafikkarte
mit 1 KByte-EPROM für Zeichensatz
K2521 012-7100 ZRE Zentrale Recheneinheit ZRE mit 3 KByte-EPROM
K3820 012-7040 PFS-1 Programmierbarer Festwertspeicher 1 (Spiele 1-4) 16 KByte-EPROM
K3820 012-7040 PFS-2 Programmierbarer Festwertspeicher 2 (Spiele 5-8) 16 KByte-EPROM

ABS und FAZ sind Eigenentwicklungen des VEB Polytechnik, aber voll K1520-kompatibel. Beide Karten sind über ein 26-poliges Flachbandkabel miteinander verbunden.
Außerhalb des K1520-Gefäßes befindet sich noch eine weitere Karte für die Lampenansteuerung (LAA), die die Signale des FAZ aufbereitet und direkt die Lampen (230V) weitergibt. Die LAA empfängt über ein 10-poliges Flachbandkabel vom FAZ ihre Steuersignale.

Als Bildschirm kommt ein Farbfernseher "Colormat" aus VEB RFT Stassfurt zu Anwendung. Spielhebel und Bedienknöpfe sind DDR-übliche Standardbauteile, wie sie auch bei Robotron-Tastaturen (Hall-Taster beim Spielhebel) und in der Elektroindustrie (Bedienknöpfe) Verwendung fanden.


Spielhebel. In der Bildmitte sind die Halltaster erkennbar.

Münzeinwurfmechanik mit Störungselektrik.

Der Geldeinwurf und die Münzprüfung sind rein mechanisch. Das Auslösen des Impulses "Geld eingeworfen" erfolgt mittels einer Lichtschranke, bevor das Geld in die Geldkassette fällt. über einen Schalter kann man auch auf Spielbetrieb ohne Münzen umstellen.


Der "ältere" Schriftzug (mit eingeschaltetem Lauflicht)...

... und der "Neuere" (ohne Lauflicht).

Der Schriftzug "Polyplay" oben am Gerät, kann wahlweise mit einem Lauflicht hinterlegt werden. Die Lauflichtsteuerung erfolgt über FAZ und LAA und ist separat zu- und abschaltbar.


Die Spiele

Für den Polyplay existieren 10 Spiele (siehe Tabelle), wobei immer nur acht in einem Gerät zur Anwendung kommen können (außer bei den allerletzten Geräten der Modellreihe ESC2, siehe oben). Folgende Spiele standen zur Auswahl:

Spiel Größe Preis Handelsname
Hase und Wolf (EPROM-Nr. 1) 6 KByte 750,- Mark Hase und Wolf
Hirschjagd (EPROM-Nr. 2) 3 KByte 400,- Mark Hirschjagd
Schmetterlinge (EPROM-Nr. 3) 4 KByte 500,- Mark Schmetterlingsfang
Abfahrtslauf (EPROM-Nr. 4) 3 KByte 400,- Mark Abfahrtslauf
Schießbude (EPROM-Nr. 5) 4 KByte 500,- Mark Schießbude
Autorennen (EPROM-Nr. 6) 5 KByte 650,- Mark Autorennen
Merkspiel (EPROM-Nr. 7) 3 KByte 400,- Mark Klingende Symbole
Wasserrohrbruch (EPROM-Nr. 8) 4 KByte 500,- Mark Wasserrohrbruch
Der Gärtner (EPROM-Nr. 9) 3 KByte 400,- Mark Der Gärtner
Im Gewächshaus (EPROM-Nr. 10) 4 KByte 500,- Mark Im Gewächshaus
Hagelnde Wolken (EPROM-Nr. 11) 3 KByte ? ?
Der Taucher (EPROM-Nr. 12) 5 KByte ? ?




Hauptmenü des POLYPLAY

Spiel "Hirschjagd"

Spiel "Abfahrtslauf"

Spiel "Abfahrtslauf"

Spiel "Hase und Wolf"

Spiel "Schmetterlinge"

Spiel "Schießbude"

Spiel "Autorennen"

Spiel "Autorennen"

Spiel "Merkspiel"

Spiel "Der Gärtner"

Spiel "Wasserrohrbruch"

Die Spiele, deren Größe je nach Komplexität zwischen 3 und 6 KByte variiert, sind auf insgesamt 32 EPROMS (je 1KByte U555) auf den beiden PFS-Platinen untergebracht.
Der Urlader, die Startroutinen und das Anfangsbild befinden sich in 3 EPROMs auf der ZRE-Platine.


Sonstiges

Wieviele Geräte heute noch existieren, lässt sich nur schätzen.
Die folgende Tabelle soll einen Überblick über die bekannten Geräte geben:

Typ Baujahr SerienNr. Standort Bemerkungen
ESC 1 unbekannt 58 unbekannt verkauft über eBay
ESC 1 unbekannt 151 unbekannt verkauft über eBay (09/2006); vermutlich defekt
ESC 1 unbekannt 185 Privatsammlung Sascha Scheuermann "alte" ESC1-Variante
unbekannt unbekannt 639 Privatsammlung Martin Groß nur Platinensatz
ESC 1 1988 1225 Privatsammlung Martin Groß über eBay erworben
ESC 2 1988 1392 Privatsammlung Thomas

ESC 2 1988 1395 Privatsammlung Tobias Ballmann

ESC 2 1989 1492 Privatsammlung in Großbritannien

ESC 1 unbekannt unbekannt Computer- und Videospielemuseum Berlin

ESC 1 unbekannt unbekannt Technische Sammlung der TU Dresden

ESC 1 unbekannt unbekannt Sammlung Retro Games e.V. Karlsruhe


Wir möchten eine möglichst komplette Liste (mit Typ, Baujahr, Seriennummer und Standort) aller noch existierenden Polyplay-Automaten erstellen. Sollten Sie im Besitz eines solchen Gerätes sein, oder wissen wo noch solch ein Gerät (funktionstüchtig oder nicht) steht, würden wir uns sehr freuen, wenn Sie uns informieren würden. Schicken Sie einfach eine kleine Aufstellung mit Typ (ESC1 oder ESC2, wie oben beschrieben), Baujahr (meist in den Systemunterlagen oder auf den Rechnerplatinen zu finden), Seriennummer (auf dem Typenschild auf der Geräterückseite zu finden), Standort des Gerätes und möglichst ein/zwei Fotos an .
VIELEN DANK!


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